Montag, 1. Juni 2020

Nicht alle Headsets eignen sich für Zoom, Teams und Co. Headsets fürs Homeoffice im Test

Volker Weber

Ob im Großraumbüro oder am Küchentisch: Wer in einer lebhaften Umgebung arbeitet, kann sich mit den richtigen Kopfhörern Ruhe verschaffen. Doch nicht alle Headsets eignen sich gleichermaßen gut für Teams, Zoom und Co.

Headsets für Telefonarbeiter haben meist ein Mikrofon, das an einem dünnen Arm nahe vor den Mund gebracht wird, um eine möglichst gute Stimmaufnahme zu gewährleisten. Das Design ist erprobt und gut. Doch wer ein Headset für zu Hause sucht, will mehr als bloß gute Sprachqualität.

Der Allround-Kopfhörer soll sich gleichzeitig mit PC und Smartphone verbinden lassen, beim Musik hören und Filme schauen einen guten Sound liefern und eingebaute Mikrofone zum Telefonieren haben. Idealerweise senkt er auch noch den Geräuschpegel spielender Kinder.

Eine aktive Geräuschunterdrückung, auch ANC (Active Noise Cancellation) genannt, kommt dabei schnell an ihre Grenzen. Sie kann vor allem gleichmäßige, tiefe Frequenzen ausblenden, wie sie etwa die Triebwerke von Flugzeugen produzieren. Gegen die hohen Frequenzen, die beispielsweise spielende Kinder erzeugen, hilft eine passive Geräuschunterdrückung in Form von weichen Ohrpolstern, besser.

Ich habe sechs Headsets von Bose, Jabra, Poly (vormals Plantronics) und Microsoft ausprobiert, die alle diese Anforderungen erfüllen, aber auf teils sehr unterschiedliche Weise. Als Testumgebung diente ein Wohnzimmer mit einer 5.1-Surround-Anlage, aus der bei 50 Prozent Lautstärke eine Aufnahme aus einem belebten Kindergarten abgespielt wurde. Da versteht man sein eigenes Wort kaum noch. Alle Headsets können per Bluetooth mit bis zu acht Endgeräten gekoppelt werden und verbinden sich automatisch mit den beiden letzten.

Headsets mit Mikrofonarm

Poly Voyager Focus UC

Poly Voyager Focus UC
Plantronics Bluetooth-Stereo-Headset 'Voyager Focus UC' mit Ladeschale & USB-C BT-Dongle, Smart Sensoren, Mikrofonarm, Rauschunterdrückung, Schwarz

ab 234,99 Euro (Stand: 19.05.2020)

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Das Poly Voyager Focus UC und das neue Jabra Evolve2 65 sind speziell zum Telefonieren konzipiert. Sie haben nur eine sehr sanfte Geräuschunterdrückung durch auf den Ohren aufliegende Ohrpolster, die beim Focus durch ANC unterstützt wird.

Beim Musik hören senken beide den Geräuschpegel, aber die Kinderstimmen bleiben klar erkennbar, es sei denn, man dreht die Musik laut auf. Bei einem Skype-Anruf dagegen verschwindet die Geräuschkulisse fast vollständig.

Beim Evolve2 wird die eigene Stimme glasklar übertragen, das Voyager klingt etwas künstlicher. Beide Headsets lassen sich stundenlang bequem tragen. Auch der Musikgenuss kommt nicht zu kurz, beim Jabra lässt sich der Klang per Smartphone-App anpassen.

Für die Funkstrecke zum PC oder Mac verwenden Evolve2 und Focus UC winzige USB-Adapter mit einer theoretischen Reichweite von 30 Metern.

Jabra Mono Headset

Jabra
Jabra Mono Headset/Kopfhörer 'Evolve2 65' & Link380c UC, Beige

ab 279,80 Euro (Stand: 19.05.2020)

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Das Jabra hat einen pfiffigen Mikrofonarm: Runterklappen, um einen Anruf anzunehmen, hochklappen, um stumm zu schalten. Den Mikrofonarm des Focus kann man in beide Richtungen drehen und damit sowohl links als auch rechts tragen. Über einen Sensor weiß das Focus, ob es auf den Ohren sitzt. Aufsetzen nimmt einen Anruf an, absetzen schaltet stumm oder hält die Wiedergabe vorübergehend an.

Headsets mit integrierten Mikrofonen

Die anderen vier Headsets müssen ohne Mikrofonarm auskommen und verwenden vier oder mehr integrierte Mikrofone, um die Stimme des Nutzers zu lokalisieren. Dicke Ohrpolster umschließen die Ohrmuscheln und liegen direkt am Kopf an. Die passive Geräuschunterdrückung ist damit bereits sehr effektiv, wenn die Passform stimmt. Das kann aber auch zu heißen Ohren führen.

