Bugatti Hybris auf dem Auto-Olymp

Auto-Afficionados in aller Welt warten auf das Super-Auto schlechthin: den Bugatti Veyron, 1001 PS stark und 400 km/h schnell. Gut für den Mythos: Noch immer ist möglich, dass das gigantomanische Projekt an seiner Hybris scheitert.

Molsheim/Wolfsburg - Der neue Luxussportwagen der legendären Marke Bugatti mit 1001 PS unter der Haube lässt weiter auf sich warten. Im September 2003 hatte der damalige Bugatti-Präsident Karl-Heinz Neumann versprochen: "Im April 2004 wird der erste Veyron ausgeliefert."

Inzwischen wurde Neumann abgelöst, die Produktion im elsässischen Molsheim, wo Ettore Bugatti sein Unternehmen 1909 gegründet hatte, steht noch immer still. "Die Übergabe der ersten Fahrzeuge erfolgt im zweiten Halbjahr 2005", sagt nun Neumanns Nachfolger an der Spitze der Bugatti Automobiles SAS, Thomas Bscher.

Der Sprecher der Abteilung Luxuswagen im Bugatti-Mutterkonzern Volkswagen, Georges Keller, räumt ein, dass es bei der Konstruktion des Veyron einige Probleme gegeben hat. Die Qualitätssicherung und der Versuch, das Gewicht des Tieffliegers zu senken, hätten Zeit gekostet. VW hatte 1998 die Bugatti-Namensrechte übernommen. Bugatti-Chef Bscher umschreibt die Produktionsverzögerung mit schmucken Worten: "Ein Diamant muss bis ins letzte Detail geschliffen werden, um seine ganze Brillanz zeigen zu können."

Autoskulptur: Für einen Supersportwagen sehr dezent

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Reminiszenz: Nur die Zweifarbenlackierung erinnert an die automobilen Ahnen, sonst ist der Veyron kaum nostalgisch

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Rücktritt: Das Heck ist so proper, als wollte es gleich wie ein Pferd auskeilen

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Kraftzentrum: Die Eckdaten stehen schon fest: 1001 PS und 400 km/h Spitze

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Wertanlage: Der Bugatti Typ 51 Grand Prix (Baujahr 1932) ist schätzungsweise zwei Millionen Euro wert

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Foto: DPA
Ahnenkette: In der Tradition, die das Foto suggeriert, fehlen die Bindeglieder. Seit 1940 wurde kein neuer Bugatti mehr gebaut

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Noblesse: Die Interieurentwürfe sind schlicht und edel

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Superauto: Der Bugatti Roadster Typ 55 aus dem Jahr 1932 war mit einer Geschwindigkeit von 180 km/h ein Rekordbrecher seiner Zeit

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Foto: DDP




Bugatti gestern und morgen:
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Allerdings wird das Juwel nur für wenige Käufer erschwinglich sein. Mit einem Preis von einer Million Euro vor Steuern ist der Veyron deutlich teurer als etwa der Mercedes-Benz SLR McLaren, der 375.000 Euro kostet. Dafür seien 1001 PS und die noch nie zuvor in einem Serienfahrzeug erreichte Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern einsame Spitze, schwärmt Keller. Kritiker bemängeln, die Karosserie erinnere an die Tragfläche eines Flugzeuges. "Bei 400 Stundenkilometern hebt das Ding ab", meint ein Experte.

Schon jetzt "zufrieden stellende" Nachfrage

Bis die Produktion des Veyron in Molsheim bei Straßburg anläuft, müssen sich Liebhaber der noblen Traditionsmarke zunächst weiter mit den Modellen begnügen, die Ettore Bugatti von 1910 bis 1940 bauen ließ. Eine gute Möglichkeit dazu bietet die größte Bugatti-Sammlung der Welt im "Nationalen Automobilmuseum" in Mulhouse im Südelsass. Dort sind unter anderem 124 Bugatti aus der Sammlung der Industriellen-Brüder Schlumpf ausgestellt.

Im Museum werden auch zwei Bugatti Royale von 1929 und 1933 gezeigt. "Weltweit gibt es nur sechs Bugatti Royale", sagt der Museumssprecher Dany Thomen. Der 300 PS starke Royale sei für Könige gebaut worden. Die hätten damals jedoch andere Sorgen gehabt, so dass nur drei Wagen verkauft worden seien.

Dieses Schicksal soll sich beim Veyron nicht wiederholen. Die Nachfrage nach dem 16-Zylinder-Wagen sei bisher zufrieden stellend, berichtet Keller. Wie viele Interessenten die Anzahlung von 300.000 Euro bereits geleistet haben, sagt er aber nicht. Geplant ist eine Stückzahl von 50 pro Jahr.

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