Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher aus Koma erwacht

Fünfeinhalb Monate nach seinem schweren Skiunfall liegt Michael Schumacher nicht mehr im Koma. Er hat das Krankenhaus von Grenoble bereits verlassen, sagt seine Managerin. Schumachers Freund Lukas Podolski twittert: "Was für eine großartige Nachricht. Ich bin so froh und glücklich."
Schumacher: "Lange Phase der Rehabilitation"

Schumacher: "Lange Phase der Rehabilitation"

Foto: David Ebener/ dpa

Genoble/Köln - Auf diese Nachricht hat die Welt 169 Tage warten müssen: Michael Schumacher liegt nicht mehr im Koma. Der Formel-1-Rekordweltmeister hat nach Angaben seines Managements bereits die Klinik in Grenoble verlassen, in der er seit dem 29. Dezember 2013 nach einem tragischen Skiunfall behandelt worden war. Der 45-Jährige wird in einer nicht genannten anderen Klinik "seine lange Phase der Rehabilitation" fortsetzen.

Schumachers Freund Lukas Podolski hatte wohl schon so eine Ahnung gehabt. Der Fußball-Nationalspieler schickte bereits am Samstag aus dem Trainingslager in Santo André herzliche Grüße, verbunden mit der Hoffnung, "dass Michael eventuell noch das eine oder andere Spiel sehen kann. Wenn wir den Titel holen, dann können wir auch ihm ein Stück weit eine Freude machen."

Entsprechend euphorisch reagierte Podolski nun. "Was für eine großartige Nachricht. Ich bin so froh und glücklich, als ich das gerade gehört habe", twitterte der Ex-Kölner wenige Stunden vor dem WM-Auftakt der DFB-Elf gegen Portugal.

Genaue Informationen über Schumachers Zustand gab es am Montag allerdings nicht - und geht es nach Managerin Sabine Kehm, wird es auch demnächst keine geben. "Für die Zukunft bitten wir um Verständnis, dass seine weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll", hieß es in einem Statement.

Darin bedankte sich seine Familie "ausdrücklich bei allen behandelnden Ärzten, Pflegern, Schwestern und Therapeuten in Grenoble ebenso wie bei den Ersthelfern am Unfallort", die "in diesen ersten Monaten hervorragende Arbeit geleistet haben". Der Dank der Familie gelte auch all den Menschen, "die Michael so viele gute Wünsche gesendet haben. Sie haben ihm sicher geholfen."

Zuletzt war es deutlich ruhiger um Schumacher geworden. Nach den turbulenten ersten Wochen mit zahlreichen Pressekonferenzen und einem großen Medienaufkommen rund um die Klinik in Grenoble hatte sich Kehm das letzte Mal Anfang April an die Öffentlichkeit gewandt und von "Momenten des Bewusstseins und des Erwachens" beim Kerpener gesprochen.

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Gefährlicher Bergsport: Die Skiunfälle von Prominenten

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So lief Schumachers Skiunfall ab

Schon zu diesem Zeitpunkt war klar gewesen, dass der ehemalige Ferrari-Star nur ganz kleine Fortschritte bei seiner Genesung machen würde. Einen großen Schritt hat Michael Schumacher mit dem Wechsel in die Reha-Klinik nun allerdings getan. 29. Dezember 2013

Gegen 11.00 Uhr

Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher (44) stürzt auf einer Skipiste in Meribel in den französischen Alpen. Er prallt dabei mit dem durch einen Helm geschützten Kopf auf einen Fels und erleidet ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Der Helm, so die Ärzte später, rettet ihm in dieser Situation das Leben.

Der Unfall geschieht am Berg Saulire zwischen der blau markierten Piste "Biche" und der rot markierten Piste "Chamois" (blau = niedriger Schwierigkeitsgrad, rot = mittlerer Schwierigkeitsgrad). Schumacher fuhr etwa drei bis sechs Meter abseits der Pisten in unpräpariertem Gelände.

Die Ärzte sprechen später von einem "mächtigen Aufprall" mit "hoher Geschwindigkeit". Dafür sprächen die trotz des Helms erlittenen Verletzungen. Zum Zeitpunkt des Unfalls war Schumachers Sohn (14) bei ihm, dazu weitere, namentlich nicht benannte Begleiter. Einer der Begleiter alarmierte nach dem Sturz umgehend die Rettungskräfte.

11.50 Uhr

Schumacher wird per Hubschrauber ins Krankenhaus nach Moutiers geflogen.

