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Spitzengehälter weltweit: Wieviel (mehr) Geld Chefs verdienen

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Spitzengehälter Was Chefs verdienen - und was das für Ihr Gehalt bedeutet

Sie meinen, ein Chef sollte nicht mehr als zwanzigmal so viel Geld bekommen wie ein einfacher Angestellter? Ein Ländervergleich zeigt: In Ländern wie USA, Schweiz und Deutschland verdienen Konzernchefs noch viel mehr, als ihre Angestellten je zu träumen wagten.

Hamburg - Als VW-Chef Martin Winterkorn ein Gehalt von 17,5 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2011 meldete, ging ein Raunen durch die Republik. Ist es gerecht, wenn ein Konzernchef etwa 350mal so viel verdient wie ein VW-Arbeiter am Band, wenn man für diesen inklusive Boni 50.000 Euro Jahresgehalt ansetzt? Im Folgejahr begrenzte Winterkorn sein Gehalt freiwillig auf 14,5 Millionen Euro - mit der Begründung, ein höheres Gehalt sei "nicht vermittelbar."

Der Betriebsrat des erfolgsverwöhnten Volkswagen-Konzerns applaudierte - Betriebsratschef Bernd Osterloh fügte hinzu, im Vergleich zu einigen Fußballprofis sei Winterkorn noch immer "unterbezahlt."

Wie viel Geld sollte ein Chef verdienen? Welches Verhältnis zwischen einem einfachen Gehalt und dem Gehalt eines Konzernchefs wird als gerecht empfunden? Michael Norton von der Harvard Business School und Sorapop Kiatpongsan von der Chulalongkorn University in Thailand sind diesen Fragen nachgegangen: Befragte in 40 Ländern gaben im Durchschnitt in ihren Schätzungen an, dass ein Unternehmenschef wahrscheinlich zehnmal so viel Geld verdient wie ein einfacher Arbeiter oder Angestellter - und dass das ideale, als gerecht empfundene Verhältnis lediglich bei 4,6 liegen sollte. Über die noch nicht veröffentlichte Studie der beiden Forscher berichtet Gretchen Gavett in einem Blog des Harvard Business Review .

Ein Chef darf ein Vielfaches verdienen - aber auch das Hundertfache?

Ein geschätztes Verhältnis von 10:1, ein "ideales" Verhältnis von 4,6: In der Realität verdienen Unternehmenschefs jedoch weit mehr, als die Befragten je zu träumen wagten. In vielen Ländern verdient ein CEO mehr als das Hundertfache als ein einfacher Angestellter, wie der folgende Ländervergleich zeigt.

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Eine weitere Erkenntnis der Studie: Das Durchschnittsgehalt eines CEO liegt nicht nur um ein Vielfaches höher als landläufig angenommen. Würde man das reale Gehalt der Unternehmenslenker sowie das als "gerecht" empfundene Verhältnis von Chefgehalt und einfachem Gehalt zum Maßstab nehmen, dann müssten in vielen Ländern die Arbeiter und Angestellten mehr als eine Million Dollar im Jahr verdienen. Ein Überblick.

USA: Wenn der Firmenchef 354mal so viel verdient wie das Fußvolk

Es schadet der Arbeitsmoral und fördert die Unzufriedenheit im Unternehmen, wenn ein CEO-Gehalt mehr als 20mal so hoch ist wie das eines einfachen Arbeiters Angestellten, hatte der legendäre Unternehmensberater Peter Drucker seinerzeit gewarnt. In den USA würde sich jedoch kaum noch ein durchschnittlicher CEO mit solch einem "Hungerlohn" zufrieden geben: Im Land der unbegrenzten (Gehalts)möglichkeiten verdient ein CEO inzwischen rund 354 mal so viel wie ein einfacher Arbeiter - bei einem durchschnittlichen Chefgehalt, wohlgemerkt.

Das CEO-Durchschnittsgehalt in den USA liegt laut der Harvard-Studie von Norton und Kiatpongsan bei rund 12.2 Millionen Dollar - während ein einfacher Angestellter oder Arbeiter im Durchschnitt 34.600 Dollar im Jahr verdient. Daraus ergibt sich ein realer Faktor von 354 - während die Befragten in den USA im Schnitt angaben, dass ein CEO in einer idealen, gerechten Welt etwa siebenmal so viel verdienen sollte wie sein Fußvolk.

