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Das geht unter die Haut: Chip, chip - hurra?

Foto: MLOVE

"You've been chipped" Warum sich Menschen einen Chip implantieren lassen

Von Andrea Rungg

Tom van Oudenaarden kam im Anzug. Seine Tattoos lugten an Armen und Hals hervor. Was man nicht sehen konnte: van Oudenaarden hat in seinem Körper zwei Chips implantiert, genauer an seiner rechten Hand. Er ist ein gern gesehener Gast und sein Auftritt der Höhepunkt, schließlich verlässt häufig ein weiterer Mensch mit Chipimplantat die Veranstaltung.

Vor wenigen Wochen schritt Oudenaarden entschlossen auf die Bühne der MLove, um einem Willigen einen Chip in den Arm zu spritzen. Auf der MLove, einer kleinen, feinen Konferenz zur Zukunft der Digitalisierung, wollte van Oudenaarden demonstrieren, wie das so ist wenn man "chipped" ist. Die Teilnehmer hatten gelost, wer den winzigen Chip bekommt. Freiwillige hatten sich überraschend schnell gefunden.

Van Oudenaarden gehört zu jener Gruppe Menschen, die die Fachwelt Cyborgs nennt. Für manch einen mag es eine Horrorvision, eine Spinnerei sein, dass nun auch noch in Körpern ein Chip schaltet und waltet. Für manch einen kann Elektronik im Körper aber auch ein Segen sein.

Elektronik im Körper - Horror oder Segen?

Hörgeschädigte beispielsweise können über Prothesen, ein Cochlea Implantat, wieder Geräusche wahrnehmen. Wissenschaftler und Unternehmen forschen daran, wie der menschliche Organismus und Technik miteinander funktionieren - und ob sich beide gemeinsam vertragen und dem Menschen gegebenenfalls helfen.

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Das geht unter die Haut: Chip, chip - hurra?

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Der Niederländer van Oudenaarden ging an die Sache indes weniger forschend heran. Er ließ sich einen Chip mit Near-Field-Communication-Technik und RFID-Funktion in das weiche Gewebe zwischen Zeigefinder und Daumen implantieren. Den anderen Chip trägt er unterhalb der Haut mittig auf seinem Arm. Van Oudenaarden entsperrt mit ihnen seinen Computer, sein Smartphone und seine Haustüre. "Ich brauche keine Schlüssel mehr. Das ist doch toll", sagte er.

Viel Speicherplatz haben seine Chips nicht. Gerade einmal 880 Bits. Er könnte Bitcoins darauf speichern, sagte er. Bei einem Foto könnte die Kapazität indes bereits ausgereizt sein. Zehn Jahre kann der Chip im Körper bleiben. Er ist mit einem hochpolierten Glas ummantelt, dadurch kann er nicht verwachsen, sagte van Oudenaarden.

"Ich brauche keine Schlüssel mehr, das ist doch toll"

In Utrecht betreibt er ein Piercing- und Tattoo-Studio. Er nennt sich "Body Modification Artist". Bereits 125 Menschen hätten sich von ihm bereits einen Chip spritzen lassen. Kostenpunkt pro Prozedur: 145 Euro, einschließlich Mehrwertsteuer. "Es muss alles steril sein", betont er.

Als er auf der MLove in seinem Anzug die Vorbereitungen für eine Chipimplantation trifft, sieht es aus, als gehe es um einen kleinen operativen Eingriff. Tupfer, Pflaster, Vakuum verpackte sterile Spritze und Kanüle.

Der Freiwille wurde erst unruhig, als er die Kanüle sah. Die sei dann doch ein bisschen groß, gab er - plötzlich bleich - zu. Van Oudenaarden erklärte, warum er den Chip in die obere Fläche des Unterarms spritzt. "Auf der Innenfläche des Arms gibt es einfach zu viel Reibung, was unter Umständen unangenehmen werden kann." Als er den Chip unter die Haut spritzte, sagte er trocken. "You've been chipped". Es hörte sich an, als habe er gerade einem Tier ein Ohrenmärkchen verpasst.

Wie fühlt sich das an, wenn man einen winzigen Fremdkörper über eine größere Kanüle einer Spritze in den Körper geschossen bekommt? "Es fühlt sich erst wie eine kleine Verletzung an, aber dann geht die kleine Schwellung zurück", sagt Oudenaarden.

Van Oudenaarden ist das nächste Mal live auf dem MLove ConFestvial 2015  vom 24. bis 26. Juni in Hamburg zu sehen. Schwerpunkt ist die digitale Zukunft von Städten, auch unter dem Stichwort "Smart Cities" bekannt.