RS 2000 Revival eines DDR-Klassikers

Ende der 60er Jahre baute das Dresdner Unternehmen Melkus den ersten "Ost-Ferrari". Flach wie eine Flunder lag der RS 1000 auf der Straße, Flügeltüren steuerten italienische Extravaganz bei. Jetzt soll der Sportwagen in neuem Glanz erstrahlen: Optisch wie sein Vorgänger, aber technisch auf dem neuesten Stand.

Dresden - Die Zeiten sind lange vorbei, als schnittige Westautos einen Wartburg oder Trabant aus der linken Spur drängeln konnten. Inzwischen hat der Osten automobil nachgerüstet und setzt selbst die Lichthupe ein. Viele Wagen stammen dabei aus einheimischer Produktion. Denn mit Marken wie BMW , Volkswagen  oder Porsche  sind namhafte Hersteller längst im Osten präsent.

Nun soll ein ganz spezieller Glanzpunkt folgen: Die aus DDR-Zeiten bekannte Rennwagenfirma Melkus aus Dresden will von 2007 an einen neue Sportwagen bauen - den RS 2000.

Heinz Melkus hatte den Vorläufer Ende 1969 entwickelt und damit Motorsportfans begeistert. Der einzige DDR-Rennwagen mit Straßenzulassung kostete knapp 30.000 Mark und war ein Blickfang.

Mit einem frisierten Wartburg-Motor brachte es der Melkus RS 1000 auf 200 Stundenkilometer - für ostdeutsche Verhältnisse überirdisch. 101 Exemplare des "Ost-Ferraris" entstanden in Handarbeit, 80 davon existieren noch.

"Es gibt Leute, die mit ihrem Melkus nicht mehr fahren, weil sie Angst vor fehlenden Ersatzteilen haben", sagt Peter Melkus. Der 52-Jährige führt das Werk der Rennfahrerdynastie fort. Vater Heinz war im September 2005 gestorben, sein anderer Sohn Uli schon kurz nach der Wende bei einem Autounfall. Mittlerweile sitzt die dritte Generation hinter dem Rennlenker. Das Geld wird mit dem Verkauf von Autos verdient. "Dennoch bekomme ich heute die meisten Anfragen zum Melkus", sagt der Geschäftsführer.

RS 2000 mit 200 PS

Als Zwischenspurt zum neuen Sportwagen baut Melkus zunächst zehn Wagen des RS 1000 nach. Wie damals kommen Originalteile aus Wartburg und Trabant zum Einsatz. "Es liegen noch so viele Neuteile in den Garagen - kein Wunder, dass sie in der DDR knapp waren", beschreibt Peter Melkus die einstige "Hamstermentalität" seiner Landsleute. Da einige Vorlagen fehlen, wird "aus dem Gedächtnis heraus gebaut", sagt Karosseriefachmann Siegfried Anacker. Der "alte Neue" kann bis zu 40.000 Euro kosten, vier verbindliche Bestellungen liegen vor.

Für Melkus soll der Rückblick den Weg in die Zukunft weisen. Der RS 2000 halte sich optisch an den Vorgänger, erreiche aber technisch den Stand der Neuzeit, verspricht das Unternehmen. Eine Zeichnung des Wagens hat der Chef bislang nur im Kopf. Dennoch verrät er ein paar Details. Etwa 150 bis 200 PS soll das Gefährt auf die Straße bringen, die Flügeltüren bleiben. Die Kosten werden auf 50.000 bis 60.000 Euro veranschlagt. Zunächst sind 20 Stück pro Jahr geplant. "Bei Bedarf bauen wir mehr, das haben wir in der Marktwirtschaft gelernt".

Die Finanzierung will Peter so machen, wie schon Vater Heinz zu Werke ging. Ohne Anzahlung läuft nichts. Für die Entwicklung holt er die Firma EDAG Engineering + Design aus Fulda mit ins Boot. Die Hessen gelten als Spezialisten im Fahrzeug- und Prototypenbau. Mit dem Sportcoupé möchte Melkus in ein neues Geschäftsfeld vorfahren. Da der Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen nicht so läuft wie gewünscht, ist der RS 2000 auch wirtschaftlich ein Hoffnungsschimmer.

Jörg Schurig, dpa

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