So managen Sie Ihr Leben, Teil II Zehn Fragen, die Sie sich zum Thema Freundschaft stellen sollten

Jetzt ist die Zeit, Ihr Leben zu ordnen! Wo stehen Sie, was sollten Sie tun? In der zweiten Folge unserer Serie "So managen Sie Ihr Leben" gibt Ihnen der Psychotherapeut und Buchautor Wolfgang Krüger zehn wichtige Fragen an die Hand, die Sie sich zum Thema Freundschaft stellen sollten.
Von Wolfgang Krüger
Als Kind hatte man noch Zeit für seine Freunde. Wann hat das eigentlich aufgehört?

Als Kind hatte man noch Zeit für seine Freunde. Wann hat das eigentlich aufgehört?

Foto: Corbis

Wie viele Stunden in der Woche haben Sie für Ihre Freundschaften reserviert?

Freundschaften sind lebenswichtig. Wir alle sind auf ein kleines soziales Dorf angewiesen, das uns umgibt. Wir brauchen Beziehungen, in denen eine soziale Nähe entsteht, die uns aber dennoch nicht einengen: Das sind Freundschaften.

Wolfgang Krüger

Wolfgang Krüger ist Psychotherapeut und Buchautor. Der Tiefenpsychologe sieht den Schwerpunkt seiner Arbeit in der Überwindung von Ängsten und Depressionen sowie der Aufarbeitung von Beziehungsschwierigkeiten. In zahlreichen Büchern, Vorträgen und Rundfunksendungen beschäftigt er sich vor allem mit Partnerschaftsproblemen. Dem Thema Freundschaft hat er mehrere Bücher gewidmet.

Wer gute Freundschaften pflegt, hat ein besseres Immunsystem, ist glücklicher und lebt 22 Prozent länger. Freundschaften sind wichtig für unser Selbstbewusstsein und sie sind sogar wichtig für eine gute Ehe. Nur wenn wir gute Freundschaften pflegen, können wir in einer Liebesbeziehung das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz finden.

Leider vernachlässigen wir trotzdem oft Freundschaften. Beruf und Familie sind uns oft wichtiger. Doch das rächt sich, wenn wir uns in einer Krise befinden und auf Freunde angewiesen sind. Deshalb sollten wir ein Prinzip beherzigen: Ein Abend in der Woche für unsere Freundschaften. An diesem Abend sollten wir mit ihnen telefonieren, uns mit ihnen treffen und über sie nachdenken.

Weiß Ihr bester Freund, dass Sie einmal fremdgegangen sind?

Wem können Sie sich anvertrauen? Hält Ihre Freundschaft Ehrlichkeit aus?

Wem können Sie sich anvertrauen? Hält Ihre Freundschaft Ehrlichkeit aus?

Foto: Corbis

Mit dem Begriff Freundschaften sind wir oftmals sehr großzügig. Wir bezeichnen auch gute Geschäftsfreunde und Kollegen als Freunde. Doch das Merkmal wirklicher Freundschaften besteht in einer großen Vertrautheit. Seinem besten Freunden kann man alles berichten, auch peinliche Situationen, Ängste und intime Geheimnisse. Diese Freunde können schweigen, sie würden diese Geheimnisse ins Grab nehmen. Von diesen Freunden fühlen wir uns verstanden, sie können zuhören und sie können das Leben mit unseren Augen sehen. Das stabilisiert uns und erweitert unsere eigene Perspektive.

Gleichzeitig haben diese Freunde auch den Mut, uns gelegentlich Wahrheiten zu sagen. Sie weisen uns auf Defizite in unserer Lebensgestaltung hin, sie warnen uns vor Fehlentwicklungen. Und mit diesen Freunden können wir auch darüber sprechen, was an unserer Beziehung verbesserungswürdig ist. Nicht immer ist das ganz einfach, aber Konflikte sind auch in Freundschaften normal. Doch in guten Freundschaften wächst man durch diese Konflikte. Man geht immer wieder aufeinander zu, weil man sich viel bedeutet.

Träumen Sie von Ihren Freunden? Können Sie mit ihnen schweigen?

Man müsse von seinen Freunden träumen, fand der Philosoph Lichtenberg

Man müsse von seinen Freunden träumen, fand der Philosoph Lichtenberg

Foto: © Sergio Moraes / Reuters/ REUTERS

Gute Freundschaften sind ein wichtiger Bestandteil unseres Innenlebens. An diese Freunde denken wir, wenn wir etwas Interessantes erleben. Wir schreiben ihnen aus dem Urlaub eine Karte, wir rufen Sie an, wenn besonders schöne oder auch schwierige Erlebnisse unser Leben prägen. Gewissermaßen begleiten uns innerlich diese Freunde - auch wenn wir sie nicht immer sehen.

