Konzernjubiläum Von Dixi bis Mini

Vor 75 Jahren begann bei BMW die Autoproduktion. Der Beginn einer turbulenten Zeit mit dramatischen Übernahmeschlachten und teuren Flops. Ein Rückblick auf Marken und Modelle.

München - Im Frühjahr 1929 schlug BMW in München ein neues Kapitel bayerischer und deutscher Industriegeschichte auf. Der bisherige Hersteller von Flugzeugmotoren und Motorrädern, die Bayerischen Motoren Werke AG (BMW), stieg vor 75 Jahren in den Automobilbau ein.

Eine wechselvolle deutsche Automobilgeschichte beginnt mit britischer Unterstützung: Zunächst noch in Lizenz baut BMW im neu erworbenen Werk Eisenach den Austin Seven. Wenig später wird der Zweitürer 3/15, der noch auf dem britischen Modell basiert, im Volksmund schon liebevoll "Dixi" genannt. Er findet für die Zeit respektable 16.000 Käufer. Die ersten Schritte sind getan.

1932 präsentiert BMW dann das erste selbst konstruierte Auto, den 3/20 AM1. Ein Jahr später beginnen mit dem Modell 303 eine doppelte technische Tradition: Der 303 zeigt als erster Wagen der Münchener den für die Frontpartie eines BMW so charakteristischen Nierengrill. Außerdem läuft erstmals ein Reihensechszylinder unter der Motorhaube - wegen der Laufruhe bis heute die erste Wahl der Münchener Ingenieure.

Adenauer im Barockengel

Der Zweite Weltkrieg bedeutet für BMW fast das automobile Aus. Das Werk Eisenach liegt in der sowjetischen Besatzungszone und steht nicht mehr zur Verfügung. Erst 1951 stellen die Bayern mit dem 501 - genannt "Barockengel" - wieder ein Auto vor. Fast wäre der 501 sogar deutsche Staatskarosse geworden, doch soll - so will es die Legende - Bundeskanzler Konrad Adenauer bei einer Probefahrt der Hut vom Kopf gestoßen worden sein. Deutsche Politiker fuhren daraufhin für rund 40 Jahre Mercedes-Benz.

1928: Dixi 3/15 - BMW steigt in den Autobau ein

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1933-1934: BMW 303 - Beginn der technischen Traditionen

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BMW 328 Touring Coupé: Experimente in allen Segmenten

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1954-1961: BMW Barockengel - Adenauers Albtraum

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1955: BMW 507 - uncharakteristische Frontpartie

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1955: BMW Isetta - traute Zweisamkeit

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1962: BMW 1500 - die "Neue Klasse" führt aus der Krise

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60iger Jahre: BMW 2002 Cabriolet von Baur

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1979: BMW M1 - in der Nähe von Ferrari

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BMW 750 hL Einstieg ins Wasserstoffzeitalter

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BMW 645Ci Cabriolet: die neue Freiheit

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BMW 325ti Compact: Der Nierengrill bleibt

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Foto: © BMW AG


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1959 ist das Krisenjahr von BMW. Die Verluste in der Bilanz sind in den zurückliegenden Jahren auf 49 Millionen Mark angewachsen - die Produktion ist unrentabel und nicht konkurrenzfähig. BMW ist ein Sanierungsfall - der Verkauf an Daimler-Benz scheint schon beschlossene Sache.

Das Rover-Debakel

Rettung vor Mercedes

Zwei Kleinaktionären gelingt auf der Hauptversammlung am 9. Dezember 1959 das scheinbar Unmögliche: Sie bringen eine Front gegen das Angebot des Stuttgarter Konkurrenten zu Stande. BMW bleibt selbstständig. Kurze Zeit später steigt dann die Industriellenfamilie Quandt bei den Münchnern ein. Sie ist bis heute wichtigster Aktionär.

In der Folge experimentiert BMW sowohl im Kleinwagensegment als auch in der Klasse der spritfressenden PS-Maschinen. Mit wechselhaftem Erfolg: Vor allem die beiden großen Roadster Z1 (1988) und Z8 (2000) erreichten die geplanten Produktionszahlen nicht einmal annähernd. Der mitten in der Ölkrise 1973 vorgestellte 2002 Turbo fällt wegen des enormen Spritverbrauchs von 14 Litern Super bei den Käufern durch.

Besser gelingen BMW da schon die Baureihen für Jedermann. 1973 läuft in Dingolfing die 5er-Baureihe vom Band. Seit 1975 haben die Münchner die 3er-Reihe, zwei Jahre später dann den ersten 7er im Programm. Der X5 schließt seit 1995 die Lücke bei den geländegängigen Mehrzweckfahrzeugen, seit Anfang dieses Jahres gibt es die abgespeckte Version X3.

Das Rover-Debakel

Die neunziger Jahre werden für die Münchner allerdings fast zum Debakel. Die Übernahme des britischen Autobauers Rover samt der Marken Mini, MG und Land Rover 1994 entpuppt sich als teurer Flop. Ein Fehlbetrag von 2,5 Milliarden Euro in der Bilanz des Jahres 1999 kostet Vorstandschef Bernd Pischetsrieder den Job. BMW verkauft Land Rover an Ford, MG Rover geht an die britische Phönix-Gruppe.

Um die Marke Rolls-Royce entbrennt in den folgenden Jahren eine erbitterte Übernahmeschlacht mit Volkswagen, die BMW schließlich zu seinen Gunsten entscheiden kann. VW übernimmt die Schwestermarke Bentley. Und die Bayern bauen seit Anfang 2003 im südenglischen Goodwood den neuen Rolls-Royce Phantom.

Die britische Traditionsmarke Mini bleibt ebenfalls in BMW-Besitz. Wie sich bald herausstellt, ist das ein Segen: Die Neuauflage des Kultautos seit 2002 wird ein Erfolg und macht BMW wie schon zu Beginn der automobilen Unternehmensgeschichte wieder Lust auf Kleinwagen: In Kürze soll der Mini auch als Cabrio angeboten werden. Und ebenfalls noch in diesem Jahr soll der neue 1er in der umkämpften Golfklasse die Lücke zwischen Mini und 3er-Reihe schließen.

Andreas Framke, DPA-AFX

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