Sportwagen Der Traum vom Fliegen

Schneller, schöner, lauter - auf dem Genfer Autosalon zeigen sich die Hersteller von ihrer sportlichen Seite. An der Spitze stehen sicherlich der neue Ferrari F599 GTB und der überarbeitete Lamborghini Murciélago. Zu sehen sind aber auch Extravaganzen von Porsche, Mercedes und BMW sowie von Pagani, Inovo Design und Rolls Royce.

Genf - Die Lust an der Motor-Leistung ist offensichtlich ungebrochen. Diesen Eindruck vermitteln zumindest viele der Neuheiten auf Genfer Automobilsalon (noch bis 12. März). Zwar wird auf der Messe in der Schweiz viel von sauberen und sparsamen Verbrennungsmotoren, neuen Kraftstoffen oder alternativen Antriebstechnologien gesprochen. Doch auf fast allen Ständen stehen neben entsprechenden Modellen vor allem sehr sportliche Serienfahrzeuge im Scheinwerferlicht.

An der Spitze der aktuellen Leistungsträger stehen sicherlich der neue Ferrari F599 GTB und der überarbeitete Lamborghini Murciélago. Beide Supersportwagen italienischer Herkunft erreichen nach Angaben der Hersteller deutlich über 300 Kilometer pro Stunde (km/h). Schließlich schöpft der Zwölfzylinder aus Maranello aus sechs Litern Hubraum 456 kW/620 PS, der auf 6,5 Liter vergrößerte Lamborghini-V12 kommt nun sogar auf 471 kW/640 PS.

Sportwagen zeigen aber noch andere. Zum Beispiel die italienische Marke Pagani, die den Zonda Roadster F vorstellt. Es sei der "schnellste offene Sportwagen der Welt", schreibt sich der Hersteller zu. Der flache Zweisitzer wird von einem V12-Motor aus der Produktion der Mercedes-Tuningtochter AMG mit 7,3 Litern Hubraum und 478 kW/650 PS angetrieben. Das Aggregat beschleunigt den in Leichtbauweise gefertigten Roadster in 9,8 Sekunden auf Tempo 200. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit mehr als 300 km/h angegeben.

Rasant: Mehr als 300 Stundenkilometer unter freiem Himmel - der Pagani Zonda Roadster F soll der schnellste offene Sportwagen der Welt sein

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Foto: GMS
Leistungsstark: Der Ferrari 599 GTB Fiorano fährt laut Hersteller über 300 Stundenkilometer schnell

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Supersportler: Der auf 6,5 Liter vergrößerte V12-Motor des Lamborghini Murciélago kommt auf 471 kW/640 PS

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Foto: GMS


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Die Fahreigenschaften des 1230 Kilogramm schweren Zonda Roadster F sollen mit denen des Zonda F Coupés identisch sein, das auch die Basis für das Fahrzeug lieferte. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal beider Sportwagen ist ein in wenigen Sekunden abnehmbares Carbon-Stoff-Verdeck. Von der offenen Variante sollen insgesamt nur 25 Exemplare gefertigt werden, wie der Autohersteller bei der Premiere des Roadsters mitteilte. Preise wurden nicht genannt.

Eine Coupé-Studie mit klassischen Design-Anleihen zeigt indes Inovo Design. Das große Sportcoupé des italienischen Unternehmens wurde auf den Namen Lirica getauft und ist ein fast fünf Meter langer 2+2-Sitzer. Die Karosserieformen zitieren luxuriöse Grand Turismo-Modelle der Vergangenheit. An frühere italienische Sportwagen erinnern sollen unter anderem die markante Kühleröffnung, betonte Radläufe vorn und hinten sowie eine im Bogen zum Heck geschwungene Dachlinie.

Die Innenausstattung des Zweitürers orientiert sich dagegen an der Zukunft: Für die Fahrer-Fahrzeugkommunikation ist ein Bildschirm auf dem Lenkrad vorgesehen. Ein weiterer Bildschirm soll laut Inovo Design der Satellitennavigation dienen. Für jeden Mitfahrer gibt es außerdem einen persönlichen Bildschirm - über den lässt sich im Internet surfen, DVDs anschauen oder Spiele spielen. Ausgelegt ist die Designstudie auf einen V8-Frontmotor und Heckantrieb.

