Nach Thomas Cook Pleite Rettungskredit für deutsche Thomas Cook "keine politische Frage"

Thomas Cook, Neckermann und Öger insolvent: Der Versicherer Zurich überweist Hotels wieder Geld - unter der Voraussetzung, dass Gäste vor Ort nicht mehr unter Druck gesetzt werden

Thomas Cook, Neckermann und Öger insolvent: Der Versicherer Zurich überweist Hotels wieder Geld - unter der Voraussetzung, dass Gäste vor Ort nicht mehr unter Druck gesetzt werden

Foto: Francisco Ubilla/ DPA

15 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will den Antrag des Reiseunternehmens Thomas Cook Deutschland auf einen Überbrückungskredit nach "eindeutigen Kriterien" prüfen. Dies sei "keine politische Frage", sagte Altmaier am Freitag vor Journalisten in Brüssel. Hier müsse "auf Basis der Fakten" und insbesondere nach den Grundsätzen der Bundeshaushaltsordnung entschieden werden. Eine Sprecherin von Altmaiers Ministerium bestätigte am Freitag, dass ein entsprechender Antrag eingegangen sei und geprüft werde.

Die deutsche Thomas Cook GmbH hatte am Mittwoch Insolvenz angemeldet, nachdem der britische Mutterkonzern Thomas Cook pleite gegangen war. Die gleichfalls betroffene Ferienfluggesellschaft Condor hat bereits eine Zusage für einen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro erhalten. Der Bund und das Land Hessen wollen für den Betrag je zur Hälfte bürgen. Die EU-Kommission muss der Staatshilfe noch zustimmen.

Im Fall Condor habe die Bundesregierung "das, was notifiziert werden muss, notifiziert", sagte Altmaier. "Wir arbeiten vertrauensvoll mit den Diensten der Kommission zusammen." Altmaier wollte nicht sagen, ob er zu Condor bei seinem Brüssel-Besuch am Freitag auch Gespräche geführt hat. Er nahm dort an einem EU-Asien-Forum teil.

Der Minister sprach mit Blick auf Condor von einer "wichtigen Entscheidung" der Bundesregierung. Sie habe es "hunderttausenden von Passagieren ermöglicht, zurückzukommen" und so werde vermieden, "dass sie stranden". Mit dem Kredit sei "auch eine wirtschaftliche Perspektive verbunden für die weitere Fortführung dieses Unternehmens".

11.00 Uhr: - Einige Banken dürfte die Pleite des Reiseanbieters Thomas Cook laut einem Pressebericht teuer zu stehen kommen. Es drohen hohe Abschreibungen auf ausstehenden Anleihen und Krediten. Davon betroffen sei auch die Credit Suisse , schreibt die "Financial Times" in ihrer Ausgabe vom Freitag. Banken wie Barclays , Morgan Stanley , Unicredit oder die Credit Suisse müssten auf ihren Büchern wohl insgesamt Abschreibungen im Umfang von bis zu 1,8 Milliarden britische Pfund vornehmen, so der Bericht. Das hätten Schätzungen des Beratungsunternehmens AlixPartners gezeigt.

Die Gläubiger von Anleihen müssten dabei Abschreibungen von 900 Millionen bis eine Milliarde Pfund und die Kreditgeber zwischen 550 und 825 Millionen in Kauf nehmen. Die tatsächlich abzuschreibenden Beträge dürften dabei eher am oberen Ende der Bandbreiten zu liegen kommen, sagte ein Experte dem Blatt.

9.00 Uhr: Ab diesem Freitag sollen Hotels im Ausland, die derzeit noch Thomas-Cook-Urlauber beherbergen, Geld von der Zurich-Versicherung bekommen. Die Zahlungen an die Hotels sind laut Zurich an die Bedingung geknüpft, dass Urlauber nicht mehr zu Extra-Zahlungen aufgefordert werden.

Auf Basis der Buchungsinformationen und ohne Vorlage gesonderter Rechnungen sollen die Hotels in den Ferienorten jetzt 50 Prozent der ausstehenden Zahlungen erhalten, wie ein Zurich-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Dies gilt sofort und unter der Voraussetzung, dass Thomas-Cook-Reisende von diesen Hotels ab sofort weder zur individuellen Zahlung von Hotelrechnungen aufgefordert oder anderweitig genötigt werden", sagte Sprecher Bernd Engelien weiter.

