Audi A8 Luxuriöser Leichtathlet

In die automobile Oberklasse wollen viele, doch nur wenige schaffen den Aufstieg. Einer, der in diesem schmalen Segment seit 1994 um Premium, Prestige und Profit buhlt, ist der Audi A8. Mit dem neuen Modell steuert das Ingolstädter Flaggschiff endgültig aus dem Kielwasser der Konkurrenz.
Von Frank Wald

Auf den ersten Blick ist davon nur wenig zu sehen. Grundlegende Änderungen haben sich die Audi-Designer verkniffen. Wohlwissend, denn dass Experimente in der Luxusliga nicht allzu gern gesehen werden, hatte BMW mit dem 7er erfahren. Dennoch haben es die Ingolstädter geschafft, die bekannte Silhouette noch einen Tick eleganter wirken zu lassen. Die keilförmige Wagenform mit flacher Front, kurzen Überhängen und großen 17-Zoll-Rädern sorgt für einen stattlichen Auftritt, die nach hinten ansteigende Schulterlinie, der coupéartige Dachaufsatz und das knackige Heck mit scharfer Abrisskante hingegen wirken sehr sportlich.

Aber nicht nur optisch macht der große Audi im Vergleich zu den Platzhirschen aus München und Stuttgart, und erst recht zum Wolfsburger Newcomer, die athletischere Figur. Gerade 1780 Kilogramm bringt die Topversion des 5,05 Meter langen A8 auf die Waage, inklusive des serienmäßigen Allradantriebs, der allein schon rund 100 Kilo wiegt.

Der V8-Diesel kommt nächstes Jahr

Dagegen sind der BMW 745i mit 1945 Kilogramm und der neue Mercedes S 500 4Matic mit 1980 Kilogramm wahre Schwergewichte. Ganz zu schweigen vom Konzernbruder VW Phaeton, der sich gar ein Leergewicht von 2320 Kilogramm leistet. Alu macht's möglich. Wie beim Vorgänger setzt Audi auf eine Space-Frame-Struktur aus Aluminium. Selbst das Fahrwerk mit Radträgern, Lenkern an Vorder- und Hinterachse, alle Bremssättel, Stoßdämpferlager und die Räder bestehen aus dem leichten Werkstoff.

Entsprechend leichtfüßig geht der neue A8 zu Werke. Zum Verkaufsstart im Oktober werden zwei V8-Motoren angeboten. Im kommenden Jahr sollen ein Zwölfzylinder und ein V8-TDI das Programm ergänzen. Schon der "kleine" A8 3.7 quattro hat wenig Mühe, die Karosse in Schwung zu bringen. Er verfügt nun über 206 kW / 280 PS (plus 20 PS gegenüber dem Vorgänger) und beschleunigt in 7,3 Sekunden auf 100 km/h. Der um 25 auf 335 PS (246 kW) Leistung angehobene 4.2 quattro erreicht die Marke noch eine Sekunde früher. Beide Versionen werden aber bei 250 km/h elektronisch abgeregelt.

Aber das stört nicht weiter. Denn mehr noch als durch schiere Leistungsdaten, überzeugt der Wagen in punkto Fahrdynamik. Zu den wichtigsten Neuerungen des A8 zählt dabei die serienmäßige Luftfederung mit stufenlos verstellbarer Dämpfung. Innerhalb von Millisekunden wechselt die so genannte "adaptive air suspension" auf Wunsch des Fahrers zwischen vier vordefinierten Abstimmungen von sportlich bis komfortbetont, senkt tempoabhängig automatisch die Karosserie und damit den Schwerpunkt des Wagens ab und reduziert die Nick- und Wankbewegung bei zügiger Kurvenfahrt, beim schnellen Anfahren oder scharfen Bremsen.

Alles mit einem Dreh im Griff

So verhält sich der A8 auch bei forcierter Fahrweise nahezu neutral und meistert selbst im Grenzbereich, nicht zuletzt durch seine zielgenaue Lenkung, Kurven jeder Art. Unterstützt wird der souveräne Vortrieb dabei von einem neuen sechsstufigen Automatikgetriebe mit tiptronic-Funktion und Sportmodus (auf Wunsch mit lenkradfesten Schaltwippen), das präzise und nahezu unbemerkt die Fahrstufen wechselt.

Neue Leichtigkeit beweist Audi aber auch im luxuriös und übersichtlich gestalteten Innenraum. Neben einem Multifunktions-Lederlenkrad findet sich dort das integrierte Bedienkonzept MMI (Multi Media Interface). Vergleichbar mit dem i-Drive im 7er BMW, nur in sich logischer und leichter verständlich, lassen sich damit über einen Dreh-Druck-Knopf in der Mittelkonsole über einem versenkbaren Bildschirm auf dem Armaturenbrett Fahrzeug-, Navigation-, Telefon- und Entertainmentsysteme (Radio, CD, TV, Internet) abrufen und steuern.

Und noch eine Neuheit hält mit dem neuen Audi A8 Einzug in die Autowelt: das Kurven- und Abbiegelicht. Dahinter verbirgt sich eine zusätzliche Lampe im Hauptscheinwerfer, die den Bewegungen des Wagens folgt. Lenkt der Fahrer stark ein, setzt er den Blinker oder legt den Rückwärtsgang ein, wird das Licht über einen Reflektor in die entsprechende Richtung gelenkt.

Aber auch sonst bewegt sich Audi in Sachen Sicherheit auf der Höhe der Zeit. Zweistufig auslösende Frontairbags, Seitenairbags, vorn und hinten, sowie ein Kopfairbagsystem, das die gesamte seitliche Fensterfläche abdeckt, werden ebenso ab Werk geliefert wie ein Reifendruck-Kontrollsystem oder aktive Kopfstützen.

Nur beim Kaufpreis lässt Audis neuer Luxusliner die Konkurrenz von dannen ziehen. Der Oberklasse-Einstieg beginnt in Ingolstadt ab 66.400 Euro für den A8 3.7 quattro, der A8 4.2 quattro startet bei 72.500 Euro.

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