Neues Statussymbol für Top-Manager? Schönheits-Chirurgie für Männer - der neue Weltmarkt

Deutsche Männer sind schamhaft - im Rest der Welt sind Schönheits-OPs bei Männern selbstverständlich, oft gelten sie sogar als Statussymbol. Einige der besten Ärzte sitzen im Ausland. Ein paar Stippvisiten rund um den Globus.
Von Viola Keeve
Schön, wenn alles glatt geht: Immer mehr orientiert sich das Schönheitsideal am Machbaren - und auch Männer lassen sich nicht nur die Zornesfalten wegspritzen

Schön, wenn alles glatt geht: Immer mehr orientiert sich das Schönheitsideal am Machbaren - und auch Männer lassen sich nicht nur die Zornesfalten wegspritzen

Foto: Corbis

Wie viele der jährlich 300.000 deutschen Gesundheitstouristen sich im Ausland verjüngen lassen, weiß niemand. Patienten zahlen selbst, keine Versicherung führt da Buch. Allerdings: "Auf der Suche nach dem richtigen Schönheitsspezialisten ist der Deutsche inzwischen weltweit unterwegs", sagt Volker Penter von der Unternehmensberatung KPMG.

Medizintourismus weltweit soll bis 2018 auf 150 Milliarden Dollar Umsatz wachsen, jedes Jahr um 30 Prozent - ein Riesenmarkt. Anders als etwa in Russland, wo man das verspritzte Geld auch sehen soll (so wie bei Putins Entourage), weiht der deutsche Mann oft nicht mal seine Frau ein, wenn er sich verjüngen lässt.

New York: Glatt to go

Park Avenue. Hier wohnten die Rockefellers, die Chryslers, die Vanderbilts, die erste Adresse New Yorks ist auch sitz vieler plastischer Chirurgen, eine Praxis neben der anderen. In Nr. 911 behandelt Neil Sadick, Manhattans Botox-Papst ( 64), selbst offenbar sein bester Kunde, die Haut zart, rosig. Der Mann ist Professor für Dermatologie und war Präsident der Cosmetic Surgery Foundation. seine Kunden: "CEOs, Staatsoberhäupter aus aller Welt". Namen nennt er keine. Natürlich.

Er liefert, was alle wollen: Glatt to go. Seine Kunden kommen mal eben vorbei, keine große Sache in den USA, 15.622.866 solcher Eingriffe gab es im vergangenen Jahr. "Smooth in a lunchbreak", schnarrt Sadick, "easy", "no downtime", sprich sofort gesellschaftsfähig. Zwei Spritzen Botulinumtoxin A, fünf Minuten, 500 Dollar.Hält drei Monate.

Die Gratwanderung: Ein bisschen "Wall Street"-Falte muss neuerdings bleiben, man bügelt nicht mehr alles aus, um nicht auszusehen, als könne man keine Verantwortung übernehmen. Männer würden die schnelle Reparatur mit Botox und Laser mögen, sagt Sadick.

Miami: Fett einfach wegfrieren

Schlankes Schweinchen: Die Kryolipolyse wurde zuerst an Minischweinen erprobt

Schlankes Schweinchen: Die Kryolipolyse wurde zuerst an Minischweinen erprobt

Foto: Jochen Lübke/ dpa

www.sadickdermatology.com  An Minischweinen erprobt: Die Kryolipolyse oder Coolsculpting. Nichts für Übergewichtige, eher eine Lösung bei Minipolstern. Ein Vakuumapplikator kühlt die Haut auf -4 bis -10 Grad herunter. Zieht anfangs, nach zehn Minuten schmerzfrei. Nach einer Stunde sterben die Fettzellen ab, sie werden ausgeschieden, ohne das Restgewebe zu schädigen. Keine Schnitte, keine Narben.

Nach drei, vier Monaten sieht man, was es gebracht hat. Das Verfahren wurde 2008 an der Harvard Medical School vom deutschen Arzt und Physiker Dieter Manstein mitentwickelt. seine Frau, die Hautärztin Leyda Bowes, praktiziert es in Miami, ihre Referenz: über 9.000 Behandlungen, ab 800 Dollar. In Berlin: ab 200 Euro je Applikator.

Brüssel: Gib mir mein Haar zurück

Bekennender Wiederaufforster: Der Fußballtrainer Jürgen Klopp, inzwischen in Diensten des FC Liverpool, steht zu seiner Haartransplantation

Bekennender Wiederaufforster: Der Fußballtrainer Jürgen Klopp, inzwischen in Diensten des FC Liverpool, steht zu seiner Haartransplantation

Foto: Federico Gambarini/ dpa

de.coolsculpting.com  Möglichst diskret, völlig ohne Rasur und lange Ausfallzeit, mit perfektem Ergebnis - der Auftrag war klar, den Haarberater Andreas Krämer  von seinem Klienten, dem deutschen Chef eines internationalen IT-Riesen, bekam. "Kosten spielen keine Rolle."

