Porsche 917 Wiedergeburt einer Legende

Steve McQueens "Le Mans" gilt als einer der besten Rennfahrerfilme aller Zeiten. Die eigentliche Hauptrolle spielte freilich nicht der Hollywood-Star, sondern ein Porsche 917. Nach dem großen Kino-Erfolg vergammelte der 600-PS-Bolide jahrelang in einer Scheune. Jetzt wird McQueens Renner in Aachen restauriert.

Aachen - Der Wagen gehört zu den berühmtesten Autos der Filmgeschichte. Selten zuvor sind Überholmanöver so spannend inszeniert worden wie mit diesem Rennwagen. Der hellblaue Porsche 917 mit der Nummer 22 sicherte Filmstar Steve McQueen im Streifen "Le Mans" den Sieg gegen die rote Übermacht von Ferrari. Das war 1971.

McQueen lieh sich den Wagen von einem Formel-1-Piloten, um seinen Traum vom Rennfahrer-Film zu verwirklichen. Denn der Hollywood-Star fuhr selbst hochklassige Rennen. In "Le Mans" führte er Regie, war Hauptdarsteller und Produzent.

Als McQueen 1980 starb, war sein 600 PS starker Filmpartner schon lange in der Versenkung verschwunden. "Er stand vergessen in einer Scheune. Bis er 2002 in Paris in einem katastrophalen Zustand wieder auftauchte", sagt Johannes Gartzen, Maschinenbau-Professor an der Fachhochschule Aachen. Gartzen und seine Mitarbeiter restaurieren die Filmlegende in ihrem Werklabor. Ein Schweizer Uhrenmacher hat den Porsche von einer französischen Erbengemeinschaft gekauft, die den Zwölfzylinder langsam vor sich hin rotten ließ.

Er liebte Rennwagen: Steven McQueen im Jahr 1970 in einem Porsche 908

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Foto: Porsche
Als Männer noch echte Männer waren: Hollywood-Star Steve McQueen 1970

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Foto: Porsche
Porsche 917 im Renneinsatz: Auch außerhalb der Leinwand fast unschlagbar

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Foto: Porsche
Seltenes Sammlerstück: Porsche 917 im "Le Mans"-Look

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Foto: Porsche


Stars aus "Le Mans": Steve McQueen und Porsche 917
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"Der neue Besitzer will privat Rennen fahren", sagt Gartzen. Der Schweizer habe ein ausgeprägtes Faible für die alte Bauweise, betont der Professor. Deshalb soll der historische Rennwagen nicht in irgendeiner Werkstatt restauriert werden, sondern im Präzisionslabor der FH Aachen, wo Studenten Schweißtechniken lernen und Wissenschaftler die Rekonstruktion von Metallen erforschen. Jedes marode Detail des alten Porsche muss originalgetreu nachgebaut werden.

Nur das Fahrgestell blieb übrig

Nur das Fahrgestell blieb übrig

Zurzeit liegt die "Le-Mans"-Legende auf der Intensivstation: Im FH-Labor ist nur noch das nackte Fahrgestell des Porsche übrig geblieben. Schlangenartig winden sich die Maschinenbauer durch das Rohrgerippe, um jeden Zentimeter des alten Autos unter die Lupe zu nehmen. Sie durchleuchten die 30 Jahre alten Metallrohre mit Lasergeräten und unterziehen sie einer Computertomographie. "Wir müssen zuerst das Material analysieren", erklärt Laborleiter Andreas Vollmann.

Die Aluminium-Zink-Legierung des Porsche-Gestells gibt es schon lange nicht mehr. In einem aufwendigen Spezialverfahren gießen die Maschinenbauer das alte Metall neu nach. Kleinere Ersatzteile finden sie bei Oldtimer-Börsen im Internet. "Da gibt es Felgen für 4000 Euro", berichtet Vollmann. Die Schweißnähte des 917 dürfen keinesfalls perfekt sein. Andreas Vollmann muss schlechter schweißen, als er es eigentlich kann. "Die Schweißnähte sollen exakt so sein wie in den 70er Jahren", erklärt er. "Also etwas unsauber, etwas breiter."

Der Porsche ist nicht nur Reparatur- sondern auch Forschungsobjekt. In Studien- und Diplomarbeiten dokumentieren Studenten die mechanischen Herausforderungen, die der Sportoldtimer an sie stellt. Der 917 von "Le-Mans" ist eine Rarität: "Es gibt nur ein weiteres Modell weltweit", erklärt Professor Gartzen. Diskretion ist deshalb oberstes Gebot. Über die Kosten des Projekts schweigen die Restauratoren.

In zwei Jahren soll der fertige Porsche der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dann soll auch Chad Mc Queen, der Sohn der Filmlegende, dabei sein. "Wir werden ihn einladen", sagt Professor Gartzen. Wie der Vater interessiere er sich für Motorsport. "Wenn Steve McQueen wüsste, dass dann sein Sohn bei uns im alten 917 sitzt - er würde sich darüber bestimmt sehr freuen."

Von Torsten Schäfer, dpa

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