Montag, 18. November 2019

Siemens kauft Dresser-Rand Kaesers teurer Durchmarsch

Siemens-Chef Joe Kaeser: Gut ein Jahr nach seinem Start als Siemens-Chef baut Kaeser ein weitgehend neues Geschäftsfeld auf: Doch der Schritt zum "Weltklasse-Anbieter für die Öl- und Gasmärkte" hat seinen Preis
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Siemens-Chef Joe Kaeser: Gut ein Jahr nach seinem Start als Siemens-Chef baut Kaeser ein weitgehend neues Geschäftsfeld auf: Doch der Schritt zum "Weltklasse-Anbieter für die Öl- und Gasmärkte" hat seinen Preis

Der Bieterkampf zwischen Siemens-Chef Joe Kaeser und Peter Löscher um den Gas- und Öltechnikanbieter Dresser-Rand fällt aus. Kaeser setzt sich durch und nun auf den Fracking-Boom. Siemens zahlt einen hohen Preis: Eine Analyse der Chancen und Risiken von Siemens' größtem Deal seit 2007.

Es hätte das Zeug zum Duell des Jahres gehabt. Doch bevor der Bieterkampf um den umworbenen texanischen Gas- und Öltechnikanbieter Dresser-Rand so richtig begonnen hat, ist er entschieden. Siemens-Chef Joe Kaeser legt 7,6 Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Euro) auf den Tisch. Das ist soviel, dass sein Vorgänger und nun Counterpart beim Schweizer Sulzer-Konzern, Verwaltungsratspräsident Peter Löscher, sofort die Waffen streckt.

Damit kann Kaeser kaum noch etwas dazwischen kommen beim langjährigen Traumziel der Münchner, das schon sein Vorvorvorgänger Heinrich von Pierer gerne gekauft hätte. Angesichts des stattlichen Preises dürften auch andere Kaufinteressenten abwinken, zumal Kaeser die widerspenstige Dresser-Führung ins Boot bekommen hat.

Dresser-Chef Vincent Volpe wollte lange nichts von Siemens Börsen-Chart zeigen wissen, empfiehlt seinen Aktionären aber jetzt, Kaesers Gebot anzunehmen. Damit hat Siemens die Hürden für mögliche Rivalen, die doch noch einen Bieterkampf anzetteln wollen, sehr hoch gezogen.

Sulzer streckt die Waffen - und GE ist mit Alstom ausgelastet

Die Gerüchte um ein mögliches Gebot von General Electric Börsen-Chart zeigen dürften ohnehin eher in die Rubrik PR-Gag fallen. GE würde damit massive Kartellprobleme riskieren, hat sich Siemens' amerikanischer Erzrivale doch in den vergangenen Jahren bei Ausrüstungen für das Öl- und Gasgeschäft in den USA schon massiv verstärkt. Zudem ist GE's Management mit der Integration des Energietechnikgeschäfts der französischen Alstom Börsen-Chart zeigen - der größte Zukauf der GE-Geschichte - auf Jahre gut ausgelastet.

Beim Ringen um Alstom zog Kaeser erwartungsgemäß - manche sagen auch: zum Glück - den Kürzeren. Bei Dresser-Rand kann der frühere Finanzvorstand in seiner einstigen Lieblingsdisziplin, den Deals, endlich punkten.

Und er profiliert sich als Stratege. Gut ein Jahr nach seinem Start als Siemens-Chef baut Kaeser ein weitgehend neues Geschäftsfeld auf: Ausrüstungen zum Fördern, zur Weiterverarbeitung, Verflüssigung und für den Transport von Gas und Öl. Siemens schaffe einen "Weltklasse-Anbieter für die wachsenden Öl- und Gasmärkte", schwärmt der Vorstandschef.

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