Mittwoch, 20. November 2019

OECD-Bericht Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland wächst - und lähmt das Wachstum

Weihnachtsmarkt in Heidelberg: Das Einkommenskarussell dreht sich weiter - und die Kluft zwischen Arm und Reich wächst

Die ungleiche Einkommensverteilung in Deutschland hat sich nicht nur deutlich verschärft - sie wirkt auch als Wachstumsbremse. Laut OECD hätte Deutschland zwischen 1990 und 2010 um 6 Prozentpunkte stärker wachsen können, wenn die Politik stärker gegen Ungleichheit vorgegangen wäre.

New York - Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland ist der Industriestaaten-Organisation OECD zufolge heute größer als vor 30 Jahren. Verdienten die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung Mitte der 1980er-Jahre fünf Mal so viel wie die ärmsten zehn Prozent, liege das Verhältnis heute bei 7:1, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Arbeitspapier.

Die OECD fordert die Politik in diesem zum Gegensteuern auf. "Unsere Analyse zeigt, dass wir nur auf starkes und dauerhaftes Wachstum zählen können, wenn wir der hohen und weiter wachsenden Ungleichheit etwas entgegensetzen", sagte Generalsekretär Angel Gurria. "Der Kampf gegen Ungleichheit muss in das Zentrum der politischen Debatte rücken."

BIP hätte stärker wachsen können - bei gleichen Chancen

Denn die gestiegene Einkommensungleichheit hemme die wirtschaftliche Entwicklung. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Deutschland sei zwischen 1990 und 2010 inflationsbereinigt um etwa 26 Prozent gewachsen, so die OECD. Wäre die Ungleichheit auf dem Niveau von Mitte der achtziger Jahre verharrt, hätte das Plus um fast 6 Prozentpunkte höher ausfallen können.

OECD: Kinder und junge Familien gezielt fördern

Dafür sieht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor allem einen Grund: Ärmere investieren in der Regel weniger in Bildung. Kinder aus sozial schwächeren Familien haben daher weniger Bildungschancen. "Wachsen und gedeihen werden vor allem jene Länder, die alles daran setzen, dass ihre Bürger von klein auf gleiche Chancen haben."

Eine Umverteilung von oben nach unten mittels Steuern und Transfers sei nicht zwangsläufig wachstumsschädlich, solange entsprechende Maßnahmen zielgenau angewandt werden. Eine solche Verteilungspolitik müsse sich vor allem auf Familien mit Kindern sowie auf junge Menschen konzentrieren und deren Lernchancen verbessern.

la/reuters

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung