BMW 3er Touring Extra für Golfspieler

Anders als früher bekennt sich der Autobauer BMW heute ohne Zweifel zu seinen Lastenträgern. Mit dem neuen 3er Touring ist den Bayern nun ein sportlich wirkender Lifestyle-Laster gelungen, der mit pfiffigen Detaillösungen aufwartet.

So wirklich geplant war der Touring in der 3er-Reihe nicht. Denn als 1984 schon die zweite Generation der Limousine am Markt war, konnte sich mit einem Kombi in München noch keiner anfreunden. Keiner? Nicht ganz.

Ein junger Ingenieur, so lautet die von BMW verbreitete Legende, machte sich angesichts seines bevorstehenden Familienzuwachses intensiv Gedanken über eine neue Kombination von Fahrspaß und praktischem Nutzwert. Und weil er in der Entwicklung niemanden überzeugen konnte, hat er nach Feierabend daheim in der Garage zu Schweißbrenner und Trennscheibe gegriffen.

Binnen sechs Monaten entstand so ein Prototyp, den er im April 1985 seinen Vorgesetzten zeigte. Was für ihn persönlich zwar sicher kein Schaden, aber doch ein taktischer Fehler war. Denn aus dem neuen Babybomber wurde erst einmal nichts. "Dieses Auto verlässt BMW nicht mehr", soll der damalige Vorstandsvorsitzende von Kuenheim gesagt haben, bevor er den Touring kurzerhand zu einem offiziellen Entwicklungsprojekt erklärte. Erst zwei Jahre später allerdings, im August 1987, kommt der erste Kombi auf den Markt und damit der junge Vater aus der Entwicklungsabteilung auch zu seinem neuen Familienauto.

Dass die Idee des Technik-Guerillas so schlecht nicht gewesen ist, zeigt im Nachhinein auch ein Blick in die Zulassungsstatistik. Schließlich macht der Kombi in der Mittelklasse nach den Zahlen des Analyseinstituts B&D-Forecast (Leverkusen) in Deutschland mittlerweile 57,8 Prozent aller Verkäufe aus.

Das klassische Stufenheck kommt nur noch auf 33,1 Prozent, und Coupés oder Fließheckmodelle erreichen nur 9,1 Prozent. Zwar haben Audi und VW bei A4 und Passat mit einer Kombi-Quote von 70,1 und 80,6 Prozent im letzten Jahr eine noch viel eindeutigere Kundenpräferenz. Doch auch bei BMW war der Touring 2004 nach diesen Zahlen - zumindest in Deutschland - das mehrheitsfähige Modell.

Generationswechsel lässt Touring wachsen

Tiefe Ladekante, markante Rückleuchten

Angesichts dieser Marktentwicklung bekennen sich die Bayern heute ohne Not zu ihren Lastenträgern. Und anders als früher muss der Touring deshalb auch nicht mehr daheim in der Garage entwickelt werden. Im Gegenteil: Zum ersten Mal in der Modellgeschichte des Dreiers wurden Limousine und Kombi tatsächlich parallel entwickelt, so dass Designer und Techniker von Anfang an beide Varianten vor Augen hatten.

Dabei ist erneut ein sehr sportlich wirkender Lifestyle-Laster mit der Silhouette als Schokoladenseite herausgekommen: Dort nehmen die sanft nach hinten fallende Dachlinie und die leicht steigende Gürtellinie das Fensterband förmlich in die Zange und lassen den Kombi schlanker aussehen, als er eigentlich ist. Dazu gibt es ein glattes und schnörkelloses Heck mit großer Klappe, tiefer Ladekante, kleinem Spoiler und markanten Rückleuchten.

Wie die Limousine, so wächst beim Generationswechsel auch der Touring. Und mit den Abmessungen natürlich auch das Platzangebot. So bietet der jetzt 4,52 Meter lange Bayer einen um 25 auf 460 Liter vergrößerten Kofferraum. Wer sich mit zwei Sitzplätzen begnügt, der kann die asymmetrisch geteilte Rückbank umklappen und das Ladevolumen damit auf 1385 Liter erweitern.