Sportliches von Rolls-Royce

Futuristisches und sportliches

Die deutschen Hersteller stellen in Genf zwar nicht die stärksten Sportwagen vor - dafür aber die meisten. Bei Porsche geben beispielsweise zwei stärkere Varianten des ohnehin schon kräftigen 911 ihren Einstand: Der neue Porsche Turbo mit 353 kW/480 PS und der neue GT3, der immerhin auf 305 kW/415 PS kommt.

Bei Mercedes dürfen sogar vier neue Modelle des Haustuners AMG im Rampenlicht stehen. Sie alle werden von einem neuen V8-Motor mit 6,3 Litern Hubraum angetrieben, der erstmals bei AMG ohne Kompressor oder Turbolader auskommt: Die Leistung liegt je nach Modell zwischen 354 kW/481 PS und 378 kW/514 PS.

Ebenfalls mit neuen Sportmodellen in die Schweiz gekommen ist Audi: Enthüllt wurden das RS4 Cabrio und der RS4 Avant. Beide werden angetrieben von einem 4,2 Liter großen Achtzylindern mit 309 kW/420 PS und sollen bereits in wenigen Wochen auf den Markt kommen.

Auch die M GmbH von BMW will ihre Produktpalette weiter ausbauen, zumindest hat das Geschäftsführer Ulrich Bruhnke zum Auftakt der Messe gesagt. "Künftig werden wir jedes Jahr mindestens ein weiteres M-Modell vorstellen", so Bruhnke. In diesem Jahr präsentieren die Münchener die 252 kW/343 PS starken M-Versionen von Z4 Roadster und Z4 Coupé.

"Boomerang"-Lichtbänder und versenkbares Dach

Handfester, aber futuristisch geht es derweil bei der italienischen Designschmiede Bertone weiter, der seine Studie Suagnà präsentiert. Die Basis bildet ein Großserienfahrzeug, was aber kaum noch zu erkennen ist. Die italienische Designschmiede hat ihren kompakten 2+2-Sitzer auf dem Fiat Grande Punto aufgebaut.

Mit dem hat die Studie allerdings kaum noch etwas gemein. Anstelle des festen Stahldachs gibt es ein versenkbares Hardtop, das sich auf Knopfdruck in den Kofferraum faltet. Die senkrecht stehende Heckscheibe lässt sich separat bei offenem oder geschlossenem Dach versenken oder hochfahren.

Auch beim Design legte Bertone Hand an. Statt des Punto-Grills gibt es in der zugespitzten Frontpartie eine markante Sicke, die als Designelement auch im Heck wieder aufgegriffen wird.

Futuristische "Boomerang"-Lichtbänder ersetzen die herkömmlichen Scheinwerfer und sollen wie Kratzer im Metall wirken. Ziel der Designer war es laut Bertone, einen offenen Sportwagen zu kreieren, der über ein "aggressives", coupéartiges Aussehen verfügt.

Ganz offen bei Rolls-Royce

Ebenfalls eine sportliche Studie in petto hat die Nobelmarke Rolls-Royce. Sie zeigt in die Coupé-Studie 101 EX. Die Designer wollten eine neue Richtung für die britische Luxusmarke aufzeigen, sagte Rolls-Royce-Chef Ian Robertson bei der Premiere des Wagens. Der Zweitürer ist mit einer Länge von 5,61 Metern kürzer als die Luxuslimousine Phantom, wurde aber in gleicher Aluminium-Leichtbauweise gebaut.

Unter der Rolls-Royce-typisch gestreckten Fronthaube ist das aus der Limousine bekannte V12-Aggregat mit 6,75 Litern Hubraum untergebracht. Zu den weiteren Merkmalen gehören eine nach hinten abfallende Dachlinie, Türen mit Scharnieren hinten sowie eine matt polierte Motorhaube aus Aluminium. Hinzu kommen 21-Zoll-Räder.

