Freitag, 21. Februar 2020

Größter Tech-Börsengang seit 19 Jahren Teamviewer-Börsengang enttäuscht - Permira kassiert, Aktionäre zahlen drauf

Teamviewer: Mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro ist es der größte Tech-Börsengang seit dem IPO von Infineon im Jahr 2000

Finanzinvestor Permira kann zufrieden sein, doch Aktionäre der ersten Stunde zahlen drauf: Das schwäbische Technologieunternehmen Teamviewer hat mit seinem Börsengang am Mittwoch den größten Börsengang seiner Branche seit dem Dotcom-Boom in Deutschland vollzogen. Das Unternehmen hatte bis zu 84 Millionen Aktien zu einem Ausgabepreis von 26,25 Euro pro Stück ausgegeben. Damit hat die Emission ein Volumen von 2,2 Milliarden Euro. Zuletzt war es im Frühjahr 2000 beim Börsengang des damals zum Siemens -Konzern gehörenden Chipherstellers Infineon mit rund sechs Milliarden Euro mehr gewesen.

Der Eigner von Teamviewer, der Finanzinvestor Permira, konnte für die 84 Millionen Aktien 2,21 Milliarden Euro einstreichen. Damit hat sich die Investition für Permira mehr als gelohnt. Permira hatte Teamviewer 2014 für 870 Millionen Euro gekauft. Nun konnte der Investor mit dem Teilverkauf seiner Aktien Kasse machen - und bleibt gleichzeitig mit 58 Prozent als Großaktionär engagiert.

Die Aktien erlebten jedoch ein schwaches Börsendebüt. Die Papiere von Teamviewer starteten am Mittwoch Morgen mit 26,25 Euro in Höhe des Ausgabepreises in den Börsenhandel, gerieten dann allerdings schnell unter Druck. Am Donnerstag rutschten die Papiere zeitweise unter 25 Euro und damit um rund 5 Prozent unter den Ausgabepreis.

Teamviewer stellt Software zur Computer-Fernwartung und Videokonferenzen her und gehört dem Finanzinvestor Permira. Dieser hatte das Unternehmen 2014 für 870 Millionen Euro gekauft. Auch nach dem Börsengang werden die Briten mit einem Anteil von mindestens 58 Prozent das Sagen haben.

Rund 800 Mitarbeiter in Europa, Asien und USA

Teamviewer wurde 2005 in Göppingen gegründet und beschäftigt rund 800 Mitarbeiter in Europa, den USA und in Asien. Das Unternehmen profitiert unter anderem davon, dass es bereits im vergangenen Jahr die Umstellung auf das Abo-Modell abgeschlossen hat. Derzeit hat Teamviewer rund 368 000 Abonnenten - mehr als doppelt so viele wie Ende Juni 2018. Die Software des Unternehmens, die in der Basisversion für Privatkunden kostenlos ist und bleiben soll, wird derzeit auf mehr als 340 Millionen Geräten aktiv eingesetzt.

Der Börsengang sei "der nächste logische Schritt", schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Zum einen verspricht sich das Management um Oliver Steil eine höhere Markenbekanntheit. Zum anderen erhofft es sich mehr Flexibilität und die Möglichkeit, das Geschäft weiter voranzutreiben und auszubauen.


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2018 waren die in Rechnung gestellten Umsätze von Teamviewer um ein Viertel auf 230 Millionen Euro gestiegen. Für dieses Jahr wird laut dem Börsenprospekt ein Wachstum von bis zu 39 Prozent auf bestenfalls 320 Millionen Euro erwartet. Das Unternehmen gilt als äußerst profitabel.

Die Aktien sollen unter dem Kürzel TMV gehandelt werden. Nach Angaben des Unternehmens sind für das laufende und das kommende Jahr noch keine Dividenden geplant. Erst von 2020 an sollen die entsprechenden Möglichkeiten hierzu ausgelotet werden

la/reuters

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