WM-Fuhrpark Die bunte Karawane

Von manchem wurde es als Affront gewertet, dass nicht ein deutscher, sondern der koreanische Autobauer Hyundai den offiziellen Fuhrpark der Fifa WM stellt. Doch unter die 32 Mannschaftsbusse konnten sich auch Fahrzeuge mit Stern schmuggeln.

Karl-Heinz Engels strahlt. Zwar ist die WM noch nicht angepfiffen, doch für den deutschen Vertreter des koreanischen Automobilherstellers Hyundai hat der Fußball-Gipfel bereits seinen ersten Höhepunkt erreicht. Denn nachdem Engels und die Geschäftsführung aus Seoul kürzlich vor dem Stadion in Frankfurt bei einer symbolischen Schlüsselübergabe mit Franz Beckenbauer mehr als tausend Fahrzeuge an das Organisationskomitee übergeben haben, besteht an der tragenden Rolle der Koreaner kein Zweifel mehr.

center plain Mercedes GL: Über fünf Meter Länge laden zur Geländetour ein center plain Riese: Auf der Automesse in Detroit präsentierte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche einen Mercedes GL 320 Bluetec center plain Geräumig: Der Mercedes GL bietet Platz für sieben Sitze

Mercedes GL: Europas Gelände ruft
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Stolz: Wolfgang Hochfellner hat die Ehre, die DFB-Elf zu kutschieren

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Offensichtlich: Um zu erkennen, wer sich hinter den getönten Scheiben verbirgt, ziert eine Landesflagge das Heck der neuen WM-Busse

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Ganz in Blau: Dieser Bus wird die amerikanischen Spieler durch Deutschland transportieren

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Angetan: OK-Chef Franz Beckenbauer fand Gefallen an den Bussen

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Als offizieller Partner der Fifa haben sie im Mutterland des Automobilbaus alle Konkurrenten mit Stern, Raute oder Ringen überholt und stellen nun den kompletten WM-Fuhrpark. Cheforganisator Beckenbauer ist voll des Lobes. "Man kann Hyundai zu dieser Entscheidung nur gratulieren", sagt der "Kaiser" und verweist darauf, dass sich das Unternehmen bereits vor vier Jahren für eine Partnerschaft bis 2014 entscheiden habe und deshalb auch bei den nächsten zwei Weltmeisterschaften die Flotte für die Balltreter stellen werde.

Diesmal stellt Hyundai vor allem die beiden großen Limousinen Grandeur und Sonata, die Geländewagen Santa Fe und Tucson sowie den Minivan Trajet bereit. Und damit die Wichtigsten unter den Wichtigen den Komfort von Karossen wie Mercedes S-Klasse, BMW 7er oder Audi A8 nicht missen müssen, haben die Koreaner sogar einige "Centennial" nach Deutschland geholt. Diese Luxuslimousine aus der Mehr-als-fünf-Meter-Liga sieht zwar barock aus, fällt aber ungemein auf und fährt in Korea sogar auf einem Niveau mit den Luxuslinern aus Europa.

Hyundai-Aufkleber auf dem Mercedes-Bus

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Doch Hyundai stellt nicht nur VIP-Shuttles und Limousinen für Fußballbotschafter oder Funktionäre, sondern liefert der Fifa auch die 32 Mannschaftsbusse - und gönnt damit der deutschen Autoindustrie zumindest einen kleinen Triumph. Zwar bauen die Koreaner für den asiatischen Markt selbst Busse. "Doch für Hyundai war der Aufwand zu groß, die Fahrzeuge für die vier Wochen des Turniers eigens aus Korea nach Deutschland zu bringen", sagt Engels. So wurden die in Deutschland gebauten Busse für die WM gemietet und mit großen Hyundai-Logos an Front, Heck, Flanken und auf dem Dach beklebt. Am Kühlergrill dagegen prangen allen Exklusivrechten zum Trotz der Mercedes-Stern und der Schriftzug von Setra.

Aber das Markenlogo und die Hyundai-Aufkleber sind auf Grund der kunterbunten Lackierung in den jeweiligen Landesfarben ohnehin kaum wahrnehmbar. Dass der deutsche Bus dabei ziemlich rot geworden ist und vielleicht sogar mit dem aus Korea verwechselt werden könnte, beschäftigt zwar die Boulevardpresse. Doch Busfahrer Wolfgang Hochfellner, der die Klinsmann-Elf chauffiert, nimmt das gelassen. Er freut sich stattdessen wie OK-Chef Beckenbauer über seinen farbenfrohen Wagen.

Hyundai hat für das Engagement tief in die Tasche gegriffen. Die Hauptlast trägt laut Engels die Hyundai Motor Company in Korea, die sich den Vertrag mit der Fifa einen dreistelligen Millionenbetrag kosten lässt. Aber auch die deutsche Niederlassung in Neckarsulm hat für das Turnier einen zweistelligen Millionenbetrag eingeplant. Doch das Geld ist laut Engels gut angelegt. "Unser Engagement bietet eine tolle Plattform, um Millionen Fans zu erreichen und die Marke Hyundai noch bekannter zu machen", sagt der Deutschland-Chef.

Doch so schön die Koreaner in Europa auch feiern und so gut sie ihren Namen in der WM-Berichterstattung auch unterbringen - die Nachrichtenlage in der Heimat könnte ihnen die Show ramponieren. Denn während hier zu Lande gerade ein gewaltiges PR-Feuerwerk abgebrannt wird, sorgt die Unternehmensspitze in Korea für negative Schlagzeilen. Vergangene Woche wurde Chung Mong Koo, der oberste Chef der Hyundai Motor Corporation, wegen des Verdachts der Korruption und Untreue verhaftet. Die Laune von Karl-Heinz Engels konnte dies bislang nicht trüben: "Zugegeben, der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig. Doch wir lassen uns davon die Freude nicht verderben."

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