Teilt man das tatsächliche CEO-Einkommen durch diesen als "ideal" angegebenen Faktor von 6,7, dann müsste ein Arbeiter in den USA jährlich 1,8 Millionen Dollar nach Hause bringen. In Deutschland gibt man sich etwas bescheidener.

Deutschland: Warum Sie knapp 60.000 Euro pro Monat verdienen müssten

In Deutschland sind die Konzernchefs im Schnitt deutlich bescheidener als in den USA. Ein CEO verdient "nur" das 147fache eines einfachen Arbeitergehalts. Während das durchschnittliche Jahresgehalt eines einfachen Beschäftigten laut Studie bei 40.200 Dollar liegt (entspricht rund 32.000 Euro), nimmt ein Firmenchef in Deutschland im Schnitt knapp 6 Millionen Dollar (4,7 Millionen Euro) mit nach Hause.

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Ähnlich wie in den USA gaben auch die in Deutschland befragten Studienteilnehmer an, dass ein CEO in einer "gerechten" Welt etwa sechs- bis siebenmal so viel verdienen sollte wie ein einfacher Beschäftiger. Der Faktor liegt mit 6,3 etwas niedriger als in den USA. Teilt man ein durchschnittliches Chefgehalt in Deutschland durch diesen Faktor, käme ein einfacher Arbeiter oder Angestellter in der Bundesrepublik auf ein Jahresgehalt von 946.000 Dollar - das entspricht 750.000 Euro im Jahr oder rund 60.000 Euro im Monat plus Weihnachtsgeld.

Dänemark: Doppelt so viel Geld für den Chef - und mehr nicht

Deutschlands nördlicher Nachbar Dänemark würde in einer "gerechten" Welt den CEOs das doppelte Gehalt eines einfachen Arbeiters zugestehen - in keinem anderen Land würden die Unternehmenschefs dermaßen knapp gehalten. Doch auch in Dänemark klafft eine große Lücke zwischen Wunsch und Realität: Während der "gerechte" Faktor bei lediglich 2.0 liegt, verdient ein CEO in Dänemark real etwa 48mal so viel.

Dem CEO-Durchschnittsgehalt in Höhe von 2,1 Millionen Dollar (das ist nicht einmal halb so viel wie in Deutschland) steht ein Beschäftigten-Einkommen in Höhe von 45.500 Dollar (mehr als 10 Prozent mehr als in Deutschland) gegenüber. Würden die dänischen Arbeiter und Angestellten sich mit ihren Gerechtigkeits-Vorstellungen durchsetzen, müssten sie halb so viel verdienen wie ihre Chefs: Im Schnitt also rund 1,05 Millionen Dollar pro Jahr.

Schweiz: Eidgenossen lassen Deutschland hinter sich

In der Schweiz beträgt das Durchschnittsgehalt eines einfachen Arbeiters oder Angestellten rund 50.000 Dollar im Jahr - während die CEOs von Schweizer Unternehmen auf ein Durchschnittsgehalt von 7,4 Millionen Dollar kommen. Beide Werte sind deutlich höher als in Deutschland. Ein Schweizer CEO verdient damit laut der Harvard-Studie 148mal so viel wie ein einfacher Angestellter - dieser Wert wiederum ist mit Deutschland vergleichbar.

Die Eidgenossen billigen ihren Unternehmenschefs in der Umfrage genau das Fünffache eines einfachen Jahresgehalts als "gerechte" Bezahlung zu. Würde man diesen Faktor auf die real gezahlten Chefgehälter anwenden und die einfachen Gehälter entsprechend erhöhen, käme ein einfacher Arbeiter oder Angestellter in der Schweiz auf ein Jahreseinkommen von 1,4 Millionen Dollar.

Polen: Wo die Bescheidenheit zuhause ist

Unter den in der Studie untersuchten Ländern geben sich die Firmenchefs in Polen am bescheidensten - hier verdient ein CEO im Durchschnitt nur etwa 28mal so viel wie ein einfacher Beschäftigter. Dessen Einkommen von rund 20.000 Dollar im Jahr stehen CEO-Bezüge von rund 560.000 Dollar gegenüber.

Die in Polen befragten Studienteilnehmer billigten den Firmenchefs in einer "idealen Welt" den fünffachen Jahresverdienst zu. Würde man die realen Chefbezüge durch diesen Faktor 5 teilen, käme ein einfacher Beschäftigter auf rund 112.000 Dollar.

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