Sonntag, 5. April 2020

Das Leben der Reichen Wo Männer ihren Frauen Boni zahlen

Fein gemacht, Schatz: In der Geldelite der Upper East Side bekommen, wie eine Anthropologin herausfand, etliche Frauen von ihren Männern Boni gezahlt - für gute Haushaltsführung und erfolgreiche Kindererziehung

Es war nach eigenen Angaben ein "kultureller Schock" für die Anthropologin Wednesday Martin, als sie in das New Yorker Nobelviertel Upper East Side zog. Martin, die früher unter anderem das Leben von Frauen in den abgelegenen Regionen des Amazonas-Beckens untersucht hatte, stieß in dem kleinen Gebiet westlich der Lexington Avenue, nördlich der 63. Straße und südlich der 94. Straße auf eine sehr exotische Gesellschaft mit sehr eigenen Gesetzen: Streng nach Geschlechtern getrennt, die Frauen allesamt nicht erwerbstätig.

Und das Bizarrste: Etliche von ihnen bekommen von ihren reichen Männern einen vertraglich verhandelten Bonus ausgezahlt, wenn sie besonders gut mit dem Haushaltsgeld umgehen oder die Kinder besondere schulische Erfolge erzielen.

"Glam SAHMs", glamouröse Stay-at-home-moms, nennt Martin in einem Beitrag für die New York Times die Frauen der hier sesshaften Geldelite, die ihre Kinder im Business-Dress zur Schule bringen. Rund 100 dieser Frauen hat Martin sechs Jahre lang regelmäßig getroffen. Die meisten von ihnen sind, so Martin, um die 30 Jahre alt und haben gute Abschlüsse von renommierten Universitäten oder Business Schools. Sie haben meist drei bis vier Kinder unter zehn Jahren, deren Erziehung zu möglichst großem sozialen und schulischen Erfolg sie zu ihrem prestigeträchtigen Hauptprojekt machten - "intensive mothering" heißt das auf Soziologisch.

Nicht nur die Tatsache, dass die Männer, oft als Hedgefondsmanager oder private Vermögensverwalter, Millionen scheffeln, während die Frauen ihre erworbene berufliche Kompetenz meist unentgeltlich für ehrenamtliche und karitative Zwecke einsetzen, trennt die Geschlechter. Auch sonst schotten sich Frauen und Männer recht streng voneinander ab.

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