Bugatti Veyron Klar zum Abheben

Mit jahrelanger Verzögerung lässt Bugatti sein Über-Auto Veyron auf die Straße: 1001 PS Motorleistung und über 400 Stundenkilometer Spitze lautete die Vorgabe an die Ingenieure - leider durften sie keine Flügel dranschrauben.

Molsheim - Stattdessen versuchten sie das als Designstudie entstandene Auto fit für die Straße zu machen - und stießen dabei auf ständig neue, nahezu unlösbare Probleme. So dauerte alleine die Entwicklung eines Siebenganggetriebes, das den Kräften standhält, mehrere Jahre. Das Teil alleine kostet jetzt 100.000 Euro.

Im September 2005 will Bugatti nun die ersten des mit 1,16 Millionen Euro Kaufpreis teuersten und zusätzlich schnellsten für den Straßenverkehr zugelassene Autos auf die Straße bringen. Derzeit gebe es rund 50 Interessenten, vor allem in den USA, aber auch in arabischen Ländern, China und Europa. Insgesamt sollen maximal 300 Autos gefertigt werden.

"Der Veyron wird niemals profitabel sein. Es geht um den Erhalt der Marke Bugatti und um Prestige", sagte Thomas Bscher, der Präsident der Volkswagen-Tochter Bugatti Automobiles SAS. Volkswagen hatte die Namensrechte an Bugatti 1998 übernommen und sich zunächst mit mehreren Designstudien an die Tradition der Marke herangetastet.

Über eine Million Euro teuer: Der Bugatti Veyron

Über eine Million Euro teuer: Der Bugatti Veyron

Viel Kraft unter der Haube: 18 Zylinder-Mittelmotor mit 6.300 Kubikzentimetern Hubraum

Viel Kraft unter der Haube: 18 Zylinder-Mittelmotor mit 6.300 Kubikzentimetern Hubraum

Ausfahrbar: Heckflügel des Veyron

Ausfahrbar: Heckflügel des Veyron

Schnittig: Der Bugatti Veyron

Schnittig: Der Bugatti Veyron

"Nichts ist zu schön, nichts zu teuer": Bugatti Veyron

"Nichts ist zu schön, nichts zu teuer": Bugatti Veyron

"Nichts ist zu schön, nichts zu teuer": Der Veyron

"Nichts ist zu schön, nichts zu teuer": Der Veyron

Kaufinteressenten vor allem aus den USA: Heckansicht des Veyron

Kaufinteressenten vor allem aus den USA: Heckansicht des Veyron

Allein an den Reifen wurde mehrere Jahre getüftelt: Der Bugatti Veyron

Allein an den Reifen wurde mehrere Jahre getüftelt: Der Bugatti Veyron


Bugatti Veyron 16.4
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Im Herbst 1999 wurde der Veyron, als vierter Entwurf nach EB 118, 218 und 18/3 Chiron, auf der Motor Show in Tokio präsentiert. Damals als blau-schwarz lackierter EB 18/4 mit einer von VW-Chefdesigner Hartmut Warkuß stilgetreu gezeichneten Karosserie und einem überaus ekstatischen Interieur.

Eine ähnliche Opulenz dominierte den Motorraum: Ein 18 Zylinder-Mittelmotor mit 6.300 Kubikzentimetern Hubraum und 555 PS - zu wenig für den automobilen Wagemut eines Ferdinand Piëch (bei Entwicklungsbeginn noch VW-Chef), zu wenig für den Mythos Bugatti. Piëch-like steht der Veyron Evolutionsstufe II als "EB 16/4" schon zwei Jahre später, diesmal lackiert in Rot-Schwarz mit 1001 PS, auf der Frankfurter IAA. Seriennah und erstarkt, mit 16 Zylindern, 4 Turboladern, 8 Litern Hubraum und über 400 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeit.

Warten auf den Volks-Bugatti

Warten auf den Volks-Bugatti

Dabei orientierte sich der Konzern nach eigenem Bekunden an der Tradition des Gründers Ettore Arco Isidore Bugatti. "Nichts ist zu schön, nichts zu teuer", hatte der in den 20er Jahren seine Mission beschrieben. Das Modell Bugatti Royale war schließlich die reinste Verkündigung dieser Produktphilosophie und zugleich der idealen Profession seines Besitzers: König - in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein aussterbender Berufszweig. Die ehrgeizige Vorgabe stellte die Volkswagen-Ingenieure vor unerwartete Probleme: So war die Temperatur im 8-Liter-Turbomotor schließlich nur mit mehreren Kühlern zu regulieren. An den Reifen entwickelten die Forscher von Michelin mehrere Jahre. Und mitten in der Entwicklung kamen Bedenken bezüglich der Crash-Sicherheit des kurzen Vorderwagens.

Überhaupt die Karosserie: Weil das Auto als Designstudie geboren war, hatte die Aerodynamik bei der Formgebung keine Rolle gespielt. Das rundliche Profil des Autos war denn auch eher für den Parkplatz vor der Eisdiele geeignet als für Hochgeschwindigkeitsfahrten. Immerhin erkannten die Techniker das Problem recht schnell - schließlich hatte gerade spektakuläre Unfälle des ebenso rundlichen Sportwagens Audi TT konzernintern und öffentlich Aufmerksamkeit erregt. Zwei ausfahrbare Heckflügel drücken den Bugatti nun bei hohen Geschwindigkeiten auf die Straße.

Als Montagewerk für das Über-Auto entstand in den vergangenen Monaten das "Atelier Bugatti" auf historischen Boden in Molsheim südwestlich von Straßburg.

Dort hatte schon der Firmengründer Ettore Bugatti zwischen 1910 und 1940 7950 Rennautos und Luxuskarossen bauen lassen. Mit dem Bau des nach dem Bugatti-Werksrennfahrer Pierre Veyron benannten Über-Autos wird die Fabrik nur kurz beschäftigt sein. Später, jedoch nicht vor 2008, soll ein erheblich günstigeres Fahrzeug dem Veyron zur Seite gestellt wird. Der denkbare Schnäppchenpreis: Um die 100.000 Euro.

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