Steuersenkungen in USA, Grenzausgleichssteuer vom Tisch Die US-Steuerreform hilft auch deutschen Unternehmen - aus mehreren Gründen

US-Präsident Trump hat es geschafft: Das Steuersystem der USA wird umfassend reformiert. Das hilft nicht nur US-Unternehmen, sondern auch der deutschen Konkurrenz.
Von Marko Gründig und Christian Schmid
Triumph für Trump: Unternehmen und Reiche zahlen weniger Steuern. Doch auch viele deutsche Unternehmen profitieren von der Reform. Die gefürchtete Grenzausgleichssteuer kommt nicht

Triumph für Trump: Unternehmen und Reiche zahlen weniger Steuern. Doch auch viele deutsche Unternehmen profitieren von der Reform. Die gefürchtete Grenzausgleichssteuer kommt nicht

Foto: JOE RAEDLE/ AFP

Man kann von Donald Trump halten, was man will. Nicht wegzudiskutieren ist jedoch, dass er jetzt eines seiner wichtigsten Wahlversprechen eingelöst hat: Der US-Senat und das Repräsentantenhaus haben am Mittwoch einer umfassenden Steuerreform in den USA zugestimmt. Es ist eine Zäsur für die amerikanische Wirtschaft und laut Trump ein "schönes Weihnachtsgeschenk" für die Menschen in den USA. Auch für deutsche Unternehmen ist sie - entgegen der weit verbreiteten Meinung - durchaus ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.

Kern der Reform ist die Senkung der Körperschaftssteuer von 35 auf 21 Prozent. Konkret heißt das, dass Unternehmen 40 Prozent mehr von ihrem Gewinn behalten dürfen als bislang. Ein deutliches Plus für grundsätzlich jedes Unternehmen, das in den USA tätig ist. Mit Blick auf den riesigen US-amerikanischen Markt haben also auch viele deutsche Unternehmen, die in den USA wirtschaften, Grund zur Freude.

Deutsche Exporteure bleiben von Grenzausgleichssteuer verschont

Die traditionell exportstarken deutschen Unternehmen dürften außerdem erleichtert sein, dass die vielfach diskutierte Grenzausgleichssteuer nun Fiktion bleibt. Sie hätte Exporte in die USA enorm verteuert, ist jetzt aber (wie auch die zuletzt diskutierte Light-Version in Form einer sogenannten Excise Tax) im Reformgesetz nicht mehr enthalten.

Statt Grenzausgleichssteuer und Excise Tax kommt jetzt die "BEAT"

Christian Schmid
Foto: KPMG

Christian Schmid ist Partner bei der KPMG und leitet das German Tax Center in New York. Er berät Unternehmen in grenzübergreifenden Steuerthemen zwischen Deutschland und den USA.

Dafür wurde eine sogenannte BEAT, die Base Erosion Anti-Avoidance Tax, aufgenommen. Damit soll vermieden werden, dass ausländische Unternehmen die Gewinne ihrer Tochtergesellschaften über konzerninterne Lizenz-, Zins und bestimmte Servicezahlungen verringern.

Damit die BEAT nicht zum (nach-)weihnachtlichen Stimmungsdrücker wird, sollten deutsche Unternehmen diese Steuer im Blick behalten und ihre Strukturen in den USA prüfen und gegebenenfalls anpassen.

Wirtschaftsbooster für die USA

Damit auch die Arbeitnehmer nicht zu kurz kommen, wird mit der Reform zudem die Einkommenssteuer angepasst, was Steuerzahlern der obersten Einkommensklasse 2,5 Prozent mehr vom Bruttogehalt im Geldbeutel lässt. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Änderungen, die alle das gleiche Ziel zu verfolgen scheinen: Mehr Geld für alle durch eine deutliche Entlastung der US-amerikanischen Wirtschaft.

Rein wirtschaftlich betrachtet klingt das nach einem guten Plan. Die Senkung der Körperschaftssteuer wird die USA aller Voraussicht nach als Investitionsstandort attraktiver machen. Weniger Steuerabgaben bedeuten schließlich mehr Geld, das wieder investiert werden kann - vorzugsweise natürlich in den USA.

Wenn also die Effekte eintreten, die sich Präsident Trump und die Republikaner erhoffen und dadurch die Wirtschaft wächst, mehr Arbeitsplätze geschaffen werden und die Löhne steigen, dürfte das steigende verfügbare Einkommen der Amerikaner auch deutschen Exporteuren künftig mehr Dollars als bislang in die Tasche spielen.

US-Firmen bislang recht hoch besteuert - Europäer müssen Steuer-Wettbewerb nicht fürchten

Die Absenkung des Körperschaftsteuersatzes und die weiteren Maßnahmen der Reform sorgen dafür, dass die Steuerreform insbesondere exportorientierten US-Unternehmen zu Gute kommen wird, da sie im internationalen Vergleich Wettbewerbsvorteile bringen wird.

Deutsche Unternehmen - gerade Mittelständler und Familienunternehmen - sind jedoch so aufgestellt, dass sie diesen Wettbewerb keinesfalls scheuen müssen.

Marko Gründig
Foto: KPMG

Marko Gründig ist Steuerberater und Bereichsvorstand Tax bei KPMG. Sein Hauptberatungsschwerpunkt ist das Transaktionsgeschäft sowie grenzüberschreitende Strukturierungen und Finanzierungen.

Das gilt in steuerlicher Hinsicht auch für Deutschland und die EU. Denn im internationalen Vergleich sind die Unternehmenssteuern in den USA bislang recht hoch: Bundessteuern, Steuern der Bundesstaaten und die lokalen Steuern - bei Unternehmen wird gerne und häufig zugegriffen.

Insofern drückt Trumps Reform das Steuerniveau in den USA lediglich auf ein Niveau, das nicht viel niedriger ist als in Deutschland oder anderen Industriestaaten der EU. Bis dato sieht es daher nicht danach aus, dass mit der Reform in den USA der Startschuss für einen globalen Steuer-Wettlauf gefallen ist - auch wenn mit den geplanten Steuersatzsenkungen in Großbritannien und Frankreich sicherlich ein Trend erkennbar ist.

US-Reform als Anstoß: Mehr Rechtssicherheit im deutschen Steuersystem

Anstatt sich vor Wettbewerbsnachteilen durch niedrige Steuersätze in den USA zu fürchten, sollte sich Deutschland vielmehr von der Steuerreform in den USA inspirieren lassen. So könnte sie als Impuls genutzt werden, einen Wunschzettel für Verbesserungen im Steuersystem hierzulande zu erstellen und zum Vorteil für alle Beteiligten umzusetzen.

So ist gerade für Unternehmen nicht zwingend der jeweilige Steuersatz eines Landes der maßgebliche Faktor, sondern durchaus die Rechtssicherheit im Steuersystem. Die deutsche Finanzverwaltung tut sich jedoch immer wieder schwer, bei unklarer Gesetzeslage verbindliche Entscheidungen zu treffen. Das Ergebnis ist, dass Unternehmen unter Umständen nur sehr eingeschränkt Vorabauskünfte bekommen und Betriebsprüfungen erst nach Jahren stattfinden. In diesem Bereich ist in Deutschland also noch Luft nach oben.