Donnerstag, 20. Juni 2019

Berichte über Untersuchung in Indien Wirecard-Aktie bricht ein und taumelt Richtung 100 Euro

Wirecard: Aktie mit neuem Kurssturz

Eine Verkaufsempfehlung der Citigroup und ein weiterer negativer Pressebericht haben die Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen am Freitag erneut schwer belastet. Die Papiere des Zahlungsabwicklers brachen an der Börse zeitweise um mehr als 10 Prozent ein. Zuletzt waren sie mit einem Minus von rund 9 Prozent auf 104,60 Euro immer noch abgeschlagenes Schlusslicht im Dax .

Citi-Analyst Josh Levin geht davon aus, dass der Markt angesichts der Unsicherheit im Zusammenhang mit den Vorwürfen die im Geschäftsmodell immanenten Risiken nun höher einkalkulieren dürfte. Deswegen stufte er die Aktie jetzt ab. Auch wenn die Dementis von Wirecard in Bezug auf die angeblichen Bilanzunregelmäßigkeiten in Teilen des Asien-Geschäfts "robust" gewesen seien, scheine eine zeitnahe Lösung nicht in Sicht. Das Kursziel strich Levin von 144 auf 100 Euro zusammen.

Als größere Belastung wurde ein Bericht über Untersuchungen des Indien-Geschäfts von Wirecard wahrgenommen. Dem "Handelsblatt" zufolge nehmen Strafverfolger im Zuge der in Singapur laufenden Untersuchungen auch das Indien-Geschäft von Wirecard ins Visier. Das gehe aus Gerichtsdokumenten hervor, heißt es in dem Artikel.

Wirecard: Berichte über Indien "nicht neu"

Wirecard entgegnete, die Inhalte bezüglich der indischen Transaktion seien "nicht neu und wurden bereits mehrfach auch durch externe Prüfungen widerlegt".

Wirecard-Aktien stehen seit Berichten der "Financial Times" (FT) Ende Januar zu internen Untersuchungen rund um angebliche Bilanzierungsverstöße eines Mitarbeiters in Singapur deutlich unter Druck. Das Unternehmen hat die Untersuchungen eingeräumt, die intern sowie von einer beauftragten externen Anwaltskanzlei durchgeführt werden.

Der Besessene: So tickt Wirecard-Chef Markus Braun

Braun: Ende der Prüfung steht kurz bevor

Vorstandschef Markus Braun sieht die Sache intern bereits als ausgeräumt an, es habe keine schlüssige Feststellung eines Fehlverhaltens gegeben. Das formelle Ende der eigenen Prüfung soll zudem kurz bevor stehen.

Die Verunsicherung am Aktienmarkt ist dennoch groß. Analyst Oliver Reinberg vom Investmenthaus Kepler Cheuvreux hält die Anschuldigungen gegen Wirecard zwar für nicht gerechtfertigt, allerdings seien einige der jüngsten Nachrichten zu dem Thema von außen nur schwer einzuschätzen. Daher strich der Experte die Papiere von einer Liste der Top-Empfehlungen am deutschen Aktienmarkt. Das grundsätzliche Kaufvotum für die Wirecard-Papiere bleibe aber unverändert.

Die Aktien haben sich seit ihrem Tief im Februar zwar schon wieder um ein Fünftel erholt, notieren aber weiterhin - mit minus 37,5 Prozent - deutlich tiefer als vor den Anschuldigungen in der "FT" Ende Januar.

Im Video: Wirecard-Chef Markus Braun im Interview

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Bild: Florian Generotzky für manager magazin

Der weltweite Boom von Online-Handel und Bezahlen per Smartphone-App befeuert seit Jahren das Wachstum von Wirecard und bescherte ihm im vergangenen Jahr den Aufstieg in den Dax. Der Betriebsgewinn soll im laufenden Jahr auf 740 bis 800 Millionen Euro steigen, nachdem er im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf 568 Millionen Euro zugelegt hatte.

US-Kanzleien bereiten Anlegerklagen gegen Wirecard vor

Das Wachstum des Unternehmens aus dem Münchner Vorort Aschheim wurde in der Vergangenheit wiederholt von Vorwürfen unlauterer Geschäfte begleitet, die von Wirecard regelmäßig zurückgewiesen wurden. Von den heftigen Aktienkursreaktionen profitieren vor allem kurzfristige Investoren.

Auslöser der Turbulenzen waren mehrere Artikel der "Financial Times" über angebliche Bilanzfälschungen durch Mitarbeiter des IT-Konzerns in Singapur. Wirecard wies die Vorwürfe zwar bereits in der vergangenen Woche zunächst per Statement und dann in einer rasch anberaumten internationalen Telefonkonferenz entschieden zurück. Zudem geht das Unternehmen inzwischen juristisch gegen die Zeitung vor.

Auf die Vorwürfe gegen Wirecard, gegen die sich das Unternehmen ebenfalls wehrt, stützen sich mittlerweile mehrere auf Anleger-Klagen spezialisierte US-Anwaltskanzleien. Sie reichten in den USA Sammelklagen gegen Wirecard ein, um wegen der jüngsten Aktienkursverluste Schadenersatz zu erstreiten.

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