Donnerstag, 22. August 2019

Bahn-Streik Jeder zweite Güterzug und jeder dritte Personenzug fährt trotzdem

Viele Züge in Deutschland fahren trotz des Streiks: Denn rund die Hälfte der 20.000 Lokführer gehört entweder der Konkurrenzgewerkschaft EVG an die Lokführer dürfen als Beamte nicht streiken
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Viele Züge in Deutschland fahren trotz des Streiks: Denn rund die Hälfte der 20.000 Lokführer gehört entweder der Konkurrenzgewerkschaft EVG an die Lokführer dürfen als Beamte nicht streiken

Im Bahnstreik hat das Gericht einen neuen Vergleichsvorschlag vorgelegt, die Lokführergewerkschaft GDL lehnt ihn ab. Das Kuriose am Streik: Gut ein Drittel der Personenzüge fährt, doch viele sind kaum besetzt.

Frankfurt am Main - Die Lokführergewerkschaft GDL hat einen Vergleichsvorschlag des Landesarbeitsgerichts Frankfurt im Streit um den längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn abgelehnt. Das teilten die GDL-Vertreter am Freitag in Frankfurt mit. Details zu dem Vorschlag waren zunächst nicht bekannt geworden.

Richter Michael Horcher hatte bei der Vorlage des Kompromissvorschlags an die Adresse der Streitparteien noch formuliert: "Ich bitte um wohlwollene Prüfung." Zuvor hatte sich das Gericht rund zweieinhalb Stunden von den beiden Parteien über ihre Positionen informieren lassen. Während die Bahnvertreter nochmals ihre Ansicht darlegten, der bis Montag angesetzte Arbeitskampf sei unverhältnismäßig und der Aufruf verstoße in Teilen gegen die Friedenspflicht, verteidigte die Gewerkschaft hingegen ihr Vorgehen.

Am Vorabend hatte das Frankfurter Arbeitsgericht den Ausstand für rechtens erklärt. Daraufhin wurde die Berufungsverhandlung angesetzt.

Nach dem Scheitern der Bahn-Klage gegen den Streik der Lokführer trifft der Ausstand am Wochenende voraussichtlich Millionen Reisende. Zwar lief der Not-Fahrplan der Deutschen Bahn am Freitag, es fuhr ein Drittel der üblichen Fernzüge. "Allerdings sind die Züge relativ leer", sagte eine Sprecherin des Staatskonzerns. Auch im Regionalverkehr hätten sich viele Reisende auf den Streik eingestellt und Alternativen gesucht.

Nicht alle GDL-Lokführer streiken - Hälfte der Güterzüge fährt

Fernbusse, Mietwagen und Mitfahrzentralen haben angesichts des längsten Ausstands in der Geschichte der Bahn deutlich mehr Buchungen als sonst. Besonders betroffen vom ausgedünnten Bahn-Verkehr ist Berlin, wo am Wochenende die Feiern zum 25. Jubiläum des Mauerfalls mit rund einer Million Besuchern geplant sind. Der Ausstand soll noch bis Montag dauern.

Kern des Konflikts ist, dass die GDL nicht mehr nur für die 20.000 Lokführer verhandeln will, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht aber die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn wiederum lehnt konkurrierende Gehaltsabschlüsse ab.

Der GDL-Arbeitskampf führt nicht zu einem völligen Zusammenbruch des Schienenverkehrs, da rund die Hälfte der 20.000 Lokführer entweder der Konkurrenzgewerkschaft EVG angehören oder als Beamte nicht streiken dürfen. EVG und Bahn erklärten, auch GDL-Lokführer seien im Einsatz.

Fast ein Drittel des Regionalverkehrs machen zudem Konkurrenten der Deutschen Bahn aus, die nicht vom Ausstand betroffen sind. Im Güterverkehr ist der Anteil der Wettbewerber noch höher, zudem fahren hier nach Unternehmensangaben die Hälfte der Züge. Bevorzugt werden hier zeitkritische Transporte, etwa für die Autoindustrie.

Zentrale Verbindungen ungestört, Ostdeutschland stärker betroffen

Im Personenverkehr setzt die Bahn gleichfalls Prioritäten: Zentrale Verbindungen, wie die zwischen Köln und Berlin, verkehren nach Unternehmensangaben wie gewohnt jede Stunde.

Auch zahlreiche wichtige Verbindungen ins Ausland liefen weitgehend ungestört. Darunter seien Strecken wie Basel-Berlin oder Zürich-Hamburg, die wie üblich im Zwei-Stunden-Takt bedient würden. Auch zwischen Köln und Paris sowie Frankfurt und Amsterdam laufe der Betrieb normal.

Dagegen seien auf Ost-West-Strecken wie Leipzig-Frankfurt oder München-Berlin nur vereinzelt Züge unterwegs. Insgesamt sei Ostdeutschland stärker vom Ausstand betroffen. Dort ist die GDL auch besonders stark.

rei/rtr/dpa

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