Dienstag, 25. Februar 2020

Die erneuerbarste Energie aller Zeiten Diese spektakuläre Idee aus Berlin rettet das Klima doch noch

Regen in Deutschland: Muss das Klimapaket nochmal geöffnet werden?
Heiko Thomsen/ Nordpresse/ DPA
Regen in Deutschland: Muss das Klimapaket nochmal geöffnet werden?

Es regnet Katzen und Hunde auf das Dach des Kanzleramtes. Schirme werden gereicht, als die Mitglieder des Klimakabinetts vorfahren. "Sauwetter!" schimpft die für diese Tierart zuständige Fachministerin Julia Klöckner. Heute geht es um die Nachlese des Klimapakets und den Auftritt der Kanzlerin vor den UN. Klare Worte sollen fallen, ungeschminkte Wahrheiten ausgesprochen werden.

Uns wurde das Protokoll der geheimen Sitzung zugespielt, das wir, nach heftigen internen Diskussionen, dann doch der Öffentlichkeit zumuten wollen, zum Wohle der Transparenz und Enthüllungshygiene. Eine Gewähr für die Richtigkeit übernehmen wir natürlich nicht. Nun denn:

Merkel: "Eine solche Blamage wie in New York möchte ich nicht noch einmal erleben. Da muss man sich von einer 16-Jährigen runterputzen lassen. Ganz zu schweigen von der Kritik hier zu Lande an unserem Klimapaket. Ich bitte mal um Vorschläge, wie wir aus diesem Dilemma herauskommen."

Altmaier (guckt aus dem Fenster, gegen das der Regen prasselt): Er spricht über die "technologische Dimension des Fortschritts", die die Kritiker nicht sähen, über "grünen Wasserstoff", "Power to X" und so weiter.

Scholz: "Auf jeden Fall muss nachgeschärft werden." Die Begriffe "Steuern auf Pillepalle" und "Gutes-Klima-Gesetz" fallen.

Seehofer: "Wir brauchen Innovationen, mit immer neuen Abgaben und Verboten kommen wir nicht weit. Was meinst Du, Andi?

Scheuer (guckt aus dem Fenster, gegen das der Regen prasselt): "Der Regen… rinnt, so kraftvoll".

Merkel: "Geht es etwas weniger poetisch?"

Braun (brainstormt in sich hinein): "Regenrinnen… äh… Kraft... Moment: Regenrinnen-Kraftwerke, das ist die Lösung.

Alle anderen: "???"

Braun: "In jede deutsche Rinne eine Kleinturbine, die das Gefälle nutzt und Strom produziert, der dann direkt ins Haus…"

Schulze: "Wieso Regen? Die Sommer werden doch immer trockener. Die Dürre zerstört den Wald und…"

Scheuer: "Also jetzt nicht gleich wieder Bedenken tragen! Es schüttet doch ununterbrochen. Das (er zeigt aufs Fenster) ist der Klimawandel. Der große Regen. Wir sind auf dem Weg ins Niederschlagszeitalter."

Seibert: "Niederschlag klingt so negativ. Wie wäre es mit Humid-Ära?

Merkel: "Das ist der Paradigmenwechsel, von dem ich immer rede."

Altmaier: "Wir sollten schleunigst ein 100 000-Regenrinnen-Programm auflegen."

Scholz: "Plus Abwrackprämien für Regentonnen."

Scheuer: "Plus neue Ladesäulen für Autos, die im Regen stehen."

Alle: "!!!"

Scholz: "Und wir brauchen Subventionen für Flachdachbesitzer, die das Gefälle nicht ausreichend nutzen können."

Altmaier: "Die Lobbyisten des Bungalow-Verbands rennen uns sonst die Bude ein."

Alle: "Keiner darf ins Regenfreie fallen!"

Merkel: "Und denkt immer daran: Greta is watching us!"

Die Runde geht auseinander, mit dem wohligen Gefühl, das Klima doch noch retten zu können. Trockenen Fußes (es hat aufgehört zu regnen) gelangen die Klimakabinettler zu ihren PS-starken CO2-Schleudern.

Einstieg in die Nasswirtschaft nicht mehr zu stoppen

Als die ersten Pläne durchsickern, schwärmen Ökonomen - von DIW bis IW - vom lange herbeigesehnten "großen Wurf". Der Bundesverband Feuchte Energie wird gegründet; die ständige Vertretung der RRKW (Regenrinnenkraftwerksbetreiber) sucht repräsentative Räumlichkeiten am Potsdamer Platz. Die NGOs sind begeistert. Greenpeace will "Rainbow-warrior" zu "Rain-warriorn" umschulen.

Nur der Grüne Anton Hofreiter meldet sich in gewohnter Mecker-Manier: "Das sind… Ankündigungen. Jetzt müssen endlich… Taten folgen."

Der Einstieg in die Nasswirtschaft ist nicht mehr zu stoppen. Der Regenrinnen-Strom soll bevorzugt ins Netz eingespeist werden, Wind und Sonne müssen sich künftig hintenanstellen. Schon denkt die Bundesregierung über ein weiteres Ausstiegsgesetz nach, darin ist sie ja mittlerweile geübt: Nach Atom, nach Kohle wäre in der humiden Ära der Ausstieg aus der Solarenergie logisch zwingend.

Die Deutsche Umwelthilfe kündigt an, an stark beregneten Rinnenstandorten Stationen aufzustellen, um die Konzentration der Materialien Kunststoff, Zink, Kupfer und Aluminium zu messen.

International lösen die deutschen Pläne eine Welle der Bewunderung aus. Endlich werde Deutschland seiner Umwelt-Vorreiterrolle gerecht. Die Vereinigten Arabischen Emirate lassen sich Blaupausen schicken. Klimaleugner Donald Trump zieht seine eilends getwitterte Behauptung, es gebe keinen menschengemachten Regen, wieder zurück. Nachdem ihm seine Berater erklärt haben, er sehe sich schließlich selbst als Rainmaker.

Und Andi Scheuer? Während seine CSU-Freunde längst auf der Wies'n Bierkrüge stemmen, sitzt der kreative Kopf noch in seinem Ministerium. Er will es den Österreichern zeigen und gibt bei seinen Leuten das Konzept einer Isobaren-Maut in Auftrag, für Tiefausläufer aus Tirol - EU-konform, versteht sich.

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