Renault Scénic Der Vorsprung der Franzosen

Gerne denken die Autobauer von Renault ins Jahr 1996 zurück, als sie die Konkurrenz mit einer neuen Fahrzeugklasse überraschten: den Kompaktvans. Mit dem neuen Scénic fahren die Franzosen jetzt wieder ein Stück voraus.

Manchmal ist die Kopie besser als das Original, und in diesen Fällen hilft es wenig, nur auf die Originalität zu pochen. Die Verantwortlichen bei Renault wissen das, weshalb sie Ende Juni den neuen Scénic auf den Markt bringen.

Vor sieben Jahren steckten die Franzosen mit dem Debüt des ersten Scénic ein neues Segment ab: das der Kompaktvans. Und obgleich sich auf diesem Terrain heute etwa 20 Konkurrenzmodelle tummeln, wusste Renault den Nimbus des Originals zu nutzen. Der Scénic beherrscht die Szene in Westeuropa, mehr als zwei Millionen Exemplare wurden bislang gebaut.

In Zukunft jedoch könnte der Sonnenkönig unter den Kompaktvans in der Gunst der Kunden sinken. Denn zum Dauerrivalen Opel Zafira (seit 1999) treten die Emporkömmlinge VW Touran (seit März 2003) und Ford C-Max (ab Herbst). Es wurde also höchste Zeit für die Franzosen, ihr Modell zu reformieren, um seine Regentschaft zu sichern. "Wir wollen Marktführer bleiben", proklamiert Renault-Sprecher Christophe Deville das Ziel.

Was die optische Präsenz des Autos anlangt, sieht es ganz danach aus. Der neue Scénic bietet jene Frische, die den meisten anderen Vertretern dieser Klasse fehlt. Es geht also doch: Ein möglichst großes Innenraumvolumen in eine möglichst ansprechenden Hülle zu kleiden. Renault gelingt das durch markante Linien und Knicke in den Blechflächen, interessant gestaltete Scheinwerfer vorne und hinten, große Fensterflächen und den Mut zu unkonventionellen Details (dreieckige Seitenblinker, Typbezeichnung in der Seitenschutzleiste, senkrechte Heckscheibe).

Auch im Innenraum zeigt der Scénic, dass Armaturenbretter nicht immer so aussehen müssen wie ein Setzkasten für Hobbyelektroniker. Das Cockpit wurde unter einer schwungvollen Abdeckung mittig platziert, die wesentlichen Knöpfe befinden sich in der Armaturentafel darunter. Dass bei solchen Neuerungen auch mal was schief geht, ist wohl normal. Ums Lenkrad herum zum Beispiel ist die Tasten- und Schalterdichte zu hoch (je nach Ausstattung Radiofernbedienung, Tempobegrenzer, Bordcomputer). Und wer ein Navigationsgerät (Aufpreis 980 Euro) bestellt, wird sich über die unpraktische Platzierung der Bedienknöpfe garantiert ärgern.

Wo ist denn bloß der Eiskratzer?

Versöhnlich stimmen wiederum die zahlreichen Ablagemöglichkeiten für Kleinkram. Fußbodenfächer, Schubladen, ein 17 Liter großes Handschuhfach und eine in Längsrichtung verschiebbare Mittelkonsole sind nur einige der zahlreichen Stauboxen, mit einem Gesamtvolumen von insgesamt 91 Litern.

Ähnlich unübersichtlich wie die Ablagen (Wo ist denn bloß der Eiskratzer? Die Rolling-Stones-CD? Der Schminkstift?) ist die Ausstattungspolitik von Renault. Es gibt drei Grundniveaus und diverse Extras, außerdem noch vier Designlinien. Nette Dinge wie ein zweiteiliges Panorama-Schiebedach (950 Euro), Metallic-Lack (400 Euro) oder eine Reifendruckkontrolle (200 Euro) kosten extra.

Anfangs wird der Scénic mit fünf Motorisierungen angeboten. Die beiden Dieselmaschinen leisten 82 und 120 PS (60 und 88 kW), die drei Benziner decken das Spektrum zwischen 98 und 135 PS (72 und 99 kW) ab. Uns erschien der 1,6-Liter-Vierzylinder mit 113 PS (83 kW) als sehr ausgewogener Antrieb für den Scénic. Der Motor bietet ausreichend Antritt, bleibt vergleichsweise sparsam und bewegt den 1,4 Tonnen schweren Wagen angemessen. Allerdings dringen beim Beschleunigen recht laute Geräusche in den Innenraum.

Hersteller:Renault
Typ:Scénic 1.6
Karosserie:Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:1.598 ccm
Leistung PS:113 PS
Leistung kW:83 kW
Drehmoment:152 Nm
Von 0 auf 100:12,5 Sek.
Höchstgeschw.:185 km/h
Verbrauch (ECE):7,2 Liter
CO2-Ausstoß:171 g/km
Kofferraum:430 Liter
umgebaut:1.840 Liter
Versicherung (HP):15 €
Versicherung (TK):28 €
Versicherung (VK):14 €
Preis:18.600 €

Das Handling des Fahrzeugs ist gut, die Fünfgang-Schaltung lässt sich angenehm bedienen. Vor allem dann, wenn der Wagen über einen so genannten "Joystick"-Schalthebel im Armaturenbrett verfügt (ab Confort-Ausstattung, 1500 Euro Aufpreis). Serienmäßig in allen Scénic-Varianten sind sechs Airbags, ABS und ESP, dazu drei Isofix-Kindersitzbefestigungen, Bordcomputer, variable Rücksitze (klappen, kippen, ausbauen), elektrische Fensterheber vorne und eine Tankklappe mit integriertem Tankdeckel.

In den kommenden Monaten soll das Scénic-Angebot weiter ausgebaut werden. Erstmals wird Renault im Frühjahr einen Grand Scénic anbieten. Der Wagen wird um 24 Zentimeter länger sein als das jetzt vorgestellte Modell und serienmäßig über sieben Sitze verfügen. Außerdem ist ein besonders sportlich motorisiertes Topmodell geplant. Einen Allradler allerdings wird es nicht mehr geben. Renault arbeitet stattdessen an einem allradgetriebenen Kompakt-Geländewagen auf der so genannten C-Plattform, auf der auch der Scénic basiert.

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