Die Versicherung reagierte damit auf Berichte von Hotelgästen, die nach eigenen Angaben gezwungen worden waren, ihre Unterkünfte vor Ort selbst zu bezahlen. Einige mussten demnach mehr als 1000 Euro auf den Tisch legen. Der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatten dies scharf kritisiert.

Wie viele Hotels betroffen sind, werde am Freitag mit dem insolventen Reiseanbieter abgestimmt, sagte der Versicherungs-Sprecher. Nach Angaben vom Donnerstag waren noch 70 000 Thomas-Cook-Pauschalurlauber aus Deutschland unterwegs. Die Zurich Deutschland hat Urlaub und Rückreise der Thomas-Cook-Kunden abgesichert.

Thomas Cook in Deutschland war in den Sog der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten und hatte am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt. Insolvenzverwalter wollen versuchen, die drei Thomas-Cook-Gesellschaften in Deutschland fortzuführen und eine Zukunftslösung zu finden.

Die nun angekündigten Auszahlungen an Hotels durch die Zurich Versicherung helfen allerdings nur den Reisenden, die derzeit noch unterwegs sind. Für Thomas-Cook-Kunden, die erst noch in den Urlaub fliegen wollen, sieht es schlecht aus. Am späten Donnerstagabend teilte das Unternehmen mit, alle Reisen bis einschließlich 31. Oktober würden abgesagt. Dies gelte auch für solche Buchungen, die schon bezahlt sind.

Wie es um Reisen mit Start ab dem 1. November 2019 steht, ließ das Unternehmen offen. In Abstimmung mit der Insolvenzversicherung werde die weitere Vorgehensweise geprüft, hieß es. Grundsätzlich ist für diese Fälle auch die Versicherung Zurich zuständig. Der Verkauf neuer Reisen ist gestoppt

07.34 Uhr: Die Reisebranche in Deutschland brummt - trotz der Insolvenz des Branchenriesen Thomas Cook. Reisebüros und Reiseveranstalter steigerten ihren Umsatz von 2008 bis 2017 um 54 Prozent - von 21,4 auf 32,9 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der in der Branche tätigen Personen um 30 Prozent auf 92.700.

Auch die Zahl der Unternehmen nahm insgesamt zu - um 12,5 Prozent auf 10.776. "Allerdings betrifft das Wachstum nur die Reisebüros", betonte das Statistikamt. Deren Anzahl erreichte 2017 mit rund 8800 Unternehmen den höchsten Wert seit 2008, was einer Zunahme um 27 Prozent in diesem Zeitraum entspricht. Die Reiseveranstalter mussten dagegen gleichzeitig einen Rückgang um 34 Prozent auf knapp 2000 Unternehmen hinnehmen.

07.00 Uhr: Die deutschen Töchter des Pleitekonzerns Thomas Cook können jetzt Verhandlungen mit potenziellen neuen Eignern aufnehmen. Der Ferienflieger Condor teilte am Donnerstag mit, das Amtsgericht Frankfurt habe den Antrag auf ein Schutzschirmverfahren genehmigt. Jetzt könne als Sachwalter der Insolvenzexperte Lucas Flöther, der bereits die Pleite von Air Berlin seit 2017 abwickelt, die Arbeit aufnehmen. Für die Konzernschwester Thomas Cook GmbH aus Oberursel mit ihren drei Firmen setzte das Amtsgericht Bad Homburg vorläufige Insolvenzverwalter ein. Mit den Verfahren sind die deutschen Thomas-Cook-Töchter von der insolventen Mutter getrennt, sodass diese keinen Zugriff mehr auf deren Gelder hat.

Während Condor mit einem Staatskredit von 380 Millionen Euro im Rücken weiterfliegen kann, liegt das Geschäft des Reiseveranstalters Thomas Cook auf Eis. Reisen können nicht verkauft werden, alle bis zum 13. Oktober gebuchten Reisen wurden abgesagt. Thomas-Cook-Chefin Stefanie Berk beantragte ebenfalls in dieser Woche beim Bund und dem Land Hessen einen Überbrückungskredit. Die Aussicht auf ein dauerhaft lebensfähiges Geschäft, zu dem beide neue Eigentümer brauchen, ist eine wichtige Voraussetzung, dass der Staat Unternehmen in Not nach EU-Recht stützen darf.