Krämer (41) kennt sich aus. Mit 23 hat er sich selbst Haare transplantieren lassen - was misslang. Jetzt ist er auf dem Gebiet Experte. Den Kunden hat er zu Patrick Mwamba nach Brüssel geschickt. Nicht nach Istanbul, ins Mekka der Haarverpflanzungen. Bei Mwamba am World Hair Transplant Center  muss man bei weit fortgeschrittenem Haarausfall mit 3500 Grafts - also 35.000 Euro oder mehr - rechnen. Dafür transplantiert er nur 500 Grafts am Tag ins unrasierte Haar.

"FUE/FIT unshaven" (Follicular Isolation Technique) nennt sich die Methode, entwickelt in Atlanta von John Cole, bei dem Mwamba sechs Jahre arbeitete. Wunden sieht man kaum. Das Verfahren ist extrem zeitaufwendig, es kann bis zu einer Woche dauern, "oft den ganzen Tag", sagt Krämer. Wenn er einen Kunden anmeldet, bucht er ein Zimmer im "Steigenberger" um die Ecke gleich mit.

Arabische Männer lassen sich inzwischen sogar den Bart auffüllen, wenn der nur spärlich sprießt. "Fehlt das Haar, wird der Mann depressiv", erklärt die Chefin einer Istanbuler Haarklinik. Überdies gelte im arabischen Raum: "Ohne Bart keine Frau, keine Karriere." In Japan und Südkorea wird bereits mit Stammzellen experimentiert und am Haarklonen gearbeitet.

Panama: Augen auf und durch

Planet Hospital, eine der führenden Preisvergleichsseiten für den US-Markt, wirft das günstigste Angebot für eine Behandlung weltweit aus, samt Hotel, Flug, Transfer - ob Zahnverblendung in Mexiko (ab 550 Dollar) oder das gestraffte Lid in Panama (ab 1800 Dollar).

Wer der OP dort nicht traut, sondern nur der internationalen Koryphäe, geht zu Dr. Robert Goldberg (Lidplastik ab 3400 Dollar, Tränensäcke zum Teil ohne Schnitt) ins Jules Stein Eye Institute, L. A. - mit dem "W Hotel Beverly Hills" in der Nähe.

Bangkok: Brust-OP der Überzeugung

Hier kriegt jeder sein Fett weg: Fettabsaugung geht auch noch weiter oben

Hier kriegt jeder sein Fett weg: Fettabsaugung geht auch noch weiter oben

Foto: Corbis

www.jsei.org  Thailand gilt als führend, vor allem bei Geschlechtsumwandlungen, Brust-OPs sind hier Routine. Dazu zählt auch das Verkleinern von Männerbrüsten (Gynäkomastie), in Deutschland an achter Stelle der kosmetischen Eingriffe 2014: Haut straffen, Fett absaugen, eine Woche Heilung, sich zwei, drei Wochen schonen. Kostet in Deutschland rund 4000 Euro, am Bumrungrad mit Fettabsaugung 3300 Euro.

Seoul: Knochen brechen Gangnam Style

Foto: Peer Grimm/ picture-alliance/ dpa

www.bumrungrad.com  Was in Seoul gemacht wird, geht selbst Amerikanern zu weit: 15 Prozent der Männer, schätzt man, und jede fünfte Frau lassen hier Eingriffe machen, die im Westen nur bei traumatisierten Patienten infrage kämen. Dabei hat, schreibt Patricia Marx im "New Yorker", ein US-Militär-Arzt nach dem Koreakriegs eigentlich den Grundstein gelegt: Er hatte die Lidumschlagfalte, die die Asiaten müde, stoisch wirken lässt, vielen entfernt. Die ersten Kundinnen: Käufliche Koreanerinnen, die GIs gefallen wollten. Schönheit gilt hier nicht als Laune der Natur, sondern als Herausforderung, Arbeit. Korea folgt Konfuzius: Nicht, was ich über mich denke, zählt, sondern andere.

In Seouls noblem Gang-nam Bezirk stehen mehr als 400 Beautykliniken. Die Stadt ist längst das Gesichts-OP-Zentrum der Welt. Es kommen viele Touristen, vor allem Chinesen unter 30. Einer der Wangenspezialisten Südkoreas ist Dr. Joo Kwon (49), er sitzt im JK Plastic Surgery Center, eine der größten Kliniken des Landes - mit Hotel und 3-D-Computermodell vom Wunschgesicht. Südkorea pumpt vier Millionen Dollar im Jahr in die Gesundheitsindustrie, das Ziel bis 2020: eine Million Medizintouristen.

