Freitag, 20. September 2019

UFO droht mit "noch größerem Chaos-Sommer" Flugbegleiter wollen Lufthansa im Sommer bestreiken

Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO: Die Flugbegleiter werden noch im Juli streiken
Oliver Berg/ DPA
Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO: Die Flugbegleiter werden noch im Juli streiken

Mitten in der Feriensaison kommen auf die Lufthansa und ihre Kunden Streiks der Flugbegleitergewerkschaft UFO zu. Im Juli fänden Streiks durch die Kabinenmitarbeiter in Deutschland statt, sagte der stellvertretende UFO-Vorsitzende Daniel Flohr am Donnerstag in Frankfurt. Bei den Töchtern Eurowings und Germanwings werde es so bald wie möglich eine Urabstimmung geben, bei der Lufthansa werde sich dies um ein paar Wochen verzögern. "Am Ende dieser Urabstimmungen werden wir konkret verkünden, wann, wo und wie lange Arbeitskämpfe stattfinden werden."

Lufthansa-Aktien Börsen-Chart zeigen haben am Donnerstag mit einem Minus von 0,27 Prozent auf die Streikankündigung reagiert. Die Papiere waren nach der Gewinnwarnung vom Montag auf ein Mehrjahrestief von 14,85 Euro gefallen. 2019 sind sie mit einem Minus von fast 24 Prozent der schwächste Wert im Dax.

Diese Rechte haben Fluggäste bei Streiks

Durch die drohenden Streiks könnten in Deutschland zahlreiche Flüge ausfallen oder verspätet starten. "Reisende deren Flüge gestrichen werden, haben unter Umständen Anspruch auf eine Entschädigung in Höhe von bis zu 600 Euro pro Person, sofern sie weniger als 14 Tage vor dem eigentlichen Abflugtermin über den Ausfall ihres Fluges informiert wurden, erklärt Laura Kauczynski von dem Fluggasthelfer-Portal AirHelp. Gleiches gelte für Passagiere, deren Flüge ihr Ziel erst mit mindestens drei Stunden Verspätung erreichen. Erst im April letzten Jahres urteilte der Europäische Gerichtshof, dass selbst ein unangekündigter Streik des Airline-Personals keinen außergewöhnlichen Umstand darstellt, der die Fluggesellschaften von ihrer Pflicht befreit, Entschädigungen auszahlen zu müssen.

Der neue Konflikt zwischen UFO und der Lufthansa hatte sich bereits angedeutet. Die Gewerkschaft hatte der der Fluggesellschaft erst zu Wochenbeginn vorgeworfen, "jedes Gespräch mit der Kabinengewerkschaft konzernweit" abzulehnen. Insbesondere bei der Lufthansa-Tochter Eurowings spitze sich der Konflikt nun zu.

"Die Strategie des Konzerns steht in Frage", sagte Flohr am Donnerstag. "Der Chaos-Sommer, der uns letztes Jahr beglückt hat, wird dieses Jahr wahrscheinlich nochmal größer." Er warf der Lufthansa vor, dennoch eine Eskalation zu suchen. "Das ist die Zuspitzung einer Strategie, die sagt, ich möchte mit diesen Gewerkschaften, mit der Mitbestimmung im Konzern generell nicht mehr arbeiten. Ich möchte die Tarifverträge, die mir nicht gefallen, loswerden."

Eurowings soll Tarifverträge laut UFO nicht anerkannt haben

UFO und Eurowings hatten 2017 den SPD-Mann Klaus Wowereit als Schlichter für ihren damaligen Tarifkonflikt eingeschaltet. In einem Schiedsverfahren hat man sich nach UFO-Darstellung auf eine Reihe von Tarifverträgen geeinigt. UFO wirft Lufthansa nun aber vor, Eurowings habe diese nicht anerkannt, womit das Verfahren am Wochenende ergebnislos geendet sei.

Im März hatte UFO Tarifverträge mit Lufthansa gekündigt und drei Monate vor Ende der Friedenspflicht per 30. Juni mit einem Streik des Kabinenpersonals im Sommer gedroht. Lufthansa hatte die Kündigungen jedoch nicht anerkannt.

Ob die Lufthansa gegen die Streiks rechtlich vorgehen wird, ist noch unklar. Denn diese könnten die angespannte Lage noch mehr verschärfen. Die Lufthansa hat vor allem wegen der Verluste von Eurowings, die sie mit dem Preiskampf in Europa und höheren Kerosinkosten begründet, mit einem Gewinnschwund zu kämpfen. Nach Ansicht von Lufthansa und Eurowings gilt die Friedenspflicht für die Gewerkschaft derzeit weiter.


Lesen Sie auch: Was die Gewinnwarnung der Lufthansa verschweigt


Die Lufthansa steht aktuell unter einem enormen Wettbewerbsdruck durch Billigflieger wie Ryanair und Easyjet , die versuchen dem Dax-Konzern Marktanteile abzuringen. Dieser Wettbewerb drückt auf die Ticketpreise. Erst vor wenigen Tagen hatte die Lufthansa ihre Gewinnziele zusammengestrichen.Vor diesem Hintergrund dürfte der Kostendruck zunehmen.

mg/dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung