Mittwoch, 19. Juni 2019

Detroit Motor Show Schleiertanz und Zauberkünste

Markige Parolen, röhrende Motoren, splitternde Glasscheiben, sich auftürmende Eisberge – an fast nichts fehlt es auf der Autoshow in Detroit. Die Premieren der Autoneuheiten inszenieren die Hersteller wie große Bühnenstücke.

Detroit - Der Amerikaner, so das Klischee, mag es gern schrill und bunt. Während die Hersteller auf anderen Autoausstellungen ihre neuen Modelle meist enthüllen, indem sie einfach ein Tuch vom Fahrzeug ziehen, werden die Premieren auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit (14. bis 22. Januar) inszeniert wie große Opern.

Vor allem die US-Marken entwerfen jene spektakulären Bilder, die während der ersten drei Tage der Show die Medien dominieren und das Frühstücksfernsehen beherrschen. Damit das eigene Unternehmen in der TV-Berichterstattung auch ja nicht zu kurz kommt, begnügt sich keiner der Konzerne mit nur einer Pressekonferenz. Sondern mindestens an zwei, besser noch an drei Tagen lassen Ford Börsen-Chart zeigen, General Motors (GM) Börsen-Chart zeigen und die Chrysler-Group von unterschiedlichen Neuwagen die Hüllen fallen.

Schleiertanz bei Buick: Flirrende Lichteffekte, anmutige Tänzerinnen und geheimnisvolle Schleier - die große Show um den ebenfalls ziemlich großen Luxusgeländewagen Buick Enclave Glasbruch bei Jeep: Chrysler-Chef LaSorda fährt den neuen Jeep Wrangler durch eine Glasscheibe des Konferenzzentrums und erklimmt einen davor aufgetürmten Eisberg Nebelschwaden bei Ford: In der Cobo-Arena zog Ford eine gigantische Show ab, bei der unter anderem das Sportcoupé Reflex aus den Schwaden des Trockeneisnebels auftauchte
Gala bei Ford: Eine Bühne auf mehreren Ebenen, imposante Licht- und Toneffekte sowie Konfettiregen von der Decke und markige Worte vom Podium - Ford zelebrierte seinen Messeauftritt als patriotische Show Tradition bei Chevrolet: Der Chevy Camaro ist ein weiterer Vertreter der Musclecar-Retrospektive, die den US-Marken derzeit viel Aufmerksamkeit beschert. Nach Mustang, Charger und Challenger nun also auch der Camaro Expresssendung bei Chrysler: Der neue Chef Tom LaSorda erhielt ein Riesenpaket auf die Bühne - und drinnen steckte sein Vorgänger und jetziger Vorgesetzter, der neue DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche

Showtime in Detroit: Dicke Schals und kurze Röcke
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Natürlich dreht sich bei der Motorshow im Grunde alles um die Autos. Doch sobald die Kameras auf die Bühne gerichtet sind, werden die Wagen oft genug dann doch zur Nebensache. Ganz im Stil der großen Entertainer locken die Vorstände der Konzerne mit einstudierten Scherzen, kämpferischen Reden, markigen Parolen oder lockeren Sprüchen, während schöne Frauen die Blicke vom Blech ablenken und prominente Sportler oder Serien-Schauspielerinnen für Glanz und Glamour sorgen.

Besonderes Geschick bei den Inszenierungen beweist traditionell die Chrysler-Group, obwohl mit dem Wechsel des bisherigen Chefs Dieter Zetsche nach Stuttgart einer der talentiertesten Showstars der Branche nun nicht mehr im Hause ist. Doch bei der Ersten von drei Chrysler-Konferenzen in der Cobo-Hall werden die Messegäste eines Besseren belehrt.

Aus dem Container gezaubert

Auf der Bühne steht zunächst Zetsche-Nachfolger Tom LaSorda. In einem Container-großen Kurierpaket erhält der neue Chef vor versammeltem Publikum nicht nur ein paar Zetsche-Accessoires der letzten Motorshows wie die "Caliber-Gitarre" aus Genf oder den "Charger-Hut" aus Detroit zurück.

Dann aber zieht er auch noch - ausgerechnet am charakteristischen Walross-Schnauzbart - seinen Vorgänger aus dem Karton. Der grüßt artig, versichert LaSorda, dass er ihm künftig nicht mehr die Show stehlen, sondern vielmehr den Rücken frei halten wolle und festigt so mit einer kleinen Spaßeinlage die Klammer zwischen Detroit und Stuttgart. Ach ja, um Autos geht es dann auch noch: Erst enthüllt der Designchef den amerikanisierten Rolls-Royce-Verschnitt Imperial, danach das Muscle Car Dodge Challenger.

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