Mittwoch, 13. November 2019

Kampf um milliardenschwere Gaming-Branche Apples neuer Spieledienst Arcade im Test

Spielemarkt: Apples Arcade im Test
Andrea Warnecke/dpa-tmn

Spielen ohne Ende für 4,99 Euro im Monat? Das ist eine Ansage. Apples neuer Spieledienst Arcade will genau das bieten. Knapp 100 Spiele zum Spielen auf fast allem, was Apple aktuell im Portfolio hat: iPhone, iPod touch, iPad, Mac und Apple TV - nur die Apple Watch geht leer aus.

Arcade will sein, woran etliche Angebote bislang noch scheitern - ein echter Cross-Plattform-Dienst mit einer großen Auswahl. Die Idee: Wer ein Spiel zum Beispiel am Fernseher beginnt, soll es unterwegs auf dem Smartphone oder an einem anderen Ort auf dem Mac fortsetzen können. Spielstände inklusive. Apple wirbt außerdem mit Datenschutz: Spieleentwickler können demnach ohne Zustimmung keine Daten über ihre Spieler sammeln und deren Verhalten auch nicht tracken.

Apple Arcade ist ab iOS 13 Bestandteil des App Stores, auf dem Mac ist das Betriebssystem macOS Catalina nötig. Nutzer der TV-Box Apple TV erhalten nach dem Update auf die neueste Version von tvOS eine neue Arcade-Kachel angezeigt. Wer sie anklickt oder die Store-Rubrik auswählt, muss nur noch den kostenlosen Probemonat starten - und los geht's. Installation? Fehlanzeige, Arcade ist Teil des Ganzen.

Seit der Einführung von iOS 13 ist Apple Arcade ein eigener Bereich im App Store
Andrea Warnecke/dpa-tmn
Seit der Einführung von iOS 13 ist Apple Arcade ein eigener Bereich im App Store

Keine Blockbuster, dafür viele Perlen

Die Spiele sind nach Rubriken wie Action, Abenteuer, Multiplayer, Plattformer, Puzzle, Rollenspiel oder Strategie geordnet. 100 Spiele soll der Katalog bald umfassen, heißt es von Apple. Zum Start sind es noch knapp 80.

Und gleich auf den ersten Blick fällt auf: Apple Arcade ist kein Dienst für Extremspieler. Hardwarehungrige Shooter à la "Call of Duty" finden sich hier ebenso wenig wie "Assissin's Creed", ein Teil der "Fallout"-Serie oder ein Titel der "Anno"-Reihe.

Stattdessen gibt es reichlich kleine und mittelgroße Spiele: Rätsel, Geschicklichkeit, Simulation, Abenteuer. Etliche Geschichten rund um die Spiele, Interviews mit den Entwicklern oder Tipps zu einzelnen Titeln ergänzen das Angebot.

Die Auswahl der Spiele funktioniert wie bei anderen Apps: Sie werden auf dem Apple-Gerät installiert und können so jederzeit auch unterwegs gespielt werden. Zum Beispiel "Spek", bei dem man das Spielfeld klug verschieben muss, um Puzzle zu lösen. Oder "Mini Motorways", eine immer schwieriger werdende Verkehrssimulation.

Spiele mit Tiefgang und alte Bekannte

Und auch wenn besagte Multimillionen-Dollar-Produktionen nicht Teil des Katalogs sind, die auf der verwendeten Hardware ohnehin nicht laufen würden: Einen Mangel an Tiefe gibt es nicht. Neben schönen, aber eher simplen Puzzlern gibt es mit Titeln wie "Shinsekai: Into the Depths", "Oceanhorn 2" oder "Jenny LeClue - Detectivu" deutlich mehr Tiefgang.

Und auch ein paar alte Bekannte trifft man in Apple Arcade wieder. Etwa Rayman, die Jump'n'Run-Figur mit schwebenden Händen und Füßen aus den 1990er Jahren, ebenso Igel Sonic, der in "Sonic Racing" über den Bildschirm jagt. Oder den Frosch aus "Frogger", der nicht mehr nur Straßen überqueren muss, sondern gefährliche Reisen durch Kinderzimmer und Wohnungen antritt. Ebenfalls mit dabei: "Pac-Man", diesmal als Multiplayer-Partyspiel.

Spielen an der Apple-TV-Box: Apple Arcade läuft auf (fast) allen Geräten des Apfel-Konzerns
Andrea Warnecke/dpa-tmn
Spielen an der Apple-TV-Box: Apple Arcade läuft auf (fast) allen Geräten des Apfel-Konzerns

Ein Paar Probleme gibt es aber doch

Alles in allem machen die Spiele - je nach Genrevorliebe - Spaß. Manche fesseln mit liebevoll gezeichneter Grafik oder schön erzählten Geschichten. Auch der Wechsel zum Beispiel von Apple TV zum iPhone oder einem anderen Gerät klappt gut.

Doch es gibt noch einige Haken. Manche Spiele - zum Beispiel "Hot Lava", eine Interpretation des Kinderspiels, bei dem der Boden nicht berührt werden darf - lassen sich nur mit Gamepad so richtig gut spielen. Lädt man es ahnungslos auf sein Apple TV mit Steuerung per Fernbedienung, bleibt der Spielspaß auf der Strecke.

Andere Spiele sind eher für die Touch-Bildschirme eines Smartphones oder Tablets geschaffen. Versucht man sich dann mit dem Gamepad, lassen sich nur die Menüs bedienen. Zudem werden nicht alle Gamepads unterstützt, sondern nur einige ausgewählte Controller für Xbox, Playstation 4 und Modelle mit MFi-Kennzeichnung (Made for iOS).

Fazit: Sorglos-Spielebibliothek für Zwischendurch

Arcade ist die bunte Spielwiese im Apple-Universum. Für einen Fünfer im Monat gibt es hier eine schöne Auswahl von Spielen - ohne Werbung und Zusatzkäufe. Apples Familienfreigabe öffnet das Angebot außerdem für bis zu sechs Familienmitglieder - so braucht man sich dann auch keine Gedanken mehr um das App-Budget der Kinder machen. Eine tolle Sache, wenn man denn eine Familie ist, in der Eltern und Kinder jeweils mindestens ein Apple-Gerät haben.


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Aber auch erwachsene Spieler finden reichlich Zerstreuung im Katalog. Die einfache - weil nicht vorhandene - Einrichtung macht den Zugang zu Arcade enorm leicht. Für Apple-Nutzer mit Spieleleidenschaft ist das Abo eigentlich ein logischer Schritt.

Ist man allerdings nicht im Apple-Universum unterwegs, ist Arcade leider gar nicht interessant. Mit dem Google Play Pass gibt es für Android zwar einen ähnlichen Service - allerdings bislang nur in den USA. Auch Liebhaber der großen Titel schauen bei Arcade in die Röhre. Die fehlen völlig. Ehrlicherweise wäre es aber auch ziemlich vermessen, sie in einem Service für fünf Euro pro Monat zu suchen.

Till Simon Nagel, dpa

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