Donnerstag, 21. November 2019

Bezahlbarer Wohnraum 49.000 weniger Sozialwohnungen in Deutschland

Demonstration für bezahlbare Mieten und mehr sozialen Wohnungsbau Anfang Mai in Hamburg

In Deutschland wird nicht nur bezahlbarer Wohnraum knapp, auch die Zahl der Sozialwohnungen geht weiter zurück. Vor diesem Hintergrund sei es unverantwortlich von der Bundesregierung, die Mittel für den sozialen Wohnungsbau im kommenden Jahr um ein Drittel zu reduzieren, kritisieren die Grünen.

In Deutschland ist die Zahl der Sozialwohnungen zuletzt um mehrere Zehntausend gesunken. So gab es zum Jahresende 2017 knapp 49.000 weniger Sozialwohnungen als noch ein Jahr zuvor. Das geht aus jüngsten Zahlen hervor, die das Bundesinnenministerium an den Bundestag meldete. Sie liegen der Deutschen Presse-Agentur vor.

Bei Sozialwohnungen in Deutschland sind die Mieten staatlich reguliert. Nur Menschen, bei denen die Behörden einen besonderen Bedarf sehen, dürfen dort wohnen. Allerdings fallen Wohnungen nach einer bestimmten Zeit aus der "Bindung" und können normal am Markt vermietet werden. Sofern nicht im gleichen Umfang neue Sozialwohnungen gebaut werden, sinkt ihre Zahl.


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"Die Lage beim sozialen Wohnungsbau ist dramatisch", sagte der wohnungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Chris Kühn. "Ich kann nicht verstehen, dass die Bundesregierung angesichts des immer stärkeren Rückgangs an Sozialwohnungen die Mittel im nächsten Jahr um ein Drittel kürzen will."

Kühn forderte einen Kurswechsel: "Nach dem Motto: ein Mal gefördert, für immer gebunden. Die soziale Zwischennutzung auf Kosten der Mieter und zum Wohl von Investoren muss ein Ende haben."

In den vergangenen 10 Jahren sind Hunderttausende Sozialwohnungen verloren gegangen, weil Kommunen große Immobilienbestände an private Investoren verkauft haben. Vor gut zehn Jahren gab es noch 1,84 Millionen Sozialwohnungen in Deutschland, aktuell sind es gerade noch etwas über eine Million. 1990 hatte es noch 2,87 Millionen Sozialwohnungen gegeben.

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, 1,5 Millionen neue Wohnungen bis Ende der Legislatur zu schaffen. Ob das Ziel erreicht wird, ist zweifelhaft. 350.000 bis 400.000 neue Wohnungen im Jahr müssten Experten zufolge gebaut werden, um die Lage zu entspannen, davon rund 80.000 Sozialwohnungen.

Immer weniger Sozialwohungen in Deutschland

rei mit dpa

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