12.45 Uhr

Weil sich die Verletzungen als lebensbedrohlich erweisen, wird er in die Universitätsklinik nach Grenoble verlegt, wo er um 13.30 Uhr eintrifft.

Ab 13.30 Uhr

Schumacher wird sofort mehreren Tests unterzogen, dazu gehört auch eine Computer-Tomographie (MRT) des Schädels. Danach wird Schumacher umgehend operiert mit dem Ziel, den durch mehrere Hämatome hervorgerufenen Druck auf das Gehirn zu verringern. Schumachers Körpertemperatur wird bei 34 bis 35 Grad Celsius stabilisiert, um Stimulierungen des Gehirns von außen so gering wie möglich zu halten. Dadurch, sagen die Ärzte, könne das Gehirn stärker mit Sauerstoff versorgt werden. Weitere Operation sind zunächst nicht geplant. Seine Familie, Ehefrau Corinna und die beiden Kinder, sind bei ihm. Die Polizeibehörden vor Ort setzen eine Untersuchungskommission ein.

22.00 Uhr

Die Klinik gibt ein erstes medizinisches Bulletin heraus und bestätigen, dass Schumacher ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten habe, das "umgehend eine neurochirurgische Behandlung erforderte". Schumacher befinde sich in einem "kritischen Zustand".

Weltweite Anteilnahme

30. Dezember

Menschen auf der ganzen Welt nehmen Anteil an Schumachers Schicksal. Unter anderem ist auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie ihr Sprecher Steffen Seibert mitteilt, "außerordentlich bestürzt", Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel zeigt sich "schockiert". Schumachers Homepage bricht wegen Überlastung zusammen. Später meldet sich sogar der frühere US-Präsident Bill Clinton zu Wort. Er denke an und bete für Schumacher.

10.55 Uhr

Die Klinik-Leitung und die verantwortlichen Mediziner geben eine erste Pressekonferenz im Krankenhaus in Grenoble. Tenor: Schumacher schwebt weiter in Lebensgefahr, es sei zu früh, eine Prognose über die Überlebenschancen abzugeben. Schumacher werde in einem künstlichen Koma gehalten.

13.00 Uhr

Schumachers Familie bedankt sich bei den Ärzten in Grenoble und verleiht ihrer Rührung über die Anteilnahme aus aller Welt Ausdruck. "Wir möchten uns beim Ärzteteam bedanken, von dem wir wissen, dass es alles tut, um Michael zu helfen. Außerdem danken wir den vielen Menschen aus der ganzen Welt, die ihr Mitgefühl ausgedrückt und beste Wünsche für Michaels Genesung übermittelt haben", ließ Schumachers Ehefrau Corinna über das Management des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters mitteilen. Schumachers Familie bittet in der Stellungnahme die Medien darum, die Privatsphäre der Angehörigen und Freunde zu achten.

Gegen 22.00 Uhr

Schumacher wird ein zweites Mal operiert. Weil sich sein Zustand leicht verbessert hat, entscheiden die Ärzte, ein großes Hämatom aus dem Gehirn abzulassen. Der zweistündige Eingriff verläuft gut.

31. Dezember

11.00 Uhr

Zweite Pressekonferenz in der Uni-Klinik Grenoble. Die Ärzte berichten über die zweite Operation und Schumachers leicht verbesserten Zustand. Schumacher schwebe aber weiterhin in Lebensgefahr, die Situation sei lediglich besser unter Kontrolle. Schumacher habe zahlreiche weitere Hämatome im Hirn, eine dritte Operation sei derzeit nicht vorgesehen. "Wir wollen diese Schlacht gewinnen - eine schwere Schlacht, die noch lange nicht gewonnen ist", sagt Gerard Saillant, selber Arzt und vertrauter Schumachers: "Aber wir sind ein wenig optimistischer als gestern."

12.00 Uhr

Schumachers Managerin Sabine Kehm widerspricht der Darstellung, der Kerpener sei vor dem Unfall mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen. "Offenbar ist der Helm gebrochen. Das bedeutet nicht, dass Michael mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war. Er war nicht allzu schnell", sagte Kehm: "Er hat wohl bei der Schwungauslösung einen Felsen getroffen. Es war eine Verkettung von unglücklichen Umständen."

