Geräuschdesign Wer Sport macht, röhrt

"Plopp", "ticktack", "wroooom": Der Ton macht die Musik - und den Charakter. Was genau am Auto tönt, wird immer weniger dem Zufall überlassen. Das Sounddesign ist fester Bestandteil der Autoentwicklung.

München/Braunschweig - Hupe, Blinker, Scheibenwischer und Fensterheber - was für den Fahrer so vertraut klingt, ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit von Ingenieuren, Physikern und Psychologen. Oft basteln mehr als 100 Mitarbeiter an der Akustik der Fahrzeuge.

"Sie müssen ein Auto machen, das der Erwartungshaltung der Kunden entspricht", sagt Gerhard Thoma, Leiter für Akustik-Projekte bei BMW in München. Allein hinter dem Geräusch der ins Schloss fallenden Tür stecke eine Menge Arbeit. "Wenn man gar nichts macht, würde das klingen wie das Rasseln eines Kastens voller Schrauben. Wir wollen jedoch ein sattes "Plopp" erreichen."

Damit das Gefühl eines "wertigen" Autos entsteht, werden etwa die Teile des Türschlosses mit Kunststoff überzogen, um ihnen den metallischen Klang zu nehmen. Aufwändig ist auch das Blinker-Geräusch: Es wird über kleine Lautsprecher am Armaturenbrett verstärkt.

Bislang sei den Entwicklern aber noch kein Klang gelungen, mit dem alle zufrieden sind, so Thoma. Der Versuch, für Oberklassemodelle das Blinker-Klacken dem Ticken einer alten, englischen Standuhr anzugleichen, scheiterte an den gesetzlichen Vorgaben für die Frequenz. "Die Standuhr klingt nur deshalb so schön solide, weil sie langsam läuft. Bei einer höheren Frequenz klingt das wie ein billiger Küchenwecker."

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"Plopp", "ticktack", "wroooom":
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"Früher hat man sich besonders um die Außengeräusche gekümmert", sagt Ferit Küçükay, Leiter des Instituts für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität Braunschweig. In den vergangenen 15 Jahren sei hingegen beim Akustik-Design immer mehr das Innengeräusch in den Vordergrund gerückt. Einen von Fahrgeräuschen abgeschotteten Innenraum zu schaffen, reiche jedoch nicht aus, so Küçükay. Die Fahrzeugakustik brauche vor allem "Charakter".

Vivaldi mit acht Zylindern

"Der Kunde möchte ein typisches Geräuschbild für seine Marke haben", so der Wissenschaftler. Daher haben die Hersteller die Akustik als markenspezifisches Differenzierungsmerkmal entdeckt und geben sich immer größere Mühe, die Vorlieben der Kunden kennen zu lernen.

DaimlerChrysler etwa spielt ihnen im Customer Research Center (CRC) in Berlin Geräuschproben vor und lässt diese bewerten. Eine wichtige Aufgabe der Forscher ist dabei die Suche nach dem Sound der Zukunft: Der Klang alternativer Antriebe und die Sprachausgabe von Computern werden erforscht. Auch das Motorengeräusch spielt eine große Rolle.

Je sportlicher das Fahrzeug, desto mehr Fürsorge gilt dem Motor-Sound. Das war bei der Entwicklung des leistungsstärksten Serien-Golf von VW nicht anders: "Beim Golf R32 haben wir mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet", so VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann in Wolfsburg.

Vivaldi mit acht Zylindern

"Da haben wir an der Abgasanlage rumgeschraubt, damit der Sound so sportlich klingt, wie es der Käufer erwartet." Die Basismodelle des Golf sind dagegen deutlich leiser, denn VW wolle dort einen möglichst niedrigen Geräuschpegel.

Anders bei Porsche: Kraftvoll, etwas metallisch aber immer angenehm sonor und zurückhaltend - so soll laut Firmensprecher Jürgen Pippig in Stuttgart der typische Porsche-Boxermotor klingen. "Mit lautem Knattern rumfahren, das ist nicht mehr zeitgemäß. Der Motor soll ein Geräusch produzieren, bei dem nicht alle Nachbarn aus dem Bett fallen."

Um die Bedeutung des Sound-Engineerings hervorzuheben, ist Pippig kein Vergleich zu hoch gegriffen: "Die Ingenieure, die das entwickeln, sind für mich die Vivaldis der Automobilindustrie." Fragt sich nur, wozu der Fahrer dann eigentlich noch ein Radio braucht.

Martin Rücker, dpa

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