Doch besonders aufschlussreich ist die Tatsache, ob wir auch an unsere Freunde denken, wenn wir im Bett liegen. Wenn wir an dieser Nahtstelle zwischen Wachsein und Schlafen an unsere Freunde denken, sind sie uns wirklich nahe. Dann sind sie ein Teil unserer inneren Welt geworden. Der Philosoph Georg Christoph Lichtenberg hat sogar gemeint, man müsse von seinen Freunden träumen.

Und wenn wir mit den Freunden sehr vertraut sind, kann man auch miteinander schweigen. Wenn man sich noch nicht gut kennt, redet man auch, weil sonst ein spannungsreiches Unbehagen entsteht. Man überbrückt die Fremdheit mit Reden. Ob man sich auch schweigend miteinander wohlfühlt, ist daher ein Gradmesser für die Güte einer Freundschaft.

Mit wem wären Sie noch befreundet, wenn Sie ein Jahr lang an einer Burn-out-Problematik erkranken?

Ob eine Freundschaft eine Freundschaft ist, weiß man erst in einer Krise

Ob eine Freundschaft eine Freundschaft ist, weiß man erst in einer Krise

Foto: Safaripark Gelendschik/ dpa

Die Grundlage vieler Freundschaften besteht darin, dass man etwas für die anderen tut. Man hilft ihnen, gibt gute Ratschläge, lädt sie ein und ist ein interessanter Gesprächspartner. Doch ob es sich hier wirklich um Freundschaften handelt, weiß man erst in einer Krise. Wenn man einmal körperlich oder seelisch erkrankt und nichts mehr für die anderen tun kann, trennt sich die Spreu vom Weizen.

Es müssen offenbar nicht immer Taten sein, die eine Freundschaft auszeichnen. Ich meine sogar, dass es häufig nicht darum geht, dass der Freund etwas für mich tun muss. Manchmal ist man eher auf verständnisvolle und aufmunternde Worte angewiesen, wenn man längere Zeit in einer Krise steckt. Oft besteht das Entscheidende in einer Freundschaft in der Gewissheit, dass einer treu zu uns steht. Das lässt auch Siegfried Lenz in einem Roman den alten Taucher Hinrichs antworten, nachdem ihn Kuddl fragte, was er denn schon für ihn getan habe: "Manchmal kommt es gar nicht darauf an, dass man etwas tut füreinander. Manchmal ist es ebenso wichtig, wenn man weiß: da ist einer, auf den du dich verlassen kannst." Aber gerade in Lebenskrisen werden Sie spüren: Freundschaften mit anderen Menschen sind wichtig. Doch am wichtigsten ist die Freundschaft mit sich selbst. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Ängste, Ihre Hoffnungen und auch Ihre Affekte kennen. Lernen Sie sich also kennen und pflegen Sie eine gute Beziehung mit sich selbst. Lernen Sie es, sich selbst zu loben. Dieser gute, interessierte Umgang mit sich selbst ist eigentliche der Resonanzboden für gute Freundschaften. Denn wir sind nur dann ein guter Freund, wenn wir uns selbst erkannt und gefunden haben.

Welchem Freund würden Sie bedenkenlos Geld leihen?

Das Verleihen von Geld in einer Freundschaft ist heikel

Das Verleihen von Geld in einer Freundschaft ist heikel

Foto: Carsten Rehder/ picture alliance / dpa

Grundsätzlich gilt in einer Freundschaft die Erkenntnis: 'Geld verdirbt die Freundschaft'. Tatsächlich ist das Verleihen von Geld in einer Freundschaft heikel. Freundschaft ist eine emotionale Beziehung, beim Geld müssen wir rational handeln. Wir müssen vor allem die 'Kreditwürdigkeit' des Freundes prüfen und es ist bei höheren Summen wichtig, einen schriftlichen Vertrag abzuschließen.

Dennoch kann es immer Situationen geben, in denen wir dem Freund helfen sollten. Er ist in eine unverschuldete Notlage geraten und scheint uns kreditwürdig zu sein. Wenn es sich um höhere Summen handelt, sollten wir allerdings auch die finanzielle Situation des Freundes erfragen. Das ist jedoch oft heikel. Meist kennen wir eher das Liebesleben der Freunde, aber wenig über die Vermögensverhältnisse. Das Geld ist das stärkste Tabuthema in unserer Gesellschaft.

Sind Sie noch mit Ex-Partnern befreundet?