Hunderte Fans vor dem Krankenhaus

1. Januar

Schumachers Managerin Sabine Kehm informiert Dutzende von Journalisten und Kamerateams aus aller Welt in einer teilweise chaotisch verlaufenen Fragerunde über den Zustand des Verletzten - der am Neujahrstag unverändert kritisch ist. "Michael wird weiter überwacht und ist stabil", sagt Kehm, die den Status positiv wertet. Es habe sich "nichts verändert hat, schon gar nicht zum Negativen". Schumacher sei "die ganze Nacht über stabil" gewesen, und er sei es nach wie vor. "Das ist für den Moment eine gute Nachricht, aber ich betone: nur für den Moment, weil seine Verletzungen sehr schwer sind", sagt Kehm.

2. Januar

In einer Stellungnahme dankt die Familie Schumacher den Menschen in aller Welt, die den Angehörigen und dem verletzten Rennfahrer "ihre Sympathie geschenkt und uns ihre besten Genesungswünsche geschickt haben. Das ist für uns eine tolle Unterstützung. Wir wissen alle, Michael ist ein Kämpfer und wird nicht aufgeben."

3. Januar

An Schumachers 45. Geburtstag versammeln sich hunderte Fans am Krankenhaus und wünschen Ihrem Idol alles Gute, sie halten im strömenden Regen Plakate mit Aufschriften wie "Alle unsere Gedanken sind bei Dir und Deiner Familie" in die Luft. Schumachers Familie dankt erneut für die Anteilnahme.

20.00 Uhr: Die Nachrichtenagentur AFP meldet, dass die Helmkamera, die Schumacher bei seinem Unfall getragen haben soll, von der Polizei beschlagnahmt wurde. Zudem sollen die Behörden Schumachers Sohn zum Unfallhergang befragt haben.

4. Januar

Schumachers Managerin Sabine Kehm äußert sich wieder zum Gesundheitszustand des Verunglückten. Dieser sei unverändert "kritisch, wenn auch stabil. Wir betonen ausdrücklich, dass jegliche Information über seinen Gesundheitszustand, die nicht von den behandelnden Ärzten oder seinem Management stammt, nicht valide und reine Spekulation ist." Zudem betont Kehm, dass die Familie den ermittelnden Behörden Schumachers Helmkamera freiwillig übergeben habe.

5. Januar

Der ehemalige Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen hat seinem alten Rivalen Schumacher via Bild am Sonntag einen aufmunternden Brief geschrieben: "Du musst wieder hart kämpfen - so wie wir beide früher auf der Rennstrecke gekämpft haben." Der Spiegel berichtet, ein deutscher Tourist habe mit seinem Smartphone zufällig Schumachers Unfall gefilmt und wolle die Aufnahmen den Behörden übergeben.

Schumachers Ehefrau appelliert an die Presse

6. Januar

Die zuständige Staatsanwaltschaft Albertville gibt bekannt, dass sie sich im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch (11 Uhr) über den Stand der Ermittlungen äußern wird. Unterdessen ist Schumachers Zustand nach einer Mitteilung der Ärzte weiter kritisch, aber stabil.

7. Januar

Schumachers Ehefrau Corinna appelliert in einem Statement an die internationale Presse für mehr Zurückhaltung in der Berichterstattung über ihren Mann: "Bitte unterstützen Sie uns in unserem gemeinsamen Kampf mit Michael. Es ist mir wichtig, dass Sie die Ärzte und das Krankenhaus entlasten, damit diese in Ruhe arbeiten können - vertrauen Sie bitte deren Statements und verlassen Sie die Klinik. Bitte lassen Sie auch unsere Familie in Ruhe."

8. Januar

Nach Erkenntnissen der Ermittler ist Schumacher bei seinem Unfall nicht zu schnell gefahren. Auf einer Pressekonferenz erklärten sie zudem, dass Skier und Bindung nicht Ursache des Unfalls gewesen waren und die Pistenmarkierung den Normen entsprach.

17. Januar

Schumachers Gesundheitszustand ist unverändert stabil. Das teilte seine Managerin Sabine Kehm mit.

21. Januar

Schumachers ehemaliger Teamkollege Felipe Massa schreibt auf der Ferrari-Homepage: "Lieber Michael, mein guter Freund, du hast mir in meiner Karriere so sehr geholfen, ich bete jeden Tag für Dich. Als ich Kart gefahren bin, stand Dein Name auf meinem Helm, und jetzt will ich Dich stärker als jemals zuvor sehen - wie immer. Ich umarme Dich!"

26. Januar

Hunderte Schumacher-Fans versammeln sich auf der Rennstrecke in Spa-Francorchamps zu einer besonderen Aktion. Seine Anhänger gehen mit Ferrari-Fahnen über die sieben Kilometer lange Strecke in den Ardennen, wo Schumacher 1991 sein erstes Rennen bestritten hatte.

