Sonntag, 15. Dezember 2019

Kreuzfahrtschiff-Ranking des Naturschutzbunds Welches Schiff ist am wenigsten umweltschädlich?

Aida Cruises: Schwimmende Geldmaschine
Aida Cruises
Aida Cruises: Schwimmende Geldmaschine

Kreuzfahrt stinkt - nach wie vor. Reedereien haben inzwischen begonnen, ihre Schiffe mit LNG- und Hybridantrieb sowie Landstromanschluss auszurüsten. Das ist nicht genug, urteilt der Umweltverband Nabu.

Seit Jahren suchen Reedereien wie Aida Cruises, TUI Cruises oder Hapag-Lloyd einen Kompromiss: den zwischen Gewinnstreben und Imageschutz. Denn Jahr für Jahr werden die gesetzlichen Vorgaben für die Schifffahrt ein wenig strenger.

Weiß wie die Dampfer, die sie in See stechen lassen, soll ihre Weste in Bezug auf die Umwelt sein - immerhin werden hier Urlaubsträume verkauft, bei denen das Meer türkis und die Strände strahlend rein sein sollen. Am Ende des Geschäftsjahrs müssen die Mutterkonzerne, die beiden größten Kreuzfahrtkonzerne Carnival und Royal Caribbean sowie TUI, zufrieden sein.

Jede Reederei sucht ihren eigenen Weg: Ist das Flüssigerdgas LNG das Beste - für Klima und Budget? Reicht ein Abgaswäscher, der sogenannte Scrubber, der vor allem Schwefel aus dem Rauch filtern soll? Schmälert Landstromnutzung den Gewinn? Warum zugunsten von Marinediesel mit weniger Schwefeloxid auf das billige Schweröl verzichten?

Der Naturschutzbund (Nabu) nimmt die Maßnahmen seit 2012 alljährlich beim Kreuzfahrt-Ranking unter die Lupe. In diesem Jahr untersucht der Umweltverband dafür 89 Schiffe auf dem europäischen Markt hinsichtlich zweier Aspekte:

"Da wir das Ranking auf Schiffe und nicht auf Reedereien ausgerichtet haben, soll es eine Art Handreichung für Kreuzfahrturlauber sein, um das am wenigsten umweltschädliche auszuwählen", sagt der Leiter Verkehrspolitik beim Nabu-Bundesverband, Daniel Rieger.

LNG-Schiffe auf Platz eins

Das Fazit des Rankings: Zwar kann die Branche - vor allem die deutschen Ableger - in puncto Luftschadstoffminderung einige Leuchtturmprojekte vorweisen. Die Realität beim Rest der Ozeandampferflotte sieht immer noch ernüchternd aus. Auch einstige Spitzenreiter seien inzwischen in den Rängen abgerutscht: "Wenn man 2013 wie TUI Cruises durchaus noch den ersten Platz mit einem Stickoxidkatalysator bekommen konnte, reicht dies 2019 nur noch für das obere Mittelfeld", sagt Rieger.

  • Abgastechnik beziehungsweise Verzicht von Schweröl,
  • Technologien zum Klimaschutz im Bereich der Antriebe und der Energieversorgung.
  • Auf Platz eins und zwei der Nabu-Rangliste schippern nun zwei 6600 Passagiere fassende Riesen mit LNG-Antrieb, die "Aida Nova" und "Costa Smeralda" (ab Oktober im Dienst). Dann folgen Schiffe, deren Reeder Stickoxidkatalysatoren (etwa "Europa 2", TUI-Cruises-Flotte) einsetzen und/oder auf Schweröl ganz oder teilweise freiwillig verzichten (Hapag-Lloyd Cruises und Ponant).

Und dann? Ist es auch schon vorbei mit der Vorbildlichkeit. Der größte Teil der Aida-, MSC-, Costa-, Cunard- oder Celebrity-Flotte setzt - sofern gesetzlich möglich - Schweröl ein und verfügt nicht über mehr Technologien als jene, die nötig sind, um vorgeschriebene Grenzwerte einzuhalten. Mehr als diese sogenannte Compliance sei aber, so Rieger, Kriterium, um im Ranking Punkte zu erzielen. Sogar Schiffe, die in diesem oder den letzten Jahren in Betrieb gingen, landen auf dem gemeinsamen letzten Platz - wie insgesamt 58 der 89 des Rankings.

