Freitag, 20. September 2019

Folge der Niedrigzinsen Sparkassenchef schwört Kunden auf deutlich höhere Kosten ein

Keine Luftnummer: Die Sparkassen wollen wegen der Niedrigzinsen ordentlich an der Kostenschraube drehen

Die Bundesregierung will Kleinsparer womöglich mit einem Verbot von Strafzinsen schützen. Doch während die Prüfung noch läuft, bereitet Sparkassenpräsident Helmut Schleweis Bankkunden bereits auf deutlich höhere Kosten vor - durch Minuszinsen oder höhere Gebühren.

"Die Europäische Zentralbank setzt die bisherigen wirtschaftlichen Spielregeln außer Kraft", sagte Schleweis in einem Interview mit dem "Handelsblatt". "Wir haben schon lange darauf hingewiesen, dass die Auswirkungen eines Tages die breite Bevölkerung erreichen werden."

Die EZB hatte Banken und Märkte zuletzt auf eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik vorbereitet, mit der sie ein weiteres Abrutschen der Inflation verhindern will. Für die Geldhäuser dürfte das noch höhere Strafzinsen für Einlagen bedeuten, die sie bei der Notenbank parken.

Diese Aussicht hat eine hitzige Diskussion darüber ausgelöst, ob die Banken die zusätzlichen Lasten auf breiter Basis an ihre Privatkunden weitergeben dürfen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will Minuszinsen für Sparer verbieten, Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) möchte den rechtlichen Rahmenzumindest prüfen lassen. Es EZB-Vizepräsident Vitor Constâncio bezweifelte in einem SPIEGEL-Interview jedoch, dass normale Sparer tatsächlich negative Zinsen begleichen müssen.

Staatshilfe für Altersvorsorge gefordert

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes fürchtet indes vor allem auch die langfristigen gesellschaftlichen Folgen dieser EZB-Politik. In Japan hätten jahrelange Minuszinsen zu "wirtschaftlicher Stagnation" und "deutlich steigenden Kosten für Bankkunden" geführt, sagte Schleweis. "Ich befürchte, dass wir dies auch in Deutschland erleben werden."

Schleweis, der die Interessen von rund 380 deutschen Sparkassen vertritt, hält ein Verbot von Minuszinsen jedoch für falsch: "Das passt nicht zu unserer Wirtschafts- und Rechtsordnung." Zugleich betont er, dass die Möglichkeiten der Sparkassen, die Lasten der Geldpolitik "abzupuffern, endlich sind". Um die Sparer zu entlasten, fordert Schleweis staatliche Unterstützung bei der privaten Altersvorsorge.

"Die öffentliche Hand hat durch die Geldpolitik bisher Zinsvorteile von rund 360 Milliarden Euro. Die privaten Sparer haben rund 300 Milliarden Euro verloren. Es läge nahe, durch finanzielle Anreize zur Vermögensbildung einen Teil dieser Mittel an die Bürgerinnen und Bürger zurückzugeben", sagte Schleweis. Er schlägt vor, das "Wertpapiersparen durch eine modernisierte Arbeitnehmersparzulage attraktiver zu gestalten". Außerdem "könnten die Bundesländer den Immobilienerwerb durch geringere Grunderwerbsteuern fördern."

apr/SPON

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