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Niederlande gegen Mexiko: Sieg in letzter Sekunde

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Hollands Drama-Sieg gegen Mexiko Frech kommt weiter

Das Last-minute-Comeback der Niederlande gegen Mexiko sorgt bei den Holländern für Erleichterung - und beim Gegner für Frust: Mexiko-Trainer Herrera attackiert den Schiedsrichter wegen des Elfmeterpfiffs. Robben gestand nach dem Spiel: "Ich war clever."

Fortaleza - Miguel Herrera hat bei diesem Turnier viele Sympathien gewonnen. Gleiches gilt für seine Spieler, die nach der unglücklichen Last-minute-Niederlage gegen die Niederlande in der Interviewzone mit den Tränen rangen. Man muss Mexikos Trainer Herrera, der das Herz stets auf der Zunge trägt, also wohl nachsehen, dass er die Schuld für das 1:2 (0:0) und das WM-Aus beim Referee suchte - auch wenn das nicht viel mit der Realität zu tun hatte: "Das ist das dritte Mal im vierten Spiel, dass wir in diesem Turnier vom Schiedsrichter benachteiligt wurden", ärgerte sich Herrera. Der Elfmeter, den Arjen Robben herausgeholt hatte, sei "erfunden", fuhr er fort. Und überhaupt: "Wie kann man nur in solch einem wichtigen Spiel einen Schiedsrichter von der gleichen Konföderation nehmen?"

Nun stimmt es zwar, dass Portugal, das Heimatland von Pedro Proença, ebenso wie die Niederlande in Europa liegt. Doch ansonsten fehlte Herreras Lamento ein wenig die Substanz. Schließlich hatte der Referee Robben zuvor zwei Elfmeter verweigert, darunter einen zu Unrecht. Die Entscheidung, dann in der Nachspielzeit auf den Punkt zu zeigen, war außerdem vertretbar: Der Bayern-Angreifer, der mal wieder spektakulär abhob, war zuvor von Rafael Marquez gefoult worden.

"Da habe ich mich einfach clever verhalten", sagte Robben nach dem Spiel dem niederländischen Sender "Nos" und legte seine Sicht der Dinge dar. Im ersten Durchgang habe er eine Schwalbe gemacht - allerdings außerhalb des Strafraums: "Das war schrecklich dumm, ich möchte mich entschuldigen." Dafür sei ihm aber eben auch kurz vor Ende der ersten Halbzeit der berechtigte Strafstoß verweigert worden. Und die Szene, die zum Siegtreffer führte? War eben "clever".

Zwei Trainer, zwei Deutungen

Nach dem Spiel fanden nicht nur die gut 20.000 stimmgewaltigen Mexiko-Fans, deren Heimreise ein echter Verlust für das Turnier ist, dass das Ausscheiden ihres Teams unglücklich war. Schließlich schien Mexiko nach zuletzt viermaligem Ausscheiden im WM-Achtelfinale den Fluch besiegt zu haben. Bis zur 88. Minute lag die Mannschaft nach dem Treffer von Giovani dos Santos vorn und war bis zur 60. Minute auch das klar bessere Team.

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Was dann passierte, bleibt unerklärlich. Verließ sich das defensivstarke Mexiko zu sehr darauf, dass man das Ergebnis schon über die Zeit schaukeln werde?

Im Gegenzug schienen die Niederländer, die im ersten Durchgang noch träge und umständlich gespielt hatten, plötzlich Kräfte freizumachen - mit dramatischem Effekt: Erst traf Wesley Snejder zum Ausgleich (88.). Dann fiel Robben, und der eingewechselte Klaas-Jan Huntelaar schoss sein Team ins Glück.

Huntelaars Dementi

Herreras Kollegen Louis van Gaal verleitete die Dramaturgie des Spiels zu der Feststellung, sein Team sei "fitter gewesen als der Gegner". Das war die zweite gewagte Trainer-Aussage dieses Nachmittags. Denn van Gaal tat nichts anderes, als das bräsige und planlose Spiel seiner Mannschaft im Nachhinein zum bewussten Energiesparen umzudeuten. Dabei ist es eine Binse, dass Quer- und Rückpässe weniger Substanz kosten als mutiger mexikanischer Powerfußball.

Die glaubwürdigste Begründung, warum die Niederlande am Ende wirklich gewannen, lieferte der Siegtorschütze. Zunächst dementierte Klaas-Jan Huntelaar allerdings noch mit hochrotem Kopf, dass es eine Diskussion mit Arjen Robben gegeben habe, wer von beiden denn nun den siegbringenden Elfmeter schießen dürfe. Das Gegenteil sei richtig: "Robben hat gesagt, dass ich schießen soll", beteuerte Huntelaar.

Er sei aber sicher gewesen, dass er treffen würde, berichtete der Schalker Stürmer: "Alle haben gesagt, dass ich bei dem Wetter viel trinken soll, deswegen musste ich vor meiner Einwechslung noch einmal auf Toilette. Dann war der Druck weg."

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