Allerdings verhindern die dicken Sitzpolster und vielleicht auch der Kardantunnel des Heckantriebs eine absolut ebene Ladefläche. Dafür gibt es jetzt im Tiefparterre noch einmal zusätzlichen Stauraum, weil der Dreier serienmäßig mit pannensicheren Reifen ausgerüstet ist und deshalb das Ersatzrad unter dem Ladeboden entfällt.

Weil aber bei einem Kombi das reine Raumangebot längst nicht mehr alles ist, profiliert sich der neue Touring auch mit seinen vielen Detaillösungen. So bleibt er der einzige deutsche Kombi, bei dem die Heckscheibe separat geöffnet werden kann. Falls die hoch verehrte Premium-Kundschaft tatsächlich einmal schmutziges Sperrgut transportieren möchte, gibt es als Option einen Wendeboden, der auf einer Seite Teppich und Zurrösen trägt und auf der anderen mit einer ausziehbaren Kunststoffplane als Schutz vor Schmutz und Kratzern bestückt ist. Und wenn das Schuhwerk auf dem Golfplatz einmal richtig nass oder gar schlammig geworden sein sollte, halten die Bayern für den Unterboden eine wasserdichte Klappbox bereit.

Motor,- und Verbrauchsdaten

Partikelfilter für 600 Euro

Die Technik übernimmt der Touring nahezu unverändert von der Limousine. Deshalb rollt auch der Kombi auf einem sehr straffen Fahrwerk, dem die aufpreispflichtige Aktivlenkung eine noch sportlichere Note gibt. Dabei beschränken sich die Bayern zum Start auf zwei Motoren: Für die Otto-Fraktion gibt es zu Preisen ab 33.400 Euro im 325i einen 2,5 Liter großen Reihensechszylinder mit 168 kW/218 PS und maximal 250 Newtonmeter.

Und für die Freunde des Diesels steht ab 31.550 Euro der 320d beim Händler. Sein Vierzylinder kommt auf 120 kW/163 PS und bringt 340 Newtonmeter an die Hinterachse. Damit wird der Kombi zu einem ebenso genügsamen wie vergnüglichen Eiltransporter. Denn mit sonorem Sound und relativ spontanem Antritt beschleunigt der Diesel den Kombinationskraftwagen binnen 8,6 Sekunden auf Tempo 100 und spurtet munter weiter, bis der Vortrieb bei 223 km/h ein Ende findet.

Der Verbrauch soll in der Theorie bei 5,9 Litern liegen und pendelte sich in der Praxis der ersten Testfahrten bei noch immer vernünftigen sieben Litern ein. Dabei erfüllt der Motor die Euro4-Norm und kommt deshalb nach der gängigen BMW-Politik ohne Filter daher. Wer saubere Abgase und ein reines Gewissen möchte, muss deshalb für den Partikelfilter rund 600 Euro Aufpreis einrechnen.

Mit den beiden Motoren ist es aber auf Dauer nicht getan: Für sparsame Kunden wird es deshalb schon bald auch einen 110 kW/150 PS starken 320i geben, mit dem der Preis knapp unter 30.000 Euro sinken dürfte. Und wer mehr Freude am Fahren verlangt, der bekommt später im Jahr den 330i mit 190 kW/258 PS oder den 330d mit 170 kW/231 PS.

Im üblichen Dreikampf der vornehmen Mittelklasse hat BMW mit dem neuen Touring seine Position gegenüber Audi und Mercedes deutlich verbessert. Denn bei voller Besetzung bietet der 3er nun mehr Laderaum als der A4 Avant (442 Liter) und nur noch zehn Liter weniger als das T-Modell der C-Klasse (470 Liter). Bei umgelegter Rückbank haben die Münchner jetzt sogar die Nase vorn. Doch als lachender Vierter könnte dem Trio demnächst ein andere Lademeister in die Parade fahren: der neue Passat Variant, der quasi zeitgleich mit dem Touring an den Start geht und mit 603 bis 1731 Liter Stauraum eine noch viel größere Klappe riskiert.

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