Kunst Richter-Rekorde

Bieterstreit bei Sotheby's in London: Elf Sammler überboten einander für Gerhard Richters Bild "Kerze". Das Werk ging für den Rekordpreis von 10,5 Millionen Euro an einen amerikanischen Bieter. Unterdessen spendete ein Privatsammler Kunstwerke im Wert von 164 Millionen Euro an britische Museen - darunter auch 14 Richter-Gemälde.

London - "Richter-Manie" in London: Ein Gemälde des deutschen Malers Gerhard Richter hat bei einer Versteigerung den Rekord für Werke des Künstlers gebrochen. "Kerze" sei für den Auktionsspitzenpreis von 7,97 Millionen Pfund (10,5 Mio. Euro) versteigert worden, teilte das Auktionshaus Sotheby's am Mittwochabend mit.

Damit übertraf das Werk aus dem Jahr 1983 auch die "Zwei Liebespaare", die Anfang Februar bei Christie's in London für 7,3 Millionen Pfund versteigert wurden. "Kerze" erreichte zudem mehr als dreimal so viel wie erwartet, elf Bieter stritten um das Gemälde.

Richters "Struktur" (1979) wechselte - ebenfalls nach einem Bieterstreit - für 4,61 Millionen Pfund den Besitzer und erlangte damit mehr als doppelt so viel wie zuvor geschätzt. Beide Werke gingen an Privatsammler aus den USA - und zementieren Richters Position als teuersten lebenden deutschen Maler. Bereits im November hatte sein Bild "Düsenjäger" bei einer Auktion in New York 11,2 Millionen Dollar gebracht.

Weitere Toppreise bei der Londoner Auktion für zeitgenössische Kunst haben die Angst vor einer Abkühlung auf dem Kunstmarkt zerschlagen: So wurde das Gemälde "Study of Nude with Figure in a Mirror" des Briten Francis Bacon für fast 20 Millionen Pfund versteigert. Lucio Fontanas "Concetto Spaziale, La Fine di Dio" erreichte mit 11,4 Millionen Pfund den Rekordpreis des Künstlers bei einer Versteigerung.

Insgesamt erlangte Sotheby's 95 Millionen Pfund - nach eigenen Angaben so viel wie noch nie bei einer Auktion zeitgenössischer Kunst in Europa. "Der Markt bleibt stark", sagte Francis Outred von Sotheby's, "wir haben einen frenetischen Wettkampf der Bieter für die figurativen und abstrakten Werke von Gerhard Richter gesehen."

Spende über 164 Millionen Euro

Kunstspende im Wert von 164 Millionen Euro

Einen weiteren finanziellen Kunstrekord stellte am Mittwoch der britische Sammler Anthony dOffay auf: Er hat eine der umfangreichsten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst im Wert von umgerechnet 164 Millionen Euro britischen Museen überlassen.

Die 725 Werke von unter anderen Andy Warhol, Gilbert & George, Joseph Beuys, Gerhard Richter, Damien Hirst und Jeff Koons sind die größte Spende an ein britisches Museum, die es je gab. Die Arbeiten werden in den Besitz der Tate und den National Galleries of Scotland übergehen, teilten die Museen mit. Er wolle mit der Spende jungen Menschen die Kunst näher bringen, sagte d'Offay der Zeitung "Guardian".

D'Offay erhält für die Kunstwerke 26,5 Millionen Pfund (35 Millionen Euro) - so viel wie sie wert waren, als er sie erworben hatte. Die Kosten übernehmen zum großen Teil die Kulturbehörde und die schottische Regierung. Die Sammlung ist eine der wichtigsten der Nachkriegszeit in privater Hand und wurde über 28 Jahre hin zusammengestellt. Sie beinhaltet Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Zeichnungen von 32 Künstlern; allein 232 Arbeiten sind von Warhol und 136 von Beuys.

Auch sechs Arbeiten von Anselm Kiefer und 14 von Gerhard Richter sind dabei. Die Sammlung, die "Artist Rooms" heißen soll, wandert künftig durch Museen und Galerien in Großbritannien. Die erste Ausstellung soll im Frühjahr 2009 zu sehen sein.

Der britische Premierminister Gordon Brown begrüßte die "Großzügigkeit" des Sammlers. Der Direktor der Tate Galerie in London, Nicholas Serota, verglich die Schenkung mit den ersten Spenden, die die Tate-Museen weltberühmt gemacht hatten. "Das befriedigt den Appetit für zeitgenössische Kunst im ganzen Land", sagte er.

D'Offay, seit mehr als 30 Jahre Kunsthändler in London, zeigte unter anderem Arbeiten von Lucian Freud und Gilbert & George schon zu einer Zeit, als sie noch nicht so wertvoll waren wie heute.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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