Samstag, 21. September 2019

Rennen der WM-Sponsoren Cristiano Ronaldo macht sich für Nike doch noch bezahlt

Kein Grund zur Verzweiflung: Cristiano Ronaldo nach verpasster Chance im Spiel Portugal-Ghana

2. Teil: Warum Cristiano Ronaldo gut für Nike ist

Nike kann trotz des Vorsprungs zu Beginn des Turniers noch von Glück reden, auf Augenhöhe mit Adidas ins Achtelfinale zu gehen. Die Marke mit dem "Swoosh" hat mit Portugal und England gleich zwei Top-Ten-Teams der Fifa-Weltrangliste verloren. Der späte Sieg der Portugiesen mit einem Treffer des Weltfußballers Cristiano Ronaldo, der in Nikes Superstar-Marketingstrategie eine zentrale Rolle spielt, ist für den Sponsor jedoch äußerst wertvoll. Er bringt zwar Portugal nicht weiter, dafür aber die USA, die bei einem Sieg Ghanas ausgeschieden wären.

Die US-Fans bejubelten in Recife jeden Ballkontakt, am meisten aber die Anzeige des Endstands der Partie Portugal-Ghana. Auf Twitter wurde Cristiano Ronaldo als "True American Hero" gefeiert. So dürfte man auch in der Nike-Zentrale in Oregon denken, denn die USA sind kommerziell der große Preis. Laut einer Studie des Marktforschers NPD Group trägt die wachsende Fußballbegeisterung in Nordamerika den größten Teil dazu bei, dass der weltweite Fußballmarkt in diesem Jahr um 8 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro wächst. Der US-Markt könnte bald den britischen als größter Absatzraum ablösen.

Auch in Brasilien, hinter Deutschland bislang der viertgrößte Fußballmarkt, legen die Umsätze deutlich zu. Mit dem Gastgeberland muss Nike trotz langer Tradition als Ausrüster der Seleção jedoch noch warm werden. Ausgerechnet dort ist Adidas beliebter.

Der heutige Sportminister Aldo Rebelo führte in den 90er Jahren sogar einmal einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Nike-Deal. Ein Vorwurf lautete, der geschwächte Superstar Ronaldo sei auf Druck des Sponsors aussichtslos ins Finale 1998 gegen Frankreich geschickt worden. Das ließ sich nicht erhärten, doch in vielen anderen Punkten blieb der Eindruck des Ausverkaufs einer nationalen Institution hängen. Mit Neymars Hilfe könnte Nike nun die kritische Öffentlichkeit für sich gewinnen.

Mit den Niederlanden rüstet Nike zudem die Mannschaft mit dem besten Vorrundenergebnis aus. Globale Strahlkraft für die Marke könnten auch die Franzosen entfalten, und damit würde Nikes größte Wette aufgehen. Nach dem blamablen Scheitern 2010 warb Nike die "Bleus" für die Rekordsumme von 42,6 Millionen Euro jährlich vom traditionellen Ausrüster Adidas ab. Frankreich ist zwar der fünftgrößte Fußballmarkt, doch den stolzen Preis rechtfertigen Benzema und Co. nur, wenn sie öfter so stark spielen wie gegen die Schweiz. Auch Griechenland, überraschend in der KO-Runde vertreten, lief früher mit drei Streifen auf.

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