Die Körpersprache der Manager So treten die Auto-Chefs auf

Körpersprache kann die Wirkung von Worten unterstreichen - oder zerstören. CEOs wissen das. Oder sollten es zumindest wissen. Für manager magazin hat sich der Körpersprache-Experte Michael Moesslang angeschaut, wie Chefs der deutschen Automobilkonzerne auftreten.
Von Michael Moesslang

Hamburg - Form und Inhalt sind bei einem öffentlichen Auftritt kaum zu trennen: Es ist fast genauso wichtig, wie man etwas sagt, wie was man sagt. Kommunikationsprofis wissen das - kaum eine Führungskraft in großen Unternehmen tritt deshalb ungecoacht vor ein Publikum.

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Die Körpersprache der Manager: Auto-Chefs im Interview

Foto: DW (Deutsch) / youtube

Rhetorische Finessen sind dabei das eine. Aber mindestens ebenso wichtig ist die Körpersprache: Distanz und Nähe, Abwehrhaltung und Offenheit zeigen sich hier mitunter viel deutlicher, als es den Rednern selbst lieb ist. Für manager magazin hat der Körpersprache-Experte Michael Moesslang einige Auftritte der deutschen Automarken-Chefs unter die Lupe genommen. Hier sind seine Analysen.

BMW: Norbert Reithofer

Von BMW-Chef Norbert Reithofer gibt es nur wenige entspannte Interviews im Netz. Meistens nur kurze Interviews auf Messen im Stehen. Vielleicht wirkt hier noch nach, was der langjährige, frühere PR-Chef von BMW, Richard Gaul, einmal sagte: "Bei uns ordnet sich der Vorstandsvorsitzende in der Kommunikation unter. Das Gesicht von BMW ist das Unternehmen und sein Produkt, nicht der CEO."

Reithofer tritt in diesen Situationen immer sehr ähnlich auf. Man ahnt dabei, dass ihm ein Coach zur Seite gestanden hat: An seiner Haltung fällt der nach vorne gestreckt Kopf auf. Es zeugt von Interesse an Gespräch und Gesprächspartner. Hier hört jemand genau zu und strebt dabei nach vorne. Ein fast permanentes, mildes Lächeln macht sympathisch. Die rechte Hand ist beim Sprechen stets erhoben und zeigt eher schwache Gestik. Das wirkt einstudiert, ist jedoch kamerafreundlich.

Seine Worte sind klar, kurz und emotionslos. Wer wenig sagt, sagt auch wenig Verkehrtes. Meist leitet ein "ich meine", "ich glaube" oder "ich bin der Uberzeugung" Reithofers Sätze ein. "Also" und "ah" tauchen dabei dezent und häufig auf. Sein Blickkontakt ist fest beim Gesprächspartner und ein leichtes Nicken beim Reden unterstreicht seine Worte und fordert Zustimmung beim Gegenüber ein. Reithofer wirkt sicher, freundlich und überzeugt - er fährt jedoch, um im Bild der Branche zu bleiben, mit etwas angezogener Handbremse.

VW: Martin Winterkorn

Der Auftritt auf der Bühne der IAA (Video oben) zeigt ein deutlicheres Bild als das sitzende Interview unten. Schon beim Gang auf die Bühne sendet VW-Chef Martin Winterkorn starke Signale aus: Sein Cowboy-artiger Gang ist eine Demonstration selbstbewusster Männlichkeit - allerdings konterkariert durch die Hand in der Hosentasche. Die zeigt schon im ersten Moment, dass er angespannt ist. Wohl eine Beruhigungshilfe ist sein Notizzettel, den er während der Ansprache nicht liest, sondern nur zum Festhalten nutzt. Er liest stattdessen vom Teleprompter ab - das passt nicht zusammen: Dadurch wirkt der Ausdruck von Freude gleich weniger authentisch.

Im Interview (Video unten) zeigt er durch seine Körperhaltung, dass er Führung und Kompetenz für sich beansprucht. Seine Sitzhaltung mit dem linken Ellenbogen auf der Armlehne erweckt den Eindruck, er wolle gleich aufspringen. Mit der rechten Hand hält er sich jedoch zurück, sie umklammert von oben kommend die rechte Armlehne. Geduld ist sicher nicht seine Stärke, er reagiert lieber impulsiv - seine Körpersprache vermittelt: Der tatsächliche Impuls wäre aufzuspringen und irgendetwas Dringenderes oder Wichtigeres zu machen.

Audi: Rupert Stadler

Der CEO von Audi wirkt am Anfang des Interviews angespannt, aber eher so, dass man sich verständnisvoll in seine Situation einfühlen kann. Er versucht mit überkreuzten Beinen und zurückgelehnt entspannt zu wirken. Gleichzeitig die Hände zu bewusst aufeinander gelegt. Brav wirkt das.

Das Begrüßungslächeln ist wortlos, sein Blick geht auch nicht zu den beiden Interviewern, sondern suchend in Richtung Decke. Stadler hebt häufig zuckend die Schultern und macht so seine Worte klein. Das bedeutet aber nicht, dass er seinen eigenen Worten nicht glaubt oder ihnen widerspricht. Viel mehr ist es ein Signal, dass er Aussagen über sich selbst nicht so gerne macht, sich selbst nicht für so wichtig nimmt. Sein Körper signalisiert, dass es ihm unangenehm ist, sich ins Licht zu rücken.

Seine Füße wippen fast im Takt zu seinen Worten, die teils etwas abgehackt kommen. Auffällig vor allem die vielen kleinen Nebensätze, die er einschiebt und durch die ein Satz sehr lange wird. Die Grammatik bleibt stets fehlerfrei, doch einfach macht er es den Zuhörern mit dieser Sprache nicht.

Stadler hält wenig Blickkontakt zu den Interviewern, erst recht nicht zum Publikum. Sein Blick geht häufig suchend nach oben. Er sammelt seine Gedanken, lächelt kaum. Bei der Frage nach seiner Beziehung zu Ferdinand Piëch gehen die Hände schützend auf Höhe des Halsbereichs und fangen dort zu spielen an, er schluckt. Bei der Antwort braucht er länger als sonst.

Als er vom Rückhalt und der Bedeutung von seiner Familie spricht (ab 8:30) sind Kopfschütteln und Schulterzucken weg. Als er dann in die Enge getrieben wird mit der Frage, ob er als BWLer überhaupt der richtige ist neben all den Ingenieuren bei den Wettbewerbern, antwortet er locker und lachend und beendet damit den Druck sofort (11:43) - das wirkt souverän.

Insgesamt ist Stadlers Gestik klein, scheint aber bewusst in die Kamera gehalten zu sein. Sein Kopfnicken und -wackeln unterstützt seine Gedanken mehr als seine Worte, es ist am stärksten in dem Moment als ihm die Antwort einfällt und er zu sprechen beginnt. Er denkt, bevor er spricht. Deshalb sind seine Worte stets klar und seine Körpersprache passend - wenn auch wenig aktiv.

Daimler: Dieter Zetsche

Daimler-CEO Dieter Zetsche tritt sehr souverän und locker auf. Auffallend sind seine großen Gesten, die er immer wieder in die Luft wirft. Selbstsicher, aber manchmal auch etwas hektisch. Sein Blickkontakt wechselt zwischen einzelnen Personen im Publikum und dem Interviewer, und er hält ihn stets fest für ausreichende zwei Sekunden.

"Ahs", lange Sätze, Versprecher oder die Suche nach den richtigen Worten reduzieren seine Sprachwirkung etwas. Häufig schiebt er gerne noch einen Gedanken nach, nachdem der Satz eigentlich schon fertig war. Dafür folgen immer wieder Humor, Metaphern und gelegentliche zynische Bemerkungen. Seine Taktik ist es, immer erst einmal dem Gesprächspartner zuzustimmen, um dann bei Bedarf mit einem mehr oder weniger dezenten "aber" zu folgen. Das ist nicht immer eine gute Taktik, hier geht sie jedoch auf.