Auto-Extras Wer Farbe will, muss zahlen

Der Becherhalter bei BMW kostet 100 Euro. Wer den Toyota Avensis in Farbe haben will, zahlt 540 Euro extra. Während ABS, Airbags oder Servolenkung in der Serienausstattung vieler Autos meist inbegriffen sind, verlangen die Hersteller für andere Annehmlichkeiten happige Aufpreise.

Düsseldorf - Der Toyota Avensis gehört hier zu Lande zu den begehrtesten Fabrikaten des japanischen Herstellers. Wer sich für die Modellvariante Verso entscheidet, kann unter sechs verschiedenen Farben seine Wahl treffen.

Den Haken der kolorierten Vielfalt offenbart dann die Preisliste. Ohne zusätzlich ins Portemonnaie langen zu müssen, gibt es "das Automobil, das sich dem Leben anpasst" (Eigenwerbung) nur in schlichtem Weiß. Alle anderen Lackfarben kosten extra. "Mica-/Metallic-Lackierungen beziehungsweise onyxschwarz sind Sonderausstattungen, auf Wunsch, gegen Mehrpreis", verrät die Preisliste. 540 Euro werden fällig.

Solche oder ähnliche Tücken lauern nicht nur bei Toyota  im Kleingedruckten. Deshalb sollte jeder Neuwagenkäufer die Preisliste sorgsam studieren. Mal sind Kleinigkeiten unverständlich teuer, mal nur in Paketen mit anderen Komponenten erhältlich.

40 Prozent Preissteigerung in 14 Jahren

Seit 1990 stiegen die Neuwagenpreise um mehr als 40 Prozent. Allerdings verbesserte sich zeitgleich auch die Serienausstattung deutlich. ABS, Airbags, Servolenkung, Zentralverriegelung und andere Annehmlichkeiten oder weiteres Sicherheitszubehör gehören inzwischen vielfach zur Standardausrüstung. Dafür müssen andere Ausstattungsmerkmale teuer erkauft werden.

Der von Lancia heftig umworbenen jungen Mutter kann der Aufpreis beim Kleinwagen Ypsilon für eine Isofixvorrichtung für Kindersitze kaum schmecken: plus 60 Euro. Und nur eingefleischte Nichtraucher werden sich über den Aufpreis für einen Aschenbecher freuen (40 Euro).

Beim Volkswagen Polo schlägt der Wunsch nach einem Becherhalter mit 21 Euro zu Buche. Einen Regensensor gibt es nur, wenn zusätzlich 131 Euro bezahlt werden. Dabei ist dann allerdings auch ein automatisch abblendbarer Innenspiegel im Lieferumfang - ob man den will oder nicht.

BMW-Becherhalter für 100 Euro

BMW: Becherhalter für 100 Euro

VW-Sprecher Alexander Skibbe verteidigt die Aufpreispolitik: "Wir haben auf Grund von Kundenbefragungen verschiedene Ausstattungsmerkmale in Pakete zusammengefasst und so die Preise für die Kunden optimiert." Will meinen, einzeln geordert, wären die verschiedenen Zutaten insgesamt teurer. Mag ja sein.

Gleichwohl meldet ADAC-Mann Ulrich May Skepsis an: "Ob solche Pakete immer so sinnvoll sind, wage ich zu bezweifeln. Ich denke eher, da wird schon mal der Absatz verschiedener Komponenten gefördert."

Vor teuren Fallen in der Preisliste sind aber auch Käufer der gehobenen Klassen nicht gefeit. BMW  hat sein neues 6er Coupé sicherlich bis zur Dachkante mit modernster Elektronik voll gestopft und verlangt dafür dann gut 72.000 Euro. Ein Becherhalter ließ sich da anscheinend nicht mehr einkalkulieren und schlägt mit zusätzlich 100 Euro zu Buche.

Da kann sich ein Smart-Käufer noch freuen. Er muss für die Getränkeablage nur 25 Euro Mehrpreis investieren. Für einen Skisack werden in der Mercedes E-Klasse 330 Euro fällig, beim Jaguar X-Type gibt es den bereits für 170 Euro. Eine umlegbare Rücksitzbank - aus Klein- und Kompaktwagen nicht mehr wegdenkbar - kostet den E-Klasse-Käufer fast 500 Euro mehr.

Norbert Michulsky, ddp

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