Freitag, 19. April 2019

Auch Grand City Properties will zukaufen Deutsche Wohnen kauft rund 3000 Wohnungen hinzu

Karl-Marx-Allee in Berlin: Gegen den Verkauf an die Deutsche Wohnen SE gab es Proteste. Mieter fürchten steigende Mieten

Die Deutsche Wohnen will mit einem Zukauf weiter vom Immobilienboom in deutschen Ballungszentren profitieren. In der Rhein-Main-Region sowie in Köln und Düsseldorf kauft die Gesellschaft rund 2850 Wohnungen, wie das MDax -Unternehmen am Montag in Berlin mitteilte. Zudem sollen 100 Gewerbeobjekte übernommen werden. Der Kaufpreis belaufe sich auf insgesamt 685 Millionen Euro. Finanziert werden soll die Transaktion mit vorhandenen Mitteln und geplanten Veräußerungen von Immobilien. Zunächst werden jährlich Nettokaltmieten in Höhe von rund 22 Millionen Euro erwartet.

Der deutsche Immobilienmarkt ist seit Jahren attraktiv für die Unternehmen der Branche. Die Mieten und Immobilienpreise steigen vor allem in den Ballungszentren.

Grand City Properties: "Nettomieten werden weiter steigen"

Der Deutsche-Wohnen-Konkurrent Grand City Properties (GCP) geht unterdessen auch im laufenden Jahr von steigenden Mieten aus. "Die Nettomieten werden etwas über drei Prozent wachsen", sagte Unternehmenschef Christian Windfuhr der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Montag. Im vergangenen Jahr hatten sich die Mieten auf vergleichbarer Basis um 3,4 Prozent erhöht. Mit zusätzliche Mieteinnahmen rechnet er aus Wohnungen, die GCP zwar besitzt, aber noch nicht vermietet hat. So liege der Leerstand der rund 730 Wohnungen in London noch bei neun Prozent. Hinzu kämen noch knapp 750 neue Wohneinheiten, die sich vor der Erstvermietung befänden.

Im Video: Vom Immobilienboom profitieren - ohne Wohnungen zu kaufen

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Bild: DPA

Anders als viele Konkurrenten setzt der Wohnungsvermieter bei den Mieterhöhungen nur im sehr geringen Umfang auf Modernisierungsumlagen. "Wir haben uns nicht auf Maximalsanierung spezialisiert, sondern auf Leerstandsreduzierung", sagte der Unternehmenschef. Grand City Properties sei darauf spezialisiert, sanierungsbedürftige Wohnungen aufzukaufen, diese zu renovieren und dann zu einem höheren Preis zu vermieten. Ab und zu werde eine Etage aufs Gebäude draufgesetzt, jedoch entwickele das Unternehmen keine neuen Projekte. Konkurrenten wie Vonovia und Deutsche Wohnen setzen neben Zukäufen auch auf den Bau von Wohnungen.

Zukäufe in Berlin, NRW und London geplant

Zudem plane GCP, Wohnungen im Wert von 300 Millionen Euro vor allem in Berlin, Nordrhein-Westfalen und London zuzukaufen. Im Gegenzug stünden Wohnungen im Wert von mindestens 130 Millionen Euro bereits zum Verkauf, sagte Windfuhr. Im vergangenen Jahr kamen Wohnungen im Wert von gut 700 Millionen Euro vor allem in der britischen Metropole hinzu, gleichzeitig verkaufte das Unternehmen Wohnungen im Wert von 500 Millionen Euro.

Die Aktie gab im frühen Nachmittagshandel um 0,36 Prozent nach. Insgesamt hätten die Jahreszahlen für 2018 und der Ausblick auf 2019 in etwa die Erwartungen erfüllt, schrieb Analyst Charles Boissier von der Schweizer Großbank UBS. Die Bewertungsgewinne für das Portfolio hätten sich aber im vergangenen Jahr in Grenzen gehalten.

Für das laufende Jahr zeigt der Wohnimmobilienkonzern aufgrund der hohen Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in Großstädten zuversichtlich und will beim Ergebnis weiter zulegen. Für 2019 peilt das Unternehmen beim operativen Ergebnis FFO 1 (Funds from Operations) einen Anstieg auf 211 bis 213 Millionen Euro an nach 198 Millionen Euro im Vorjahr, wie Grand City Properties am Montag in Luxemburg mitteilte.

77 Cent Dividende je Aktie

Die Kennzahl gibt an, wie viel Geld dem Unternehmen aus dem laufenden Geschäft nach Abzug vor allem von Zinszahlungen und Steuern bleibt - daran orientiert sich die Dividendenzahlung. Die Dividende soll aufgrund des geplanten Gewinnplus dann auf 0,82 bis 0,83 Euro je Aktie zulegen. Für 2018 will das Unternehmen 0,77 Euro je Aktie ausschütten.

2018 kletterten die Miet- und Betriebseinnahmen des im MDax Börsen-Chart zeigen notierten Unternehmens im Vorjahresvergleich um 10 Prozent auf 545 Millionen Euro. Grand City Properties hatte Wohnungen in Metropolen und Neubauprojekte zugekauft. Unter anderem baut das Unternehmen seinen Immobilienbestand im hochpreisigen Mietmarkt London aus, aber auch in Frankfurt und Berlin. Dafür verkauft die Gesellschaft Wohnungen an anderen Orten. Insgesamt stieg die durchschnittliche Miete je Quadratmeter von 5,65 Euro vor einem Jahr auf 6,00 Euro, die Zahl der Wohnungen selbst ging auf knapp 84 000 zurück.

Unter dem Strich stand im Berichtszeitraum ein Gewinn von 583 Millionen Euro, das waren 9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Das Unternehmen führte den Rückgang des Nettogewinns überwiegend auf geringere einmalige Aufwertungen von Immobilien während des Jahres 2018 zurück. Die Wohnungen von Grand City Properties liegen überwiegend in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Dresden, Leipzig und Halle. Großaktionär ist der Immobilienkonzern Aroundtown , der knapp 39 Prozent der Anteile hält und ebenfalls im MDax gelistet ist.

la/dpa

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