Jaguar S-Type R Aristokratische Opulenz

Technisch betrachtet ist der Jaguar S-Type R nur ein Konkurrent von BMW M5, Audi S6 und Mercedes E 55 AMG auf Basis eines veralteten Autos. Aber damit ist das Wesentliche nicht erfasst. Eine Probefahrt.

Der Jaguar S-Type wurde schon häufig geschmäht. Als Businesswagen im ungelenken Retro-Look, als britische Limousine aus dem Ford-Konzern, als irgendwie nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Doch S-Type-Bashing ist ungefähr ebenso originell, wie die einstige Mode, den Smart als "Elefantenrollschuh" zu titulieren.

Die Vorurteile über den S-Type stimmen nur bedingt. Und seit das Design des durchaus barock geformten Autos vor knapp einem Jahr überarbeitet und gestrafft wurde, kann man dem Auto optisch nicht mehr viel vorwerfen. Es sei den, man stößt sich grundsätzlich daran, dass sich der S-Type stur auf seine Rolle als britische Alternative zu völlig anders gestylten Autos vom Schlage eines BMW 5ers, Audi A6 oder der Mercedes E-Klasse versteift.

Man kann sich jedenfalls sehr wohl fühlen an Bord des S-Type. Im Topmodell der Baureihe, dem S-Type R, kommt dazu noch eine überdimensionale Motorleistung. Sämtliche "R-Performance"-Modelle der britischen Marke tragen ein 4,2-Liter-V8-Kompressoraggregat unter der Haube. Dieser Motor entwickelt 395 PS Leistung und ein maximales Drehmoment von 541 Nm. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, das Gaspedal herzhaft niederzudrücken, erfüllt einen der vehement einsetzende Vortrieb mit einem Gefühl der Zufriedenheit.

Opulenz statt Hightech

Dies legt sich allerdings, wenn man an den Verbrauch oder den Schadstoffausstoß in solchen Momenten denkt. Im Schnitt schleudert das Auto 314 Gramm Kohlendioxyd pro Kilometer in unsere Atemluft. Darin gleichen sich übrigens alle hochgezüchteten Business-Limousinen.

Der Unterschied des Jaguar S-Type R zu den AMG-, M- oder S- und RS-Modellen der deutschen Konkurrenz ist nicht so sehr technischer, als viel mehr optisch-atmosphärischer Natur. Während die deutschen Produkte Hightech zelebrieren, schwelgt das britische Mobil in aristokratischer Opulenz. Reichlich Leder im Innenraum, ein 16-fach elektrisch verstellbarer Fahrersitz, ein Armaturenbrett im Aluminiumdesign das an die guten alten Tage des E-Type erinnern soll, weicher Teppichbelag im Fußraum und eine insgesamt geschmeidig-edle Anmutung.

Britischer Butler-Effekt

Britischer Butler-Effekt

Dem entspricht auch das Fahrgefühl. Trotz der starken Motorleistung kommt eigentlich nie Hektik auf - schon allein weil sie nicht zum Stil dieses Autos passen würde. Bei flottem Beschleunigen hört man ein kurzes Grollen der Maschine, danach zischt man wieder ruhig dahin wie zuvor.

Der Tempomat mit automatischer Abstandskontrolle kümmert sich um den Sicherheitsabstand, die Sechsgang-Automatik legt die Gänge so höflich ein wie ein erfahrener Butler und das gut zu bedienende Touch-Screen-Navigationsgerät findet den Weg. Nicht ganz so schlau ist die Bedienung der Klimaanlage eingerichtet, aber daran gewöhnt man sich.

Wer den S-Type R von außen betrachtet, merkt sofort, dass dieses Auto sein Talent für Geschwindigkeit selbstbewusst vor sich herträgt. Der Kühlergrill trägt ein silbriges Maschendrahtgitter, im Stoßfänger gibt es zusätzliche Lufteinlässe für den Ölkühler. Anstelle von Chromleisten gibt es Zierat in Wagenfarbe, auf dem Kofferraumdeckel sitzt eine Spoilerlippe und dazu kommen große 18-Zoll-Leichtmetallräder, die auf einem Sportfahrwerk stecken.

"Born to perform" lautet das Motto der R-Abteilung von Jaguar. Für die Autos mag das zutreffen, die Performance der Marke insgesamt lässt aber noch arg zu wünschen übrig. Und mit R-Modellen allein wird es auch nicht gelingen, das sportliche Image auf Dauer zu pflegen. Doch ein Hoffnungsschimmer ist bereits zu erkennen: Im Herbst fährt der Nachfolger des Sportwagens XK vor. Der bringt dann im Idealfall auch die Geschäfte mit S- und X-Type ein wenig mehr in Schwung.

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