Nach der Trennung befreundet bleiben? Schwierig

Nach der Trennung befreundet bleiben? Schwierig

Foto: Corbis

In vielen Partnerschaften gelingt es heutzutage, sich ohne große Schuldzuweisungen und seelische Verletzungen zu trennen. Oft besteht dann der Wunsch, nach der Trennung miteinander befreundet zu bleiben. Dies gelingt meist vor allem dann, wenn die Partnerschaft in ihrer emotionalen Intensität bereits einer Freundschaft ähnelte. Sonst ist die Kränkung zu groß, wenn einer der Partner eine neue Liebesbeziehung beginnt.

Doch ist dann eine wirkliche Freundschaft möglich? Es mag sein, dass man sich gern trifft, sich auch hilft, aber die Unbefangenheit und Offenheit einer Freundschaft stellt sich oft nicht ein. Beispielsweise reden wir mit dem Ex-Partner nicht darüber, wie es ihm in der Liebe geht, wie er die Sexualität in der neuen Beziehung genießt. Zwar haben Ex-Paare heute oft noch Kontakt und dies ist auch wegen der gemeinsamen Kinder wichtig.

Manchmal sind diese Freundschaften auch recht gut, weil das Thema 'Sexualität' bereits bewältigt ist. Aber die mangelnde Offenheit ist doch problematisch. Eine frühere Partnerschaft bleibt immer eine Sonderbeziehung - im besten Falle ist es dann die Freundschaft mit dem Ex-Partner.

Sind Sie mit Berufskollegen befreundet?

Gemeinsame Unternehmungen mit Kollegen sind toll - aber man muss auch auf Gefahrensignale achten

Gemeinsame Unternehmungen mit Kollegen sind toll - aber man muss auch auf Gefahrensignale achten

Foto: AP/dpa

Berufsfreundschaften können oft sehr intensiv sein, weil man die gleiche Sprache spricht. Man versteht sich leichter mit Menschen, die von denselben Schwierigkeiten betroffen sind, ähnliche Erfahrungen machen und die vertraute Berufssprache sprechen. Deshalb sind Lehrer oft mit Lehrern und Banker oder Ingenieure oft mit Kollegen befreundet.

Problematisch bei solchen Berufsfreundschaften ist allerdings oft eine Neidproblematik. Je ähnlicher der Beruf des Freundes ist, desto leichter vergleicht man sich mit ihm. Einfacher ist es daher manchmal, mit Menschen befreundet zu sein, die einen völlig anderen Beruf ausüben. Sie kann man sehr unbeschwert loben, weil man sich nicht mit ihnen vergleicht.

Dieser Vergleich ist natürlich dann besonders problematisch, wenn der Freund in der gleichen Firma arbeitet. Ein Kollege wird befördert oder bekommt mehr Anerkennung und sofort fragt man sich: warum nicht ich? Und vor allem bei Kollegen sollte man gelegentlich vorsichtig sein und sich fragen: was passiert, wenn diese Freundschaft scheitert? Könnte dann der ehemalige Freund jene Geheimnisse gegen mich verwenden, die ich ihm anvertraut habe? Es ist eine Fähigkeit zu vertrauen, aber müssen wir auch auf unsere Gefahrensignale achten.

Gibt es Freundschaften zwischen Männern und Frauen?

Enge Freundschaften sind vielen Männern eher fremd als den meisten Frauen

Enge Freundschaften sind vielen Männern eher fremd als den meisten Frauen

Foto: DPA

Noch vor einigen Jahrzehnten war man überzeugt, dass Männer freundschaftsfähiger sind. Doch heute wissen wir, dass Frauen schon in der Kindheit über die besseren Fähigkeiten zum Aufbau intensiver Freundschaften verfügen. Sie reden sehr emotional miteinander, verschweigen eigene Schwächen nicht und lernen es, umeinander zu werben. Zwei Drittel aller Frauen haben später eine intensive Freundschaft, in der sie über alles reden können. Solch enge Freundschaften sind den meisten Männern fremd.

In den typischen Männerfreundschaften spielt man Skat, treibt Sport, redet über Autos - aber wenig über sich. Häufig haben Männer große Schwierigkeiten, sich emotional zu öffnen und mehr über sich zu berichten. Das gesellschaftliche Vorbild von Männern waren immer Helden, die keine Schmerzen kennen, sind nie schwach sind, und keine Tränen vergießen. Die meisten Männer sind von diesem Ideal geprägt und sind entsprechend emotional blockiert. Deshalb fällt es Männern schwer, über Schwächen und Gefühle zu reden. Dadurch sind Männer oftmals sehr stark von ihrer Ehefrau abhängig und stürzen in eine tiefe Krise, wenn sich diese trennt.