28. Januar

Der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel äußert sich nach wie vor erschüttert vom Unfall seines Freundes Michael Schumacher. "Es ist immer noch ein Schock, weil diese Ungewissheit herrscht, weil niemand weiß, was aus dem Michael wird", sagte Vettel: "Man betet, man wünscht, man hofft, dass das Wunder passiert und das der Gleiche wieder aufwacht, so wie er vorher war."

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

29. Januar

Schumachers Managerin Sabine Kehm betont erneut, "dass jegliche Aussagen über Michaels Gesundheitszustand, die nicht vom behandelnden Ärzteteam oder seinem Management stammen, als Spekulation zu werten sind. Ich wiederhole, dass wir Spekulationen nicht kommentieren werden."

30. Januar

Sabine Kehm bestätigt, dass Schumachers Narkosemittel seit kurzem reduziert werden, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen, "der sehr lange dauern kann".

13. Februar

Managerin Kehm erklärte, Schumacher befinde sich weiter in der Aufwachphase. Sie bedankte sich im Namen der Familie für die "ungebrochene Anteilnahme von Menschen aus der ganzen Welt" herzlich.

17. Februar

Die Staatsanwaltschaft in Albertville stellt die Ermittlungen zum folgenschweren Skiunfall Schumachers ein. Ein Fremdverschulden konnte ausgeschlossen werden, es liege kein "strafbares Verhalten" vor, teilte der zuständige Staatsanwalt Patrick Quincy mit.

20. Februar

Ex-Teamkollege Felipe Massa besucht Schumacher im Krankenhaus und spricht ihm Mut zu. "Ich habe ihn gesehen, ich habe ihm alles erzählt, was ich in den letzten Wochen erlebt habe. Er schläft, sieht aber ganz normal aus", sagte der 32-jährige Brasilianer. "Ich glaube, er hat sogar ein bisschen reagiert."

7. März

Managerin Sabine Kehm gibt bekannt, dass sich Schumacher weiter in der Aufwachphase befindet.

12. März

Neues Statement von Sabine Kehm und Schumachers Familie: "Wir sind und bleiben zuversichtlich, dass Michael da durchgehen und aufwachen wird. Es gibt immer wieder kleine Anzeichen, die uns Mut machen. Aber wir wissen auch, dass wir geduldig sein müssen."

Deutliche Anzeichen von Besserung

16. März

Sabine Kehm sagt in einem Fernseh-Interview, dass sich Schumacher nach wie vor in der Aufwachphase befinde. Er sei noch nicht aufgewacht. "Wir warten natürlich darauf, aber wir haben gelernt und akzeptieren auch, dass es lange dauern kann. Das ist für uns okay", sagte Kehm.

17. März

Das Formel-1-Team von Mercedes widmet Michael Schumacher den WM-Auftaktsieg in Australien durch Nico Rosberg. "In Gedanken waren wir am vergangenen Wochenende bei ihm. Er wird weiter kämpfen, wie nur er es kann. Wir senden ihm all unsere Kraft", sagte Motorsportchef Toto Wolff.

26. März

In einem weiteren Statement verbreitet Managerin Kehm Optimismus über den Gesundheitszustand von Schumacher. "Wir sind und bleiben zuversichtlich, dass Michael da durchgehen und aufwachen wird. Wir kämpfen um ihn gemeinsam mit dem Ärzteteam, dem wir vertrauen", sagte sie.

4. April

Schumachers Gesundheitszustand zeigt deutliche Anzeichen von Besserung. "Michael macht Fortschritte auf seinem Weg. Er zeigt Momente des Bewusstseins und des Erwachens", schreibt Managerin Sabine Kehm in einem offiziellen Statement: "Wir stehen ihm bei seinem langen und schweren Kampf zur Seite, gemeinsam mit dem Team des Krankenhauses in Grenoble, und wir bleiben zuversichtlich."

16. Juni

Sabine Kehm teilt mit: Schumacher ist nicht mehr im Koma und hat das "CHU Grenoble verlassen, um seine lange Phase der Rehabilitation fortzusetzen". Der Dank der Familie gelte "allen behandelnden Ärzten, Pflegern, Schwestern und Therapeuten in Grenoble", ebenso "den Ersthelfern am Unfallort. Für die Zukunft bitten wir um Verständnis, dass seine weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll."

ts/dpa-afx/sid
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