Schönheit gilt in Korea nicht als Laune der Natur, sondern als Arbeit. Rundere Augen, schlankere Jochbeine, spitzere Kinne. "Square Jaw Reduction" heißt die OP, bei der mit Botox der Kaumuskel gelähmt oder Knochen gleich ganz entfernt werden. Die Kunden wollen Popstars ähneln, bringen Fotos mit. Was andere denken, zählt.

www.jkplastic.com 

Eine Klinik in Seoul wurde übrigens verklagt, als sie 2000 Knochen ausstellte, die Namen der Patienten eingraviert. Das war dann selbst den Koreanern zu viel.

Kapstadt: Skalpell und Safari

Ohne Bauch geht's auch: Eine Bauchdeckenstraffung hilft nach der Diät, wenn alles hängt

Ohne Bauch geht's auch: Eine Bauchdeckenstraffung hilft nach der Diät, wenn alles hängt

Foto: Corbis

Kapstadt hat Vorteile: kein Jetlag, Erste- Welt-Medizin zu Dritte-Welt-Preisen. Paul Skoll hat auch deutsche Patienten - und ein schönes Büro: eine Suite im Christiaan Barnard Memorial Hospital mit Blick auf den Tafelberg. Der Südafrikaner, ausgebildet am berühmten Groote Schuur Hospital und in England, bietet "tummy tuck", Bauchdeckenstraffung, und Fettabsaugung.

Erholungszeit: Zehn Tage vor Ort.

Kein leichter Eingriff, auf Safari (gern als "Beauty and the Beast"-Trips verspottet) kann man damit nicht. Aber warum nicht auf einer Lodge in den Winelands erholen und schlank aus dem "Urlaub" zurückkommen? Auf www.plasticsurgeon.co.za  steht ein Link des Luxus-Safarianbieters & Beyond . In Großbritannien ist verharmlosende Werbung, die Schönheits-OPs als Urlaub anpreist, inzwischen verboten. Wer sucht, findet die Kombination noch, in Südafrika bei Lorraine Melvills Agentur "Surgeon & Safari". Darunter steht "Privacy in Paradise".

Teheran: Tausendundeine Nase

Nose Job: Der Chirurg Nabiollah Shariati bei der Arbeit in Teheran

Nose Job: Der Chirurg Nabiollah Shariati bei der Arbeit in Teheran

Foto: © Caren Firouz / Reuters/ REUTERS

Teheran gilt als Welthauptstadt der Nasenkorrektur. Das Regime sieht darüber hinweg, die OPs sind hip. selbst wenn Narben längst verheilt sind, tragen auch immer mehr Männer Pflaster - Indikator für Reichtum. Im Schnitt viermal mehr Nasen als in den USA werden hier verkleinert und begradigt. Die Nase gilt als einer der schwierigsten plastischen Eingriffe: Jeder sieht es, Millimeter entscheiden. In Tel Aviv 2737 Euro, in Bangkok 533 Euro und in Abu Dhabi 18.525 Euro.

Rio de Janeiro: Silikon am Zuckerhut

Rio de Janeiro ist die Stadt des Körperkults. Wer sich am Strand zeigt, versucht immer eine gute Figur zu machen. Manche lassen sich in Rio auch gerne eine gute Figur machen.

Rio de Janeiro ist die Stadt des Körperkults. Wer sich am Strand zeigt, versucht immer eine gute Figur zu machen. Manche lassen sich in Rio auch gerne eine gute Figur machen.

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

www.medigo.com  Sonne und Sexappeal - in Brasilien ist der Körper Kapital und eine Schönheits-OP von der Steuer absetzbar. Body Contouring ist hier besonders groß, nirgends werden so viele Pos geliftet, Brust- und Wadenimplantate gesetzt. Silikon statt Sport. Der "Michelangelo des Skalpells": Ivo Pitanguy (92). "Maestro" nennen ihn die Brasilianer, ein Nationalheld wie Pelé. seine Klinik im Nobelviertel Botafogo führt heute seine Tochter Gisela. Über 600 plastische Chirurgen aus 40 Ländern hat Pitanguy ausgebildet. "Gott mag alles erschaffen", schrieb das Nachrichtenmagazin "Veja", "aber Ivo repariert es." Silvio Berlusconi, Madonna und Carla Bruni soll er operiert haben. und auf der Privatinsel des Multimillionärs südlich von Rio erholten sich schon Tom Cruise und die Stones.

www.pitanguy.com.br 

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