Dennoch hat sich in den letzten acht Jahren einiges getan: "Gerade bei den LNG-Schiffen ging die Entwicklung verblüffend schnell", sagt Rieger. Bevor überhaupt die Infrastruktur in den Häfen da gewesen, also geklärt worden sei, wie die Schiffe mit LNG versorgt werden könnten, seien Investitionsentscheidungen in Milliardenhöhe getroffen worden. Inzwischen sind laut dem Branchenverband Clia weltweit 26 Schiffe mit LNG-Antrieb im Bau oder bestellt.

"Das ist ein starkes Bekenntnis, etwas verändern zu wollen", sagt Rieger - zumindest was die Luftschadstoffe betrifft. LNG jedoch sieht der Nabu noch nicht als die optimale Lösung an, solange er aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Der Umweltverband fordert, synthetisches LNG zu verwenden - also aus erneuerbarem Strom hergestelltes Gas. "Das ist zwar vier- bis fünfmal so teuer wie fossiles", sagt Rieger, "aber vor dem Hintergrund der immensen Gewinne der Branche zieht das Preisargument nicht."

Erstmals CO2-Bilanz bewertet

Der Boom der LNG-Schiffe war für den Nabu der Grund, erstmals seine Kriterien von Abgasreinigungssystemen auf den CO2-Ausstoß pro Schiff zu erweitern. "Sämtliche Schiffe (des Rankings) werden mit fossilen Treibstoffen betrieben, die enorme Treibhausgasemissionen verursachen", teilte der Verband mit, der generell den Verzicht auf Schweröl in der Schifffahrt fordert. Bei der Verwendung des Flüssigerdgases entweicht zudem das höchst klimaschädliche Methangas.

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Das Ranking der Klimaschutzmaßnahmen allerdings bezieht sich ausschließlich auf Landstromversorgung, Blasenteppich- oder Hybridtechnologie. Die Reedereien dagegen führen Treibstoff- und damit CO2-Einsparungen unter anderem auf Wärmerückgewinnung, LED-Lampen oder verbessertes Rumpfdesign zurück. "Diese Informationen stellen uns die Unternehmen nicht zur Verfügung" sagt Rieger dazu. Zudem gingen diese Maßnahmen nicht über die von der internationalen Organisation IMO vorgeschriebenen CO2-Einsparziele hinaus.

Eigentlich hätte sich das Problem Schweröl in der Schifffahrt im kommenden Jahr von selber lösen sollen: Denn dann tritt der Schwefelgrenzwert in Schiffsabgasen von 0,5 Prozent auch dort in Kraft, wo bisher 3,5 Prozent möglich waren. "Die Idee dahinter, dass das den Abschied vom Schweröl darstellen sollte, hat nicht funktioniert", sagt Rieger, "da jetzt niedrigschwefeliges Schweröl angeboten wird" - immer noch billig und immer noch giftig.

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Bild: REUTERS

Die Schwefelemissionen aus der Schifffahrt würden zwar runtergehen, aber nicht die Stickoxide und der Feinstaub, sagt der Verkehrspolitik-Leiter. Der Nabu fordert nun die Ausweitung der Emissionskontrollgebiete (Eca) von Ost- und Nordsee, in denen ein Grenzwert von 0,1 Prozent Schwefel gilt, auf Mittelmeer und Atlantikküste. Und dazu: "den flächendeckenden Einsatz von Abgastechnik für alle Schiffe im Bestand".

Zwei besondere Schiffe tauchen erstmals im Ranking auf: die Segelschiffe "Flying Clipper" und "Royal Clipper" von Star Clippers. Weiße Segel, weiße Weste - könnte man meinen. Die beiden Großjachten erhielten zwar zwei von vier möglichen blauen Schiffschrauben im Ranking und damit die beste Wertung in Sachen Klima. Lediglich eine grüne für Luftverschmutzung aber wurde ihnen zugestanden und damit Platz 19: "Die Schiffe haben immer noch einen Motor - und der hat als Abgastechnik: genau nichts", sagt Rieger.

 

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