Sonntag, 8. Dezember 2019

Acht Fragen zum Jahresende Haben Sie das Bestmögliche für Ihr Glück getan?

Wo ist das Glück? Wer es zu sehr sucht, läuft Gefahr, es zu verpassen

2. Teil: Komfortzonen und Glücksvernichter

Wo verlassen Sie die Komfortzone, um glücklich zu sein?

Das fragt der Psychologe und Trainer für Positive Psychologie Michael Tomoff. Anders formuliert: Was lernen Sie gerade? "Wenn Sie bereit sind, kurzfristig ein wenig mehr Stress auszuhalten, können Sie langfristig stark vom Glück überrascht werden. Studienteilnehmer, die Zeit mit Aktivitäten verbrachten, die ihre Kompetenz erhöhten, ihr Bedürfnis nach Autonomie erfüllten oder ihnen halfen, sich mit anderen zu verbinden, berichteten von einem verminderten Glück im Moment, während sie Ihr Glücksgefühl auf stündlicher und täglicher Basis erhöhten. Der Schlüssel dazu ist die Wahl der richtigen neuen Fertigkeit, die es zu meistern gilt."

Wie zerdenken Sie Ihr Glück?

Katharina Tempel, Expertin für Positive Psychologie, befasst sich mit "Glücksvernichtern" wie dem Grübeln. "Dabei laufen in unserem Kopf fortwährend Gedankenspiralen ab, wie etwas "Was hat er damit wohl gemeint?", "Hätte ich anders reagieren sollen?". Statt Antworten zu finden, drehen sich die Gedanken beim Grübeln im Kreis. Man beleuchtet etwas aus allen Ecken und geht es in Schleifen wieder und wieder durch, ohne je zu einem Ergebnis zu kommen. Grübeln hat also tatsächlich meist nur einen Effekt: Es führt dazu, dass wir uns schlecht fühlen. Ein glückliches Leben zu führen ist nicht möglich, solange wir uns täglich über unsere Gedanken in Angst und Schrecken versetzen. Die wichtigste Erkenntnis dabei: Gedanken sind etwas grundsätzlich anderes als die Realität!"

Haben Sie sich die Erlaubnis zum Glück gegeben?

Die Wirtschaftspsychologin Christin Prizelius ist plädiert für die Erreichbarkeit des Glücks. "Meinen Glaubenssätzen nach zu urteilen, durfte ich eine lange Zeit mein Glück immer nur mit etwas Unerreichbarem verbinden, etwas, was ganz weit entfernt in der Zukunft lag und mit nahezu unmöglichen Zielen und Bedingungen verknüpft war. Wenn ich erst dies oder das erreicht hätte, oder wenn dies oder jenes erledigt wäre, dann… dann stellt sich für mich bestimmt ein Glücksgefühl ein. Dann habe ich es verdient, glücklich zu sein, dann erlaube ich es mir. Das Glücksempfinden war für mich also leider immer mit dem Erbringen von Leistungen verbunden. "Zum Glück" konnte ich aber mit der Zeit lernen, dass es anders geht - und sein darf."

Wann übersehen Sie Ihr Glück?

Markus Hofelich, Journalist und Herausgeber des Online-Magazins "Sinn des Lebens", setzt auf das so schwere Einfache: Achtsamkeit und Dankbarkeit. "Häufig sind wir uns der positiven Momente, die jeder Mensch in seinem Leben täglich erfährt, gar nicht bewusst. Im Alltagsstress gefangen verlieren wir uns oft in Gedanken an gestern und morgen und vergessen das Leben zu leben, wie es wirklich stattfindet: in der Gegenwart. Und vieles Positive nehmen wir als selbstverständlich hin oder beachten es gar nicht, bis wir es verlieren - erst dann wird uns der wahre Wert schmerzlich bewusst. Deswegen liegt ein wichtiger Schlüssel zum Glück darin, die positiven Aspekte und Erlebnisse unseres Lebens auch wirklich wahrzunehmen und dankbar dafür zu sein."

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