Montag, 21. Oktober 2019

Fitch stuft Kreditwürdigkeit tief in Ramschbereich herab Wie lange reicht bei WeWork noch das Geld?

Als Vorstandschef musste We-Work-Gründer und Aktionär Adam Neumann abdanken, hat aber nach wie vor Einfluss auf das Unternehmen. Der abgesagte Börsengang sollte viel Geld in die Kasse des Start-ups spülen - das fehlt jetzt.

Der US-Bürovermieter WeWork gerät nach dem abgesagten Börsengang zunehmend unter Druck. Die Ratingagentur Fitch stufte am Mittwoch die Kreditwürdigkeit des Unternehmens tiefer in den Ramschbereich herab und drohte mit einer weiteren Senkung. Ohne einen Börsengang habe WeWork keine ausreichenden Mittel, um seine Wachstumspläne umzusetzen, erklärte Fitch.

WeWork hatte angekündigt, Arbeitsplätze zu streichen und die Expansion zu verlangsamen, um weniger Geld zu verbrennen und seine Abhängigkeit von frischem Kapital zu reduzieren. Dem "Wall Street Journal" zufolge erwägt das neue WeWork-Management daher, sein Wachstum in China zu drosseln.

Die hochfliegenden Börsenpläne von WeWork waren krachend gescheitert. Mögliche Investoren störten sich unter anderem an den hohen Verlusten und der Rolle des Gründers und ehemaligen Firmenchefs Adam Neumann, der nach massiver Kritik seinen Hut nehmen musste, aber den Posten als Vorsitzender des Verwaltungsrats behalten durfte.

Während WeWork bei der letzten Finanzierungsrunde im Januar noch mit 47 Milliarden Dollar bewertet wurde, war zuletzt nur noch von einer Bewertung von zehn bis zwölf Milliarden Dollar die Rede - weniger als die 12,8 Milliarden an Eigenkapital, die WeWork laut dem Datenanbieter Crunchbase seit seiner Gründung vor neun Jahren bei Investoren eingesammelt hat. Daraufhin zog WeWork die Reißleine.

Geld dürfte noch vier bis acht Quartale reichen

Am Montag begrub das einst hochgelobte Start-up seine Hoffnungen für einen Börsengang und zog die Registrierungsdokumente bei der US-Börsenaufsicht zurück. Das bringt WeWork in die Bredouille: Der Bürovermieter, der 2018 einen Verlust von 1,9 Milliarden Dollar verbuchte, wollte mindestens drei Milliarden Dollar durch den Börsengang einnehmen und sich weitere sechs Milliarden Dollar als Kredit sichern, die an den Erfolg eines Börsengangs gekoppelt waren.

Die Ratingagentur Fitch stufte WeWork wegen der Kapitallücke auf "CCC+" herab und versah das Rating mit einem negativen Ausblick. In den Augen der Bonitätswächter ist damit ein Kreditausfall möglich.


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Ohne Restrukturierungskosten reiche das Geld aktuell noch vier bis acht Quartale, erklärte Fitch. Allerdings werde WeWork für den geplanten Stellenabbau wohl viel Geld in die Hand nehmen müssen, was zusätzlich finanziellen Druck ausübe auf das Unternehmen. Neben der Finanzlücke fürchten die Fitch-Analysten, dass sich Großkunden von WeWork abwenden könnten.

Insidern zufolge verhandelt WeWork aktuell mit seinem größten Geldgeber, dem japanischen Technologieinvestor Softbank, über eine neue Geldspritze. So hatte der japanische Großaktionär Softbank nach dem Abgang von Gründer und Vorstandschef Adam Neumann signalisiert, die für April 2020 zugesagte Summe von 1,5 Milliarden Dollar um eine Milliarde Dollar aufzustocken. Entschieden ist aber noch nichts.

rei/Reuters

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