Für eine Serienfertigung der Studie gebe es derzeit keine Pläne, hieß es in Genf. Mit ihrem ersten Experimentalfahrzeug ist die Marke dagegen bereits einen Schritt weiter: Die Cabrio-Studie 100 EX, die beim Genfer Automobilsalon 2004 vorgestellt worden war, soll laut Robertson im kommenden Jahr auf Basis des Phantom in Serie gehen.

Die kleinen Flitzer kommen

Die kleinen Flitzer kommen

Neben den Oberklassewagen geben sich auf der Genfer Messe auch die Klein- und Kompaktwagen sportlich. So stellt beispielsweise Renault den Clio Sport mit 145 kW/197 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h vor. Sein Aussehen kann aber eher als zahm beschrieben werden. "Weil wir einen aus der Formel 1 abgeleiteten Diffusor am Heck und spezielle Entlüftungsschlitze in den vorderen Kotflügeln haben, entsteht ein Luftstrom, der den Wagen förmlich auf die Straße saugt, ohne dass ein Spoiler die Optik verschandelt", sagt Renault-Sprecher Thomas May-Englert.

In der gleichen Liga wie der Clio fährt der Smart Forfour, den Tuning-Partner Brabus nun nach Angaben des Unternehmens in einer kleinen Auflage erstmals mit mehr als 147 kW/200 PS anbietet: Der Smart "SBR" leistet 155 kW/210 PS und kommt auf eine Höchstgeschwindigkeit von 226 km/h. Ebenfalls zu dieser Kategorie zählt der Peugeot 207 RCup, der nach Angaben des Unternehmens als Basis für ein künftiges Rallye-Modell dient.

Eine Klasse darüber bereitet Honda den Start des neuen Civic Type R vor, der es nach Abgaben von Firmensprecher Alexander Heintzel auf 147 kW/200 PS bringen wird. Er trifft auf Konkurrenten wie den Mazda 3 MPS, der dem Unternehmen zufolge im Herbst "mit mehr als 184 kW/250 PS" zu den Händlern kommt.

Selbst an sportliche Menschen mit Sinn für das Praktische wird gedacht. Für eilige Familienväter gibt es den frisch gelifteten Opel Meriva nun in einer 132 kW/180 PS starken Variante des Opel Performance Centers (OPC). Und der Europa-Debütant Dodge rüstet seine Kompaktvan-Studie Hornet mit einem 1,6-Liter-Motor aus, der es auf 127 kW/170 PS bringt.

"Das wachsende Angebot insbesondere an sportlichen Versionen konventioneller Großserienfahrzeuge ist angesichts der Zulassungszahlen durchaus gerechtfertigt", sagt Nick Margetts vom Marktforschungsinstitut Jato Dynamics in Limburg (Hessen). "Zwar wäre es unter den umweltbewussten deutschen Bürgern zu erwarten, dass die Anzahl der PS-Protze zurückgehen würde. Doch die Realität sieht anders aus."

So bleibe das Segment der reinen Sportwagen über 184 kW/250 PS zwar mit jährlich knapp 25.000 Zulassungen relativ konstant. Aber der wahre PS-Wahn finde woanders statt: Bei den Luxuslimousinen, Geländewagen und eben sogar in der Kompaktlasse und bei Familienfahrzeugen. "Insbesondere in diesen Segmenten haben wir für das letzte Jahr große Anstiege der starken Motorvarianten registriert. Mit fast 55.000 Zulassungen fanden beinahe 40 Prozent mehr Benziner mit über 250 PS Käufer", sagt Margetts.

Kein Wunder also, wenn weitere Autohersteller über Sportwagen nachdenken. Sportlich will sich künftig beispielsweise auch der japanische Hersteller Mazda darstellen: Geplant ist, den offenen Zweisitzer MX-5 künftig auch als Roadster-Coupé mit versenkbarem Hardtop anzubieten. Die Premiere will der Hersteller allerdings erst im Juli auf der Motor Show in London feiern.

manager-magazin.de mit dpa/gms

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