Donnerstag, 2. April 2020

mm.de zum Jahresstart: So managen Sie Ihr Leben, Teil X Diese zehn Moralfragen sollten Sie sich jetzt stellen

10. Teil: Warum ist das Leben hart?

Hartes Training: Beim Militär sagt immer einer, wo es lang geht. Die meisten von uns müssen ihre Orientierung selbst finden.
Zu meinem vorigen Geburtstag hat mir meine damals neun Jahre alte Tochter ein Philosophie-Plakat geschenkt, auf dem sie alle für sie philosophisch klingenden Fragen zusammengefasst hat. Neben Fragen wie "Warum lebt man?", "Liebe, was ist das?" oder "Kann man Freude kaufen?" fand sich dort auch die Frage "Warum ist das Leben hart?" - eine in der heutigen Zeit sehr gute und originelle Frage, wie ich finde.

Denn: Ist das Leben überhaupt noch "hart" für uns? Müssen wir noch "hart" arbeiten? Sind die Bedingungen heute noch "hart" für die meisten? Oder ist das Leben heute nicht auf eine ganz andere Art "hart" als das früher der Fall war?

Die Zeitschrift Organisationsentwicklung rief in ihrer jüngsten Ausgabe das "VUCA-Paradigma" aus, wobei diese Abkürzung für die vier Adjektive volatil, unsicher, komplex und ambivalent steht. Der Soziologe Niklas Luhmann nutzte hierfür den Begriff Kontingenz und bezeichnet ihn als das Midas-Gold der Moderne.

Kontingenz bedeutet, das alles immer auch ganz anders sein kann, also sozusagen die Nicht-Notwendigkeit alles Bestehenden. Insofern ist das Leben heute "hart", weil alles ganz weich ist und flüssig. Man kann sich auf nichts mehr verlassen. Von Jahr zu Jahr schwindet der feste Boden unter unseren Füßen und wir tun gut daran, wirklich gut schwimmen zu lernen. Die Gegenwart wird immer unverständlicher, die Zukunft immer unvorhersehbarer und damit alles immer unkontrollierbarer und unplanbarer. Hoffentlich haben Sie sich da frühzeitig um Ihren inneren Kompass Gedanken gemacht.

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