Damit man noch seine eigene Stimme hören kann, spielen alle vier die Stimme des Nutzers beim Telefonieren in die eigenen Ohrmuscheln ein. Wie laut man sich hört, kann man per App regeln. Wenn man seine Umgebung hören will, können alle vier Headsets auf akustischen Durchzug schalten. Das von den Außenmikrofonen aufgenommene Geräusch wird dann einfach nach innen durchgereicht.

Microsoft Surface Headphones

Microsoft
Microsoft Surface Headphones

ab 199,00 Euro (Stand: 19.05.2020)

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Die Surface Headphones von Microsoft haben die mit Abstand eleganteste Bedienung. Ein Rad an der rechten Ohrmuschel passt die Lautstärke an, links dagegen die Geräuschunterdrückung in 13 Stufen von Durchzug bis volle Dämpfung. Das fühlt sich völlig natürlich an. Rechts dreht man die Musik auf, links die Umgebungsgeräusche. Mit zwei Händen stellt man ohne Nachzudenken blitzschnell genau das ein, was man haben möchte. Beide Ohrmuscheln haben ein Touch-Bedienfeld, mit dem man nach Belieben links oder rechts Anrufe annehmen kann oder die Musikwiedergabe steuert.

Plantronics 'Voyager 8200 UC'

Plantronics
Plantronics Bluetooth Headset 'Voyager 8200 UC' Schwarz

ab 429,83 Euro (Stand: 19.05.2020)

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Das Poly Voyager 8200 UC ist der Großvater im Testfeld. Es hat ebenfalls den kleinen USB-Adapter zur Verbindung mit PC oder Mac. Per Schiebeschalter wählt man zwischen zwei ANC-Stufen, ein Knopf schaltet auf Durchzug.

Das Design mit dem Holzimitat ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber das tut der Funktion keinen Abbruch. Während die Surface Headphones bei der Musikwiedergabe schwächeln, bietet das Poly einen vollen Klang mit glasklaren Höhen. Man wünscht sich den fehlenden Equalizer, um die sehr prominent auftretende Basstrommel etwas einzubremsen. Wer gerne Electronic Dance Music hört, findet hier den richtigen Begleiter.

Jabra Elite 85h

Jabra
Jabra Elite 85h Bluetooth Active Noise Cancelling Kopfhörer

ab 199,00 Euro (Stand: 19.05.2020)

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Jabra behauptet, das Elite 85h würde mit seinen acht Mikrofonen für besonders klare Telefonverständlichkeit sorgen. Diesen Platz kann es diesem Testfeld nicht beanspruchen. Bei keinem anderen Headset gehen so viele Nebengeräusche über den Sender. Dafür ist es das schlaueste Headset dieser Gruppe. Es kann selbstständig zwischen verschiedenen Soundprofilen umschalten. In ruhigen Umgebungen schaltet es das ANC aus, wenn man in Bewegung ist, schaltet es auf Durchzug und wenn ein lauter Bus vorbeifährt, dann drückt das ANC den Lärm weg. Diese Automatik ist abschaltbar, so dass man auch per Tastendruck Profile wechseln kann. Das Headset verzichtet auf einen separaten Einschalter. Man dreht einfach die Ohrmuscheln in die Ruheposition und es schaltet sich aus.

Bose NC 700

BOSE
Bose Kopfhörer 700, Silber, mit Alexa-Integration

ab 279,00 Euro (Stand: 19.05.2020)

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Das Bose NC 700 war zunächst gar nicht für diesen Vergleich vorgesehen. Die Bose-Headsets haben sich einen guten Ruf als Kopfhörer für Vielflieger verdient und verfügen über eine überragende aktive Geräuschunterdrückung. Zu unserer großen Überraschung funktioniert das auch beim Telefonieren überdurchschnittlich gut.

Bauartbedingt muss sich das NC 700 nur den beiden Modellen mit Mikrofonarm geschlagen geben. In der Summe aller Eigenschaften wäre es eine Empfehlung wert, wenn es nicht einen Pferdefuß hätte. Will man das Headset über die Bose-App konfigurieren, verlangt diese eine persönliche Registrierung, die mit einer sehr übergriffigen Datenübermittlung einher geht. Das ist sehr bedauerlich, denn ansonsten ist diese App sehr gut geeignet, Bluetooth-Verbindungen zu verwalten und den Klang anzupassen.

Fazit

Alle sechs Headsets sind gut für Telefongespräche und Videokonferenzen geeignet. Die Bedienung gibt kaum Rätsel auf und funktioniert bei allen einwandfrei.

  • Was die Sprachverständlichkeit angeht, lautet die Rangfolge: Evolve2 65, Voyager Focus, NC 700, Voyager 8200, Surface, Elite 85h.
  • Bei der Geräuschunterdrückung liegt das NC700 weit vorne, gefolgt von Elite 85h, Voyager 8200, Surface, Voyager Focus und Evolve2 65.
  • Beim Klang schlagen die vier Over-Ears die beiden On-Ears, mit leichten Vorteilen für NC 700 und Voyager 8200.

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