Freitag, 20. September 2019

Neues Statussymbol für Top-Manager? Schönheits-Chirurgie für Männer - der neue Weltmarkt

3. Teil: Brüssel: Gib mir mein Haar zurück

Bekennender Wiederaufforster: Der Fußballtrainer Jürgen Klopp, inzwischen in Diensten des FC Liverpool, steht zu seiner Haartransplantation
Möglichst diskret, völlig ohne Rasur und lange Ausfallzeit, mit perfektem Ergebnis - der Auftrag war klar, den Haarberater Andreas Krämer von seinem Klienten, dem deutschen Chef eines internationalen IT-Riesen, bekam. "Kosten spielen keine Rolle."

Krämer (41) kennt sich aus. Mit 23 hat er sich selbst Haare transplantieren lassen - was misslang. Jetzt ist er auf dem Gebiet Experte. Den Kunden hat er zu Patrick Mwamba nach Brüssel geschickt. Nicht nach Istanbul, ins Mekka der Haarverpflanzungen. Bei Mwamba am World Hair Transplant Center muss man bei weit fortgeschrittenem Haarausfall mit 3500 Grafts - also 35.000 Euro oder mehr - rechnen. Dafür transplantiert er nur 500 Grafts am Tag ins unrasierte Haar.

"FUE/FIT unshaven" (Follicular Isolation Technique) nennt sich die Methode, entwickelt in Atlanta von John Cole, bei dem Mwamba sechs Jahre arbeitete. Wunden sieht man kaum. Das Verfahren ist extrem zeitaufwendig, es kann bis zu einer Woche dauern, "oft den ganzen Tag", sagt Krämer. Wenn er einen Kunden anmeldet, bucht er ein Zimmer im "Steigenberger" um die Ecke gleich mit.

Arabische Männer lassen sich inzwischen sogar den Bart auffüllen, wenn der nur spärlich sprießt. "Fehlt das Haar, wird der Mann depressiv", erklärt die Chefin einer Istanbuler Haarklinik. Überdies gelte im arabischen Raum: "Ohne Bart keine Frau, keine Karriere." In Japan und Südkorea wird bereits mit Stammzellen experimentiert und am Haarklonen gearbeitet.

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