Genfer Salon Sprühende Zündfunken

In den vergangenen Monaten wurden in Europa erstmals mehr Diesel-Pkw als Benziner zugelassen. In diesen Boom hinein fällt der 70. Geburtstag des ersten Diesel-Pkw der Welt von Mercedes. Beim Genfer Salon feiern die Stuttgarter das Jubiläum mit gleich sieben Selbstzünder-Weltpremieren.

Genf - Für Mercedes-Chef Eckhard Cordes ist die erstaunliche Karriere des Dieselmotors eine ganz logische Sache. "Damit ernten wir die Früchte des intensiven Wettbewerbs unter den europäischen Herstellern, die sich seit Jahrzehnten für die Perfektionierung des Selbstzünders engagiert haben", sagte der Frontmann der Stuttgarter beim Genfer Autosalon.

Stand die Messe in Detroit vor wenigen Wochen noch ganz im Zeichen des Hybridantriebs, so steht jetzt in den Palexpo-Hallen ganz eindeutig der Dieselmotor im Vordergrund.

Cordes verkündete, dass ab dem Sommer "ausnahmslos alle Dieselmodelle von Mercedes die Euro-4-Abgasnorm erfüllen werden" und dass darüber hinaus sämtliche Selbstzünder "serienmäßig mit einem Russpartikelfilter" ausgestattet würden. Damit schiebt sich die Marke an die Spitze des Trends, den zuletzt vor allem die französischen Hersteller und auch Toyota forcierten, nämlich die Schadstoffemissionen des Dieselmotors zu reduzieren. Unmittelbar nach dieser Ankündigung fuhren sieben in silbriger Alu-Beam-Lackierung schimmernde Diesel-Novitäten auf die Showbühne des Messestandes.

Zunächst die beiden neuen Sports-Tourer-Modelle B- und R-Klasse, ersterer angetrieben vom neuen Vierzylinder-CDI-Motor mit 140 PW, letzterer befeuert vom neuen V6-CDI-Motor mit 224 PS. Dann das CLK Cabrio mit Dieselantrieb, die zweite Generation der M-Klasse mit dem neuen V6-Dieselmotor, den es außer in der Variante mit 224 PS auch noch in einer Version mit 190 PS geben wird. Schließlich das Kombimodell der E-Klasse, ebenfalls mit dem neuen V6-Diesel, zusätzlich aber auch noch mit dem Allradantrieb 4matic.

Soweit ist das schon eine beeindruckende Flotte. Doch dann fuhren noch zwei Diesel-Studien aufs Podest, von denen Cordes behauptete, sie würden im Einstein-Jahr die Formel E gleich MC zum Quadrat neu definieren. "Nämlich in Diesel ist gleich Effizienz plus Fahrspaß hoch drei." Was er damit meinte, war die Studie des SLK 320 CDI Triturbo, also des Roadsters der Marke, in den die Techniker einen V6-Selbstzünder mit gleich drei Turboladern gepflanzt haben. Der Wagen im AMG-Trimm spurtet in 5,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und wird bis zu 250 km/h schnell - bei einem Durchschnittsverbrauch von 7,5 Liter je 100 Kilometer, wie Mercedes beteuert.

Ob es einen Markt für einen Triturbo-Roadster gibt, möchten die Schwaben unter anderem auch in Genf eruieren. Das gilt auch für den Luxussportwagen SL, der unter dem Namen "Vision SL 400 CDI" mit dem stärksten Pkw-Dieselmotor der Welt ausgestattet ist. Unter der langen Haube sitzt ein 4-Liter-V8-Aggregat mit einer Leistung von 315 PS (231 kW) und einem maximalen Drehmoment von 730 Nm. Der bisherige Titelträger, der V10-TDI-Motor von Volkswagen, verfügt zwar über etwas mehr Newtonmeter, muss sich aber bei der PS-Zahl (313) um einen Hauch geschlagen geben.

Ob das Triebwerk je in einen Serien-SL eingebaut wird, ist noch offen. "Passen würde er jedenfalls", sagte ein Mercedes-Sprecher. Sicher ist jedoch, dass er künftig die Modelle der E-, G- und der kommenden S-Klasse antreiben wird. "Wir sind überzeugt, dass die Zukunft des Diesels gerade erst beginnt", rief Mercedes-Chef Cordes nach diesem Feuerwerk der Zündfunken ins Auditorium.

Erkennbar ist zumindest die feste Absicht des Unternehmens, an der Diesel-Historie weiter kräftig mitzuwirken. Denn neben dem ersten Diesel-Pkw der Welt (1935) kam von Mercedes auch der erste Turbodiesel in einem Personenwagen (1978), der erste Russpartikelfilter (1985, damals allerdings nur in den USA), sowie der erste Serienwagen mit Common-Rail-Direkteinspritzung (1997).

Die Dieseltechnik gehört für Mercedes längst zu einem Grundpfeiler des Autogeschäfts. Derzeit werden rund 56 Prozent aller Neuwagen der Marke, die in Europa ausgeliefert werden, mit Dieselmotoren verkauft. Und selbst in Kanada feiert der Selbstzünder gerade einen Erfolg: Vom Smart Fortwo Cdi wurden seit Oktober bereits mehr als 1000 der Minimobile mit Ölbrenner abgesetzt - mit maximal 400 Exemplaren hatte man ursprünglich kalkuliert.