Manche Frauen sehen allerdings in den eher sachlichen Männerfreundschaften auch einen Vorteil. Männerfreundschaften sind oft sehr beständig und weniger krisenanfällig als die Freundschaften zwischen Frauen, da die hohe emotionale Intensität oft zu einer großen Reibungsfläche führt.

Mit welchen Freunden hätten Sie weiter Kontakt, wenn Sie plötzlich in Südamerika leben müssten?

Wen würden Sie vermissen, wenn Sie plötzlich nach Südamerika ziehen würden?

Wen würden Sie vermissen, wenn Sie plötzlich nach Südamerika ziehen würden?

Foto: REUTERS

Ob Sie wirklich gute Freundschaften pflegen, merken Sie erst nach dem 'Ausland-Test'. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden plötzlich in Südamerika leben. Aus beruflichen Gründen sind Sie 'fast über Nacht' auf einem anderen Kontinent. Sie lernen dort viele neue Freunde kennen, einsam sind Sie nicht. Welche alten Freunde würden Sie jetzt vermissen? Deutlich werden Sie nun spüren: Die Vitamin-B-Freundschaften finden Sie überall. Die Freizeitfreundschaften können Sie ersetzen. Gruppenfreundschaften oder Freundschaften mit einem gemeinsamen Interesse finden Sie auch in Südamerika.

Vermissen werden Sie nur die Herzensfreundschaften, denn hier ist eine tiefe Innigkeit, eine tiefe Vertrautheit entstanden, die sich nicht ersetzen lässt. Jede dieser Freundschaften, die Sie verlieren, reißt eine Lücke in Ihrem Leben.

Vielleicht stellen Sie nun fest, dass Sie vor allem Durchschnittsfreundschaften kennen. Dann sollten Sie mehr in Íhre Freundschaften investieren. 60% aller Deutschen sind der Überzeugung, Sie könnten Ihre Freundschaften verbessern. Kümmern Sie sich also mehr um Ihre Beziehungen, klären Sie Konflikte, werben um die Freunde - damit diese Freundschaften zu einem festen Fundament Ihres Lebens werden.

Kennen Sie Ihre Freunde wirklich?

Blutsbrüder wissen alles voneinander. Was wissen Sie über Ihre Freunde?

Blutsbrüder wissen alles voneinander. Was wissen Sie über Ihre Freunde?

Foto: dpa

Oft bin ich erstaunt, wie wenig Menschen über ihre Freunde wissen. Oder fragen Sie die Freunde nach ihrem Liebesleben und ihren Träumen? Wissen Sie, ob Ihre Freunde gelegentlich unter Ängsten, Schlafstörungen und Schuldgefühlen leiden? Und vor allem: Was wissen Sie aus der Kindheit der Freunde? Viele Freunde lernen wir im Erwachsenenleben kennen und wissen daher kaum etwas über ihre Kindheit. Vor allem peinliche oder schmerzvolle Erinnerungen aus dem Elternhaus und der Schulzeit bleiben oft ausgespart. Auch deshalb können Sie Ihre Freunde häufig nicht wirklich verstehen.

Machen Sie doch den besten Freunden einmal den Vorschlag, dass Sie sich gemeinsam Ihre Fotoalben anschauen und sich dazu Geschichten erzählen! Und vielleicht können Sie sogar die Städte der Freunde aufsuchen. Lassen Sie sich von den Freunden ihr Elternhaus zeigen. Lernen Sie auf diese Weise das Leben der Freunde besser kennen - das wird Ihre Beziehungen erheblich intensivieren.

Lesen Sie auch:

Zehn Fragen, die Sie sich zum Thema Zeitmanagement stellen sollten

Lesen Sie morgen in unserer Serie:

Zehn Fragen, mit denen Sie endlich Ordnung in Ihrem Büro schaffen

Das erwartet Sie noch in unserer täglichen Serie:

Zehn Fragen, die Sie sich zum Thema Geld stellen sollten

Zehn Fragen, mit denen Sie Ihre Garderobe auf Vordermann bringen

Zehn Fragen, die Sie sich zum Thema Fitness stellen sollten

Zehn Fragen, mit denen Sie Ihr Denken positiver gestalten

Zehn Fragen, die Sie sich zum Thema Karriere stellen sollten

Zehn Fragen, die Sie sich zum Thema Gesundheit stellen sollten

Zehn Fragen, die Sie sich zum Thema Moral stellen sollten