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Alternativen für die Geldanlage: Hier gibt es noch Rendite

Foto: Max Rumpenhorst/ dpa

Geldanlage im Zinstief Was viele Sparer beim Thema Zinsen gerne übersehen

Seit Jahren leiden Sparer unter dem niedrigen Zinsniveau. Dabei wird jedoch ein wichtiger Aspekt, der zum Gesamtbild gehört, häufig übersehen: Auch die Preise in Deutschland befinden sich im Tiefflug.

Ein historischer Moment sorgte diese Woche für Schlagzeilen: Erstmals in der Geschichte rutschte die Rendite der deutschen Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit unter 0 Prozent, also in den negativen Bereich. Wer dieses wichtigste deutsche Wertpapier also nun kauft und bis zum Schluss behält, bekommt dafür keinen Zins gutgeschrieben, er zahlt vielmehr drauf. Das ist der Preis der Sicherheit in unruhigen Zeiten am Finanzmarkt.

Das Ereignis rückt die Lage am Geldanlagemarkt insgesamt in den Fokus, wo Sparer schon seit geraumer Zeit kaum noch risikolose Zinsen bekommen. Seit die Zentralbanken weltweit nach der Lehman-Pleite 2008 ihre Leitzinsen gen Null gesenkt haben, befinden sich auch die möglichen Erträge für Spareinlagen, Tages- und Festgelder bei Banken im Tiefflug. Die Folge: Wer Rendite erzielen möchte, ist zunehmend gezwungen ins Risiko zu gehen. Er kann also beispielsweise Aktien oder andere Wertpapiere kaufen, die eine Verlustgefahr mit sich bringen.

Doch so unerfreulich die Situation für Geldanleger sein mag, ein Aspekt wird bei der Betrachtung häufig außer Acht gelassen: Entscheidend ist aus Sicht des Investors nicht so sehr der nominale Zins, den ihm eine Anlage bringt, sondern der reale. Denn während der eine - der nominale - Zins lediglich auf dem Papier existiert, entfaltet der andere - der reale - tatsächlich Wirkung im Leben des Sparers. Er ist es, der Auskunft darüber gibt, ob sich eine Geldanlage im Laufe der Zeit wirklich vermehrt oder nicht.

Die entscheidende Größe, die zur Berechnung des realen Zinses mit herangezogen werden muss, ist die Inflationsrate. Sie gibt an, um welchen Faktor sich Güter und Dienstleistungen im Schnitt verteuern. Oder umgekehrt: Wie stark das Geld im Laufe der Zeit an Wert verliert. Erst wenn die Inflationsrate vom nominalen Zins abgezogen wird, ergibt sich daher der reale Zins, der anzeigt, ob ein Anleger über die Jahre mit einem Investment vermögender wird oder nicht.

Leben in Deutschland besonders günstig

Ein Zahlenbeispiel macht den Zusammenhang deutlich: Wer sein Geld zu einem nominalen Zins von 1 Prozent aufs Konto legt, während gleichzeitig die Inflationsrate bei einem Prozent pro Jahr liegt, steht letztlich real ohne Gewinn da. Zins und Geldentwertung heben sich gegenseitig auf.

Beträgt dagegen im gleichen Fall die Inflationsrate lediglich 0,1 Prozent, so bleibt ein realer Zins von 0,9 Prozent (1 Prozent nominaler Zins minus 0,1 Prozent Inflation). Aus Sicht des Anlegers wäre das die deutlich vorteilhaftere Variante, denn er könnte sich über einen echten Vermögenszuwachs freuen.

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Auch in Bezug auf die aktuelle Zinssituation in Deutschland sollte diesen Zusammenhang jeder Sparer bedenken. Zwar sind die Zinsen in den vergangenen Jahren zusehends gesunken. Die Inflationsrate war jedoch - anders als von der Europäischen Zentralbank gewünscht - ebenfalls rückläufig. Betrug die Preissteigerung in Deutschland laut Statistischem Bundesamt beispielsweise im Mai 2011 noch 2 Prozent, so waren es im Mai dieses Jahres nur noch 0,1 Prozent.

Reale Tagesgeldzinsen in der Spitze stark gestiegen

Erst in dieser Woche machte das Statistische Bundesamt auf die geringe Preissteigerung hierzulande aufmerksam, die gegenwärtig dazu führe, dass es sich in Deutschland günstiger leben lässt, als im Schnitt aller 28 EU-Staaten. Bei den meisten direkten Nachbarn wie Frankreich, Österreich oder den Niederlanden seien die Lebenshaltungskosten höher, so die Statistiker.

Für Sparer bedeutet das: Die reale Ertragssituation bei festverzinslichen Geldanlagen hat sich in vielen Fällen in den vergangenen Jahren zwar verschlechtert, aber doch nicht so sehr, wie vielfach angenommen.

Das lässt sich zum Beispiel an den eingangs erwähnten Staatsanleihen belegen: Eine Übersicht basierend auf Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigt, dass die reale Verzinsung bundesdeutscher Papiere bereits im Jahr 2011 in den negativen Bereich gerutscht war, und zwar bei Laufzeiten von zwei, fünf sowie auch zehn Jahren. Durch die rückläufige Inflation in Deutschland hat sich die Realverzinsung der Papiere seither aus hiesiger Sicht allmählich sogar verbessert.

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Ähnlich ist es bei festverzinslichen Bankanlagen, die den meisten Sparern näher liegen dürften. Die Entwicklung des nominalen Zinsniveaus bei Tages- und Festgeldern sowie Spareinlagen lässt ein Blick auf den Index der Finanzplattform FMH erkennen: abwärts.

Wer jedoch die Inflationsrate einkalkuliert, erhält zum Teil ein anderes Bild. Die Vergleichsplattform Check24 etwa berichtete kürzlich, beim Tagesgeld habe sich die mögliche Realverzinsung in der Spitze in den vergangenen zwölf Monaten sogar von 0,4 Prozent auf 1 Prozent verbessert .

Einen Haken hat die Sache allerdings: Solche "Spitzenzinsen" gewähren Banken meist nur Neukunden für einen begrenzten Zeitraum. Anleger sind also zum ständigen Banken-Hopping gezwungen, wenn sie sich die Zinsen dauerhaft sichern wollen. Oder sie geben sich eben doch mit etwas weniger zufrieden.

Alternativen für die Geldanlage: Wo es noch Rendite gibt