Sonntag, 21. April 2019

Neymars WM-Aus Brasiliens Albtraum

Neymars WM-Aus: Brasiliens Schock
REUTERS

Das Halbfinale erreicht, aber Neymar verloren: Die Sorgen um das WM-Aus des Superstars überlagern die Freude der Brasilianer über den 2:1-Sieg gegen Kolumbien. Trainer Scolari steht vor der schweren Aufgabe: Wie soll er Neymar im Halbfinale gegen Deutschland ersetzen?

Fortaleza - Wenn die Fans der brasilianischen "Seleção" im Stadion ausrasten, ist es so laut wie vor den Lautsprecherboxen eines Rockkonzerts. Als Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo an diesem Abend das WM-Viertelfinale beim Stand von 2:1 (1:0) für Brasilien abpfiff, verstand man selbst auf der Pressetribüne des Castelão-Stadions sein eigenes Wort nicht mehr. Die Brasilianer hatten mit dem Sieg gegen Kolumbien einen weiteren Schritt auf ihrer so wichtigen wie nervenaufreibenden Titelmission gemacht; Trainer Luiz Felipe Scolari nahm den Jubel kaum wahr. In seinen Ohren hallte noch immer etwas anderes nach: die verzweifelten Schreie seines Ausnahmespielers Neymar.

"Er hat laut geweint vor Schmerzen", sagte der niedergeschlagene Scolari nach dem Spiel, "ich glaube, wir haben ihn verloren." Was der Trainer zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Neymar hatte durch das Foul von Juan Zúñiga kurz vor Ende des Spiels einen Bruch des dritten Lendenwirbels erlitten. Diese tragische Diagnose verkündete Rodrigo Lasmar, Teamarzt der Brasilianer, eine knappe Stunde später: "Er wird nicht binnen einer Woche wieder genesen." Die Weltmeisterschaft ist für den 22-Jährigen vorbei.

Das größte vorstellbare Schreckensszenario Brasiliens ist damit eingetreten. Vier Tage vor dem bislang wichtigsten Spiel dieses Turniers, dem Halbfinale gegen Deutschland.

Neymar ist für Brasilien nicht zu ersetzen

Denn eines ist klar: Ohne Neymar wird die brasilianische Mannschaft, die am Dienstag in Belo Horizonte (22 Uhr, Liveticker Spiegel Online; TV: ZDF) gegen Deutschland aufläuft, eine andere sein. Die bisherigen Spiele dieser Weltmeisterschaft haben immer wieder die Abhängigkeit der "Seleção" von ihrem Superstar gezeigt.

Hatte Neymar einen Durchhänger wie in der zweiten Halbzeit gegen Kolumbien oder wurde er durch den Gegner geschickt aus dem Spiel genommen wie im Spiel gegen Chile, hatte Scolaris Team schnell Probleme in Aufbau und Tempo. Bei eigenem Ballbesitz suchten seine Mitspieler meist Neymar und nicht etwa Stürmer Fred in der Spitze; er trat die Freistöße, die Ecken, er sorgte sich darum, dass es seinen Teamkollegen gut geht. "Wir sind sehr von Neymar abhängig, Neymar macht den Unterschied bei uns aus", sagte Kapitän Thiago Silva.

Das wackelige Spielsystem - manch Kritiker behauptete sogar, es gäbe gar keines - fußte beinahe komplett auf dem Barcelona-Angreifer. Neymar ist für Brasilien nicht zu ersetzen.

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