Donnerstag, 12. Dezember 2019

Wie der Handelskrieg eskaliert USA versus China: Zwei angeschlagene Riesen

Containerschiffe: Die 20.000-Kästen-Kasten
DPA

Eine Lösung im Handelskrieg? In der kommenden Woche wollen USA und China noch mal verhandeln. Scheitern sie, zündet kurz vor Weihnachten die nächste Eskalationsstufe. Es wäre ein Desaster - aber leider ziemlich wahrscheinlich.

Der nächste Showdown auf der Weltbühne steht bevor. Am Donnerstag treffen sich die Emissäre der USAund Chinas: Zwei selbststilisierte starke Männer, Donald Trumpund Xi Jinping, lassen ausloten, ob sich die nächste Runde im Handelskriegdoch noch abwenden lässt.

Henrik Müller
manager magazin
Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor war Müller stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.

Die Bedeutung dieser Verhandlungen lässt sich kaum überschätzen. Scheitern sie, wollen die USA ab dem 15. Dezember auf praktisch alle Einfuhren aus China Zölle erheben; die durchschnittlichen Abgaben auf China-Importe liegen dann bei 25 Prozent. China hat Gegenzölle in ähnlicher Größenordnung ankündigt.

Der eskalierende Handelsstreit hat ein fundamentales Unsicherheitsmoment in die Weltwirtschaft gebracht. Die Auswirkungen auf die Konjunktur sind längst spürbar. Gerade in handelsintensiven Volkswirtschaften wie der deutschen (Donnerstag gibt's neue Zahlen vom Export) kürzen Industrieunternehmen ihre Investitionspläne zusammen und beginnen Kapazitäten abzubauen, womöglich auch Arbeitsplätze zu streichen.

Vor allem aber fügen sich die USA und China selbst gegenseitig Schmerzen zu. Die US-Exporte nach China sind seit Sommer 2018 um 30 Prozent zurückgegangen, die Importe um 15 Prozent, wie Deutschlands führende Konjunkturforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose vorrechnen. Auch wenn man berücksichtigt, dass ein Teil des sino-amerikanischen Handels nun über Vietnam umgeleitet wird, ist ein herber Rückgang des Warenaustauschs zwischen zwei wichtigen Handelspartnern zu verzeichnen.

Derweil geht in China das Wirtschaftswachstum zurück. Bislang ist es der Staatsführung gelungen, soweit gegenzusteuern, dass die Konjunktur halbwegs stabilisiert ist. Damit aber verschiebt Peking gegenwärtige Probleme in die Zukunft (dazu unten mehr).

Trump hatte den Amerikanern versprochen, Handelskriege seien "leicht zu gewinnen". Stattdessen gibt es nun Verlierer auf allen Seiten. Und es erweist sich als schwierig, die Eskalation zu stoppen: Eine Eigendynamik hat eingesetzt, die auf die Währungspolitik überzugreifen droht.

All das war zu erwarten. Warum ist es dennoch soweit gekommen?

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