6.30 Uhr: Der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook sagt einen Tag nach seinem Insolvenzantrag alle Reisen bis einschließlich 31. Oktober 2019 ab. Reisen könnten "aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht angetreten werden", teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit.

Davon betroffen seien auch Buchungen der Marken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, ÖGER TOURS, Bucher Reisen und Air Marin, die bereits angezahlt oder vollständig bezahlt sind. Wie es um Reisen mit Start ab dem 1. November 2019 steht, ließ das Unternehmen offen. In Abstimmung mit der Insolvenzversicherung werde die weitere Vorgehensweise geprüft, hieß es.

Newsticker vom Donnerstag: Hotels setzen Thomas Cook Urlauber unter Druck

14.30 Uhr: Wegen der Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook bestehen manche Hotels darauf, dass Thomas-Cook-Kunden ihre Rechnung nochmals bezahlen - und zwar persönlich und direkt vor Ort. Der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisiert dies als "völlig inakzeptabel" und rät Urlaubern dringend davon ab, zu zahlen. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisiert das Vorgehen mancher Hoteliers. "Das Ausnutzen einer Zwangslage, um den eigenen Schaden zu kompensieren, ist nach deutschem Recht strafbar", sagt vzbv-Tourismusexperte Felix Methmann. Das Problem: Wer vor Ort eine vermeintlich offene Rechnung des Hotels begleicht, riskiert, sein Geld daheim nicht mehr wiederzubekommen. Die Insolvenzversicherung des Veranstalters erstatte eine vom Gast bereits geleistete Zahlung nur dann, wenn der Kunde vor Ort nachweisbar unter Druck gesetzt wurde. "Dazu gibt es höchstrichterliche Entscheidungen. Reisende, die freiwillig die Hotelrechnung bezahlen, haben keine Ansprüche", warnt Methmann. Aus diesem Grund sollten Reisende, die vom Hotelpersonal zur Zahlung aufgefordert werden, dies zurückweisen und auf die Insolvenzversicherung hinweisen, die für die Zahlung zuständig sei. Im Fall von Thomas Cook ist dies der Versicherer Zurich.

12.04 Uhr: Der Ferienflieger Condor kann Justizkreisen zufolge in einem Schutzschirmverfahren saniert werden. Das zuständige Amtsgericht Frankfurt habe das den Beteiligten mitgeteilt, der offizielle Beschluss stehe aber noch aus, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Voraussetzung für diese Variante des Insolvenzverfahrens ist, dass ein Unternehmen noch nicht zahlungsunfähig ist und als sanierbar gilt. Die Bundesregierung hatte am Dienstagabend einen sogenannten Massekredit über 380 Millionen Euro beschlossen, der Condor finanziell über den Winter helfen soll.

Beaufsichtigt wird die Condor-Sanierung von Sachwalter Lucas Flöther, der auch als Insolvenzverwalter von Air Berlin bekannt ist. Als Chef-Sanierer hat Condor Detlef Specovius aus der Insolvenzverwalterkanzlei Schultze & Braun angeheuert, heißt es. Flöther bestätigte gegenüber dpa, dass er vom Amtsgericht Frankfurt/Main bestellt worden sei.

10.46 Uhr: In Bulgarien hat Tourismusministerin Angelina Angelkowa die Hoteliers aufgerufen, trotz der Insolvenz von Thomas Cook die Kunden des Reiseunternehmens weiter zu versorgen. Andernfalls würde das Image des Schwarzmeerlands leiden, und die Touristen würden nicht wiederkommen, warnte die Ministerin vor Journalisten. In Bulgarien befinden sich derzeit 3940 Urlauber von Thomas Cook, vor allem in den Tourismushochburgen Warna und Burgas. Thomas Cook bringt in der Sommersaison nach Angaben des Tourismusministeriums zwischen 350.000 und 450.000 Touristen an die bulgarische Schwarzmeerküste. Sie werden in 58 Hotels untergebracht. Die Tourismusbranche in dem EU-Land befürchtet Verluste in Millionenhöhe.

10.41 Uhr: Kaum Hoffnung für den österreichischen Thomas Cook-Ableger hat der Gläubigerschutzverband AKV. Eine Sanierung von Thomas Cook Austria sei nicht möglich. "Eine Unternehmensfortführung wird nicht angestrebt", teilte der Kreditschutzverband AKV am Donnerstag mit. Das gesamte unternehmerische Vermögen solle liquidiert werden. "Im Hinblick auf die hohen Haftungen für die verbundenen Gesellschaften ist derzeit nicht davon auszugehen, dass eine Sanierung des Unternehmens wirtschaftlich möglich sein wird."

Reiseverband DRV rät Urlaubern: Nichts vor Ort nachzahlen - der Insolvenzversicherer Zurich übernimmt die Kosten

10 Uhr: Der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisiert es als "völlig inakzeptabel", wenn Hotelgäste des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook erneut zur Kasse gebeten werden. Der Verband erhalte vermehrt Kenntnis von Hotels, die in Urlaubsdestinationen Pauschalurlauber festhalten, die mit Thomas Cook Deutschland gebucht haben, teilte der DRV am Mittwoch in Berlin mit. Nach der Insolvenz des deutschen Reiseveranstalters zwingen Hotels die Reisenden dem Verband zufolge ein weiteres Mal zur Zahlung.

Die meisten Hotels verhielten sich sehr fair. "Aber es gibt leider auch andere Fälle, die völlig inakzeptabel sind", kritisierte DRV-Präsident Norbert Fiebig: "Die Urlauber haben ihren Reisepreis bezahlt. Es gibt keinen Grund, sie vor Ort festzuhalten." Zudem gebe es eine Zusage des Insolvenzversicherers Zurich, in Folge der Insolvenz von Thomas Cook Deutschland die Kosten für die Hotels zu übernehmen.

Der DRV forderte nach eigenen Angaben die Hotelverbände und Fremdenverkehrsämter in den Urlaubsländern auf, die jeweiligen Hotels darüber zu informieren, "dass der Insolvenzversicherer Zurich die Kosten für alle Hotels übernehmen wird, in denen die Pauschalreisegäste von Thomas Cook Deutschland aktuell untergebracht sind". Dies gelte folglich auch für Pauschalreisende der Veranstalter Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen, Thomas Cook Signature und Air Marin.

Thomas Cook: Auch der deutsche Reiseveranstalter mit den Marken Neckermann, Öger Tours und Air Marin ist insolvent. Beim Ferienflieger Condor geht der Betrieb jedoch weiter - dank eines 380-Millionen-Kredits vom Staat

Thomas Cook: Auch der deutsche Reiseveranstalter mit den Marken Neckermann, Öger Tours und Air Marin ist insolvent. Beim Ferienflieger Condor geht der Betrieb jedoch weiter - dank eines 380-Millionen-Kredits vom Staat

Foto: TOLGA AKMEN/ AFP

9.05 Uhr: Die britische Civil Aviation Authority (CAA) verkündet die Rückholaktion für die Thomas-Cook-Urlauber bis zum 25. Oktober zu verlängern.

8.35 Uhr: Die Pleite der Deutschland-Töchter des Reisekonzerns Thomas Cook wird von drei vorläufigen Insolvenzverwaltern abgewickelt. Alle drei kommen aus dem Frankfurter Büro der Kanzlei hww Hermann Wienberg Wilhelm. Für die Holding Thomas Cook GmbH ist Fabio Algari zuständig, für Bucher Reisen und Öger Tours Julia Kappel-Gnirs und für die Thomas Cook Touristik GmbH Ottmar Hermann. Er ist der bekannteste aus dem Trio: Hermann war unter anderem Insolvenzverwalter des Baukonzerns Philipp Holzmann und der Kaufhauskette Woolworth.

7.15 Uhr: Großbritannien plant an diesen Donnerstag 16.000 gestrandete Briten zurückzufliegen. Die Civil Aviation Authority (CAA) hat dafür 70 Flüge vorgesehen. Bislang seien bereits 30 Prozent der britischen Urlauber, die wegen der Thomas Cook-Insolvenz nicht zurückfliegen konnten, in den ersten drei Tagen der Aktion zurückgeholt worden, teilte die CAA mit.