Montag, 18. November 2019

Aus für Neckermann, Öger Tours und Bucher Reisen Auch deutsche Thomas-Cook-Tochter stellt Insolvenzantrag

Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen: Die deutsche Tochter-GmbH von Thomas Cook hat ebenfalls Insolvenz angemeldet, um sich aus den "finanziellen Verflechtungen und Haftungsverhältnissen" mit dem insolventen britischen Mutterkonzern lösen zu können
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Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen: Die deutsche Tochter-GmbH von Thomas Cook hat ebenfalls Insolvenz angemeldet, um sich aus den "finanziellen Verflechtungen und Haftungsverhältnissen" mit dem insolventen britischen Mutterkonzern lösen zu können

Der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook hat ebenfalls einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte die Tochter des insolventen britischen Touristikkonzerns am Mittwoch in Oberursel bei Frankfurt mit. Der deutsche Veranstalter mit den Marken Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen sei zu diesem Schritt "gezwungen", um sich aus den "finanziellen Verflechtungen und Haftungsverhältnissen" mit dem insolventen Mutterkonzern lösen zu können, erklärte die Thomas Cook GmbH. Der britische Konzern hatte bereits in der Nacht zum Montag Insolvenz angemeldet.

Etwa 140.000 Urlauber sind aktuell mit dem Unternehmen mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen unterwegs. Was die Insolvenz genau für sie bedeutet, war zunächst unklar.

"Wir hätten diesen gerichtlichen Schritt natürlich lieber vermieden, doch leider ließ sich auf dem Verhandlungsweg keine kurzfristige Lösung erreichen", sagte Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung der Thomas Cook GmbH. Ziel sei ein sanierendes gerichtliches Verfahren. Das Gericht werde voraussichtlich noch am Mittwoch einen erfahrenen Restrukturierer einsetzen, der die Neuausrichtung des Geschäfts im Rahmen eines Insolvenzverfahrens federführend begleite.

Wie der Ferienflieger Condor hatte auch die Thomas Cook GmbH einen Antrag auf einen Überbrückungskredit beim Bund gestellt. Während Condor am Dienstagabend die Zusage über eine Bürgschaft von 380 Millionen Euro erhielt, gab es zu Thomas Cook bisher keine Entscheidung. Der Veranstalter hatte den Verkauf von neuen Reisen bereits am Montag gestoppt.

Kunden, die über die deutschen Veranstaltermarken Neckermann Reisen, Thomas Cook Signature, Bucher Reisen, Öger Tours und Air Marin Reisen gebucht haben, können ihre Reisen nun nicht mehr antreten.

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Urlauber müssen Reisepreis vom Veranstalter zurückfordern

Für Betroffene ärgerlich: Sie haben die Reise in der Regel im Voraus bezahlt. Nach Ansicht von Reiserechtler Paul Degott aus Hannover begeht der Reiseveranstalter eigentlich Vertragsbruch, wenn er diese gebuchten und bezahlten Reisen jetzt absagt. "Die Reise ist ja gescheitert." Betroffene Kunden, deren Reisen jetzt nicht stattfinden, haben die Möglichkeit, den gezahlten Reisepreis zurückzufordern. Zudem stehe ihnen wahrscheinlich auch Schadenersatz zu.

Sicherungsschein für den Fall einer Insolvenz

Liegt die Buchung noch nicht zu lange zurück, könnten sich Betroffene ihr Geld gegebenenfalls auch selbst zurückholen, zum Beispiel, wenn die Reise per Lastschrift bezahlt wurde. Diese können nämlich innerhalb von acht Wochen rückgängig gemacht werden.

Wird offiziell ein Insolvenzverfahren eröffnet, müssen alle Ansprüche an den Insolvenzverwalter gerichtet werden. Für Pauschalreisen greift dann die Insolvenzversicherung des Unternehmens. Wer das ist, steht auf dem Sicherungsschein, den Kunden nach Vertragsschluss bekommen haben.

Ferienflieger Condor erhält Staatshilfe - "Condor fliegt"

Nach der Pleite seines Mutterkonzerns Thomas Cook soll der deutsche Ferienflieger Condor unterdessen mit Finanzhilfe vom Staat gerettet werden. Das Unternehmen erhalte von der staatlichen Förderbank KfW einen Massekredit in Höhe von 380 Millionen Euro, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier am Dienstagabend in Berlin. Das Darlehen sei vollständig vom Bund und zur Hälfte zusätzlich vom Land Hessen, wo die Airline ihren Sitz hat, garantiert.

"Condor hat eine Perspektive", sagte der CDU-Politiker. Viele der fast 5000 Arbeitsplätze könnten erhalten werden, die mit Condor verreisten Touristen nach Hause kommen. Und es gebe eine sehr hohe Chance, dass der Steuerzahler das Geld zurückbekomme.

Condor drohte die Pleite, nachdem die britische Thomas Cook am Montag nach dem Scheitern eines Rettungsplans in Insolvenz gehen musste. Die Airline führte den Flugbetrieb weiter und bat die Bundesregierung, die vor zwei Jahren schon die pleite gegangene Air Berlin in der Luft gehalten hatte, um Hilfe. Condor-Chef Ralf Teckentrup bedankte sich für die Hilfe. Mit dieser komme Condor über den Winter, für das nächste Sommergeschäft sei er optimistisch.

Jetzt habe das Unternehmen genug Zeit, sich einen neuen Eigentümer zu suchen, der dringend gebraucht werde. "Wir kriegen das hin", sagte Teckentrup.

"Wir sind ein gesundes Unternehmen, das unverschuldet in Not ist, weil unsere Liquidität in London verbuddelt worden ist", sagte Teckentrup. Die FAirline will sich über ein spezielles Insolvenzverfahren sanieren, durch das der Mutterkonzern nicht mehr an ihr Geld und den Staatskredit herankommt. "Wir werden in Kürze einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren stellen", sagte Teckentrup. Dieses ermöglicht angeschlagenen Firmen, die aber noch nicht zahlungsunfähig sein dürfen, eine schnelle Sanierung.

Hessen, wo Condor und die deutsche Thomas Cook ihren Sitz haben, bürgt für die Hälfte des Überbrückungskredits.

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