Mittwoch, 20. November 2019

Elektro-Jet "Alice" soll 2022 kommerziell abheben Dieser Mann will das Fliegen neu definieren

Elektroflugzeug "Alice": Platz für 9 Personen und 1000 Kilometer Reichweite
REUTERS

"Alice" ist nur eines von vielen Elektroflugzeugen, das künftig Menschen transportieren könnte. Mit Platz für 9 Personen und bis zu 1000 Kilometer Reichweite flöge es aber in einer anderen Liga als ein Luft-Taxi. In Paris wurde es vorgestellt und soll 2022 kommerziell zum Einsatz kommen. Einen Großabnehmer gibt es schon, heißt es.

Wie fliegen wir in der Zukunft? Am besten gar nicht, würden Umweltschützer antworten. Omer Bar-Yohay hat eine andere Vision: Emissionsfrei und elektrisch sollten sich die Menschen am Himmel fortbewegen - und das nicht nur in einem Kurzstrecken-Flugtaxi.

Omer Bar-Yohay ist Chef von Eviation Aircraft, ein israelisches Unternehmen, das vor allem mit US-amerikanischem Risikokapital Elektroflugzeuge entwickelt und in Serie bauen will. Mit "Alice" hat das Unternehmen jetzt nahe Paris zur Luftfahrtschau in Le Bourget ein Elektroflugzeug vorgestellt, das schon im Jahr 2022 fliegen und Geld verdienen soll.

Zum Beispiel für Cape Air, eine der größten regionalen Fluggesellschaften in den USA. Die Airline habe eine "zweistellige Anzahl" der Flugzeuge bestellt, die dann 9 Passagiere samt Gepäck bis zu 1000 Kilometer weit transportieren können sollen. Cape Air fliegt 35 Ziele in der Karibik an, unter anderem mit gut 90 Kleinflugzeugen von New York und Bosten die beliebten Inseln Martha's Vineyard und Nantucket.

Prototyp "Alice": Das Elektroflugzeug bietet Platz für 9 Passagiere und soll bis zu 1000 Kilometer weit fliegen können - schon im Jahr 2022. Eine Fluggesellschaft hat angeblich schon bestellt.

Bar-Yohay ist nicht gerade ein Ausbund an Bescheidenheit: "Wir haben ein Angebotsproblem, kein Nachfrageproblem", sagte der Eviation-Gründer laut Bloomberg jetzt auf der Paris Air Show. Eviation Aircraft werde in einigen Jahren wohl nicht mehr der Lage sein, mit den Bestellungen Schritt zu halten.

"Alice" angeblich nur mit einem Bruchteil der Kosten unterwegs

Sein Argument: "Alice" operiere mit einem "Bruchteil der Kosten herkömmlicher Jetliner". Die Betriebskosten betrügen angeblich nur 200 Dollar je Flugstunde im Vergleich zu 1000 Dollar, die für den Betrieb einer Turboprop zu veranschlagen seien. Mit einer Reisegeschwindigkeit von umgerechnet 445 Stundenkilometer sei Alice zwar nur halb so schnell wie ein Business-Jet aber nicht viel langsamer als Turboprop-Flieger. Ausgestattet ist der Prototyp mit elektrischen Triebwerken aus dem Hause Siemens und soll in Kürze zum Jungfernflug starten.


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Das Elektroflugzeug werde die "Art und Weise, wie Menschen regional reisen, neu definieren und eine neue Ära des Fliegens einleiten, die leiser, sauberer und kostengünstiger ist", erklärte Bar-Yohay.

Eviation Aircraft wolle aber auch außerhalb der USA den Markt der Pendler bedienen. Etwa in Frankreich zwischen Paris und Toulouse oder in Norwegen zwischen Oslo und Trondheim, ließ das israelische Unternehmen durchblicken.

Elektroflugzeug-Hersteller haben Pendlermarkt im Visier

Der Pendlermarkt gilt für Elektroflugzeug-Hersteller als besonders vielversprechend, weil herkömmliche Anbieter auf diesen Strecken wegen der Emissionen besonders in der Kritik stehen. Dass dieser Markt unter angeblich klimaneutral fliegenden Anbietern hart umkämpft sein wird, damit rechnet Bar-Yohay fest: "Ich bezweifle nicht, dass andere kommen werden, aber wird sind dem Rudel ein Stück voraus."

Eviation Aircraft hat seinen Sitz bei Tel Aviv und wurde 2015 von einem Team von Luftfahrt- und Technologiespezialisten gegründet. Laut den Unternehmensberatern von Roland Berger ist die Firma eine von weltweit 100, die an der Entwicklung von Elektroflugzeugen arbeiten. 2017 sollen es noch gut 60 gewesen sein. Die Experten gehen davon aus, dass das erste 50-sitzige Hybridflugzeug, also mit Kerosin Batterien betriebene Flugzeug, bis zum Jahr 2032 seinen Betrieb aufnehmen werde.

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