Donnerstag, 2. April 2020

SAP-Gründer zahlte spektakulären Rekordpreis Wie Hasso Plattner den 111-Millionen-Dollar-Monet erwarb

Kunst: Teuerste Heuhaufen im Museum Barberini
Odd Andersen/AFP

Hasso Plattner hat sich geoutet: Das Bild der "Heuhaufen" von Claude Monet, für das ein anonymer Bieter im Mai 2019 in New York den Rekordpreis von 111 Millionen Dollar zahlte, ist damals tatsächlich von seiner Hasso-Plattner-Stiftung gekauft worden. Plattner präsentierte die Erwerbung jetzt als Coup zur Eröffnung der Ausstellung "Monet. Orte", die bis zum 1. Juni im Potsdamer Museum Barberini zu sehen sein wird. Dabei verriet er auch Details zur Geschichte des Rekorddeals.

Die Potsdamer Monet-Ausstellung ist die größte Schau des französischen Impressionisten, die es je in Deutschland gab. Der Milliardär Plattner, der nach dem Börsengang der von ihm mitgegründeten SAP anfing, einen Teil seines Vermögens in Kunst zu investieren, steuerte zahlreiche Bilder aus seiner Privatsammlung bei. Mit der Präsentation des Rekord-Bildes setzt er ein Ausrufezeichen hinter eine weitere große Ankündigung. Seine komplette Privatsammlung werde dauerhaft nach Potsdam kommen, so der Mäzen: "Alle meine Bilder sollen einmal in diesem Museum ihre Heimstatt finden." Das Museum Barberini, das erst 2017 als Neubau an historischem Ort eröffnete, hat Plattner selbst finanziert. Mit einer eigenen hochklassigen Sammlung soll es sich dauerhaft im Netzwerk der internationalen Top-Museen etablieren.

Spektakulärstes Werk ist dabei der teure Heuhaufen. Die New Yorker Auktion der "Meules" (korrekt übersetzt: Getreideschober) hatte im vergangenen Jahr einigen Wirbel ausgelöst. Claude Monet (1840-1926) ist schon seit Langem einer der begehrtesten Künstler am internationalen Kunstmarkt. Bekannt sind rund 2400 seiner Werke. Die 111 Millionen Dollar bei Sotheby's, der höchste Monet-Preis aller Zeiten, lösten sofort Spekulationen um den möglichen Käufer aus. Bereits unmittelbar nach der Auktion kursierten Gerüchte, dass es Plattner sei - was dieser aber dementierte.

Bei der Eröffnung in Potsdam erklärte Plattner jetzt, warum das "etwas unglücklich" gelaufen sei. Im Saal in New York sei der Geschäftsführer der Plattner-Stiftung gewesen. Auch die Plattner-Tochter Stefanie war vor Ort. Es wurde zwar anonym geboten, doch einige Anwesende hätten bemerkt, dass die beiden Deutsch sprachen, so Plattner: "Niemand wusste, wer Rouven und Stefanie sind, aber dann hat man halt gedacht, wer sammelt denn Monet in Deutschland? Und da war es dann nicht mehr so weit, die Brücke zu schlagen." Sein Dementi sei formal schon korrekt gewesen, denn nicht er selbst, sondern die Stiftung habe ja gekauft. Das Bild habe auch nie bei ihm privat gehangen. "Aber gut, das war auch nur ein bisschen versteckt."

Dass dieses Bild unbedingt gekauft werden müsse, habe für ihn schon vorher festgestanden, so Plattner: "Gegner in der Auktion waren Asiaten, vermutlich Chinesen. Ich habe gesagt, bevor das Bild nach China geht, kaufen wir halt nicht so viele. Aber dieses muss gekauft werden."

Es gebe nur zwei Gemälde von Monet, die einen Heuhaufen im Sonnenuntergang zeigen, so Plattner. Eines hänge im Museum in Boston, das andere gehöre Microsoft-Gründer Paul Allen. Er habe es immer haben wollen, musste sich einst aber Allen geschlagen geben. Nun konnte er die Chance nicht verstreichen lassen - auch wenn es teuer wurde.

Mit dem Heuhaufen-Motiv, das Monet in zahlreichen Variationen von Licht und Jahreszeit gemalt hat, verbindet sich für Plattner auch eine besondere persönliche Geschichte: Der allererste Monet, den er als junger Sammler 1993 erwarb, war ebenfalls ein "Heuhaufen". Beide Bilder - und noch ein drittes aus der Reihe der "Meules" - sind nun in Potsdam gemeinsam zu sehen.

Durch den spektakulären Kaufpreis werde die Neuerwerbung in Zukunft wohl das "Leitbild" des Barberini werden, glaubt Plattner. Ein Markenzeichen, das international bekannt ist. Ob die teure allerdings wirklich die beste Version der "Meules" ist, da ist er sich, auch nach Gesprächen mit befreundeten Experten, gar nicht mehr so sicher. "Ich habe nichts dagegen wenn einige sagen, der andere Heuhaufen